Unterwasserwelt

Eine Kathedrale für Taucher

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Vor der Küste von Santa Úrsula gibt es eine außergewöhnliche Unterwasserlandschaft. Sie besteht aus spektakulären geologischen Formationen, die den Ruinen eines gewaltigen Tempels ähneln, der im Laufe der Jahrhunderte abgerissen wurde, oder den riesigen Orgeln antiker Kathedralen.

larapadura4Diese beeindruckenden Basaltgebäude befinden sich am Fuße des als La Rapadura bekannten Gebiets, das an der La Quinta-Klippe beginnt und etwa 120 Meter bis zum Meer abfällt. Unter Wasser sinkt es abrupt ab und zerbricht in riesige prismatische Blöcke, Säulen, die auf verschiedenen Ebenen enden oder die sich aufgelöst haben und auf dem Meeresboden aufgetürmt liegen.

Panela_en_cuadros_wikipediaRapadura ist normalerweise eine Süßspeise aus eingedickter Melasse von Rohrzucker, die zu quaderförmigen Blöcken verarbeitet wird. In anderen Ländern heißt sie auch Panela.

Die Geologen bezeichnen solche Formationen als säulenförmige Disjunktion, sie kommen in verschiedenen Gesteinsarten und geologischen Umgebungen vor. In diesem Fall entwickelte sie sich aus einem Guss basaltischer Lava, die ins Meer gelangte, so dass sie sich beim langsamen Abkühlen und Erstarren zusammenzog und unzählige Risse und Spalten verursachte. Diese Brüche entstehen an den abkühlenden Oberflächen (Dach des Gussstücks, Seiten und Boden) und schreiten beim Abkühlen der Lavamasse nach innen fort. Auf den Oberflächen ist die Frakturierung unregelmäßig, aber da sie nach innen dringt, können die Brüche einem regelmäßigen Muster in Form von Prismen folgen, die drei bis sieben Seitenflächen haben, obwohl meist sechsseitige Prismen vorherrschen. Daher wird die säulenförmige Disjunktion auch als hexagonale Disjunktion bezeichnet.

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In vielen vulkanisch entstandenen Landschaften der Erde findet man solche Basaltsäulen auch an der Erdoberfläche. Wenn sie senkrecht stehen und von der Erosion freigelegt wurden, formen sie beeindruckende Landschaften. Die gigantischen Unterwassertürme der Rapadura von Santa Úrsula, die eine Höhe von 40 Metern erreichen, entstanden durch einem etwa 500.000 bis 1 Million Jahre alten Lavastrom. Nach dem Fließen und Abkühlen auf dem Meeresboden tauchte diese eigenartige Struktur zu einer Zeit an die Oberfläche, als der Meeresspiegel sank, wahrscheinlich während einer Vereisung. Daher ist die Spitze erodiert, was zeigt, dass sie eine gewisse Zeit außerhalb des Wassers verbracht hat.

Hier ist ein Video in Kurzform, bereitgestellt von der Website www.conocesantaursula.com :

larapadura2So haben die Gewässer des Atlantiks diese Kathedrale aus Magma gemeißelt, die das Werk eines gotischen oder romanischen Künstlers zu sein scheint. Ein unter dem Meer verborgener Schatz, der eine der überraschendsten Unterwasserlandschaften nicht nur der Kanarischen Inseln, sondern der ganzen Welt darstellt. So sehr, dass ihr 2012 das angesehene Magazin ‚National Geographic‘ einen Artikel widmete und Anfang 2018 eine wichtige amerikanische Publikation über das Tauchen sie zu einem der besten Tauchgänge der Welt kürte.

Die Orgelpfeifen von La Rapadura befinden sich etwa 50 Meter unter Wasser im Abschnitt der Acentejo-Küste bei Santa Úrsula. Es ist nur für erfahrene Taucher möglich, sie zu beobachten, da es sich um einen anspruchsvollen und tiefen Tauchgang handelt, der wegen der komplizierten Gezeiten- und Strömungsbedingungen besondere Kenntnisse erfordert. Der Abstiegspunkt liegt drei Seemeilen von Puerto de la Cruz entfernt. Nach dem Abtauchen könnte die Szenerie nicht erstaunlicher und dramatischer sein. Dazu trägt das spärliche Meeresleben des Gebiets bei, wo ein Übermaß an Diadem-Seeigeln die Algenpopulationen dezimiert hat. Das Ergebnis ist eine spärliche Flora und Fauna, die auf Schwämme, Hornkorallen (Gorgonien) und kleine Schwärme von Fischen reduziert ist.

Gorgonia_ventalina_wikipedia

Ein sehr beeindruckender Film von Yeray Marrero Guillen zeigt mehr von der Unterwasserkathedrale:

Im Video von Andrés Sañudo sieht man noch etwas von der Steilküste:

Es gibt eine Möglichkeit, an dieser Küste in eine Schlucht hinunter zu wandern. Lies hierzu den Artikel Barranco Hondo.

In der Nähe des Bunkers von Santa Úrsula steht man an einem Aussichtspunkt direkt oberhalb der Rapadura.

Quelle: conocesantaursula.com


Artikel-Nr. 27-4-165

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