Das Ende der Palmen

Das Stadtverwaltung von La Orotava hatte am 20. Februar 2017 den Platz vor dem Rathaus sperren lassen. Die dort stehenden alten Palmen waren krank und hätten umstürzen können. Die Palmen wurden dann im März gefällt.

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Bei zwei der teilweise 16m hohen Palmen konnte man große Löcher im Stamm erkennen. Die mit der Wartung der städtischen Gärten beauftragte Firma hatte in den Palmen direkt vor dem Gebäude 70cm große Löcher entdeckt. Diese mussten auf jeden Fall gefällt werden. Durch akustische Untersuchungen fand man weitere Hohlstellen, die auch untereinander Verbindung hatten. Da auch die anderen mehr oder weniger stark betroffen waren, hatte man den Platz gesperrt, um Gefahr von Gebäuden und Menschen abzuwenden. Die einzige noch unbeschädigte Palme war die an der Ecke der Straße Nicolás de Ponte.

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Der Rat der Stadt hatte schon im Mai 2016 beim Dienst für Pflanzengesundheit des Landwirtschaftsministeriums um eine Untersuchung der Palmen gebeten. Warum diese erst ein Jahr später erfolgte, ist unklar.

Die Ursache der Schäden war auf einen Insektenbefall zurückzuführen. Es handelte sich um den Bananenbohrer, der hier auch als Palmenbohrer bekannt ist. Die Larven dieses Insekts fressen sich in das Holz und zerstören es.

Der Bananentriebbohrer Opogona sacchari Bojer, wie er richtig heißt, ist ein Nachtfalter, der sich tagsüber in den Pflanzen versteckt und dort seine Eier ablegt. Die Raupe ist 21-26 mm lang und 3-6 mm dick. Es wird vermutet, dass das Tier seine ursprüngliche Heimat auf St. Helena hat und bereits im 19. Jahrhundert mit dem Seehandel nach Mauritius, Afrika, Australien und Hawaii verschleppt wurde. In den 1920er Jahren trat Opogona sacchari erstmals als bedeutender Schädling an Bananen auf den Kanarischen Inseln auf. 1969 wurde er in den Niederlanden bekannt. Seine Reise ging weiter: 1974 Italien, 1978 Brasilien, in den 80er Jahren Griechenland, Frankreich, Florida, 1997 China. In Deutschland wurde er im Jahr 2007 erstmals nachgewiesen. Während der Falter auf den atlantischen Inseln und im Mittelmeerraum im Freien vorkommt, befällt er in Mitteleuropa nur Pflanzen in Gewächshäusern. Die Raupe ist nicht besonders wählerisch, was ihre Nahrung betrifft, sie frisst sich durch alle möglichen Pflanzenarten, ebenso wie durch Totholz.

Offenbar handelt es sich nicht um den gefürchteten Palmenbohrer, einem Rüsselkäfer. Dieser richtet im Mittelmeerraum schon große Schäden an Dattelpalmenbeständen an.

Die gefällten Palmen wurden durch Neuanpflanzungen ersetzt. Ob man der Plage dadurch Herr wird, ist zweifelhaft, denn die Falter können gut fliegen und flattern bei der Fällung womöglich munter weiter zum nächsten Baum.

In den Palmstämmen vor dem Rathaus steckten außerdem auch schon seit 40-50 Jahren Nägel, die zur Befestigung der Abdeckungen beim Anlegen der Sandbilder auf dem Platz dienten. Es musste dann nach einer anderen Lösung zur Befestigung des Zeltdaches gesucht werden, das einen Monat vor Fronleichnam über den Platz gespannt wird.

Live-Blick über die Plaza: https://www.skylinewebcams.com/webcam/espana/canarias/santa-cruz-de-tenerife/la-orotava.html

Am 06.03.17 ist es dann geschehen: Die majestätischen alten Palmen wurden gefällt. Der historische Platz hatte damit seinen Charme verloren und sieht seitdem kahl und traurig aus. Nur eine der sieben Palmen ist übrig geblieben und steht verloren in der Ecke.

Man stellte nun fest, dass an einigen Stellen der Stämme die Hohlräume mehr als 25% des Durchmessers ausmachten, was eine gravierende Gefahr darstellte. Im schlimmsten Fall blieben nur noch 15cm des Stammes übrig. Das Fällen der 112 Jahre alten Bäume war deshalb unausweichlich. Da es sich bei den Palmen um geschützte Bäume handelte, mussten zuerst noch die Umwelt- und Landwirtschaftsbehörden der Regierung zustimmen, was aber auf Grund der Gefahr schnell erfogte.

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Fotos: Ayuntamiento La Orotava

Auch die Stümpfe wurden ausgegraben und Pflanzlöcher vorbereitet für sieben neue Palmen, die eine Höhe von etwa zwei Meter haben sollen.

Im April sind auch die neuen Palmen gepflanzt worden. Ein klein bisschen Grün machte den Platz schon wieder ein klein bisschen schöner. Und in 100 Jahren sind sie ja wieder so groß wie die alten…

So sah es im Jahr 1905 aus (Foto: fotosantiguascanarias.org)

Im April 2018 mussten dann auch auf der Plaza de la Constitución Bäume gefällt werden: Trauriger Anblick.

Im Juni 2018 ersetzte die Stadt auf dem Platz auch die alten Lampen. Die neuen wurden nach historischem Vorbild geschaffen und sind mit modernster Lichttechnik ausgestattet, die auch dem kanarischen Himmelsgesetz gerecht wird. Auch an den Bänken wurden neue Wappen nach alten Vorlagen angebracht. Die Aktion kostete 320000 €. Die Fliesen auf dem fast 1000 qm großen Platz sollen auch ersetzt werden, aber dies sei „eine Aufgaben für die nächsten Amtsperiode“, wie Bürgermeister Linares mitteilte. Das Zeltdach zum Schutz des Sandteppichs kann nun nicht mehr an den Palmen befestigt werden. Seither stellt man extra Zelte auf.

Im Dezember 2019 beschloss man in La Laguna, 16 Palmen in der schönen Allee Camino Largo zu fällen. Dort waren sie von einem Pilz befallen. Trotzdem ist der Der lange Weg ein schöner Spazierweg.


Artikel-Nr. 19-4-51

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