Volcán de Fasnia

Eine Wanderung durch die Einsamkeit

Der Vulkan von Fasnia ist kein spektakulärer Berg, er ist einfach nur ein Haufen schwarzer Lava. Er liegt unterhalb des Observatoriums von Izaña in einer weiträumigen und erstaunlich farbigen Landschaft mit Retama und Teideginster. Eine Wanderung dort hin ist einfach und sehr einsam.

Die offizielle Route Nr. 20 im Nationalpark ist ein wenig begangener Rundweg, vielleicht, weil es dort nichts Spektakuläres zu sehen gibt, vielleicht auch, weil sie in den meisten Reiseführern nicht beschrieben ist. Viele fahren deshalb einfach auf der Höhenstraße daran vorbei. Ein Ziel ist auf jeden Fall den Weg wert: der schwarze Vulkan von Fasnia, der im Jahr 1705 ausgebrochen ist.

Die karge, baumlose Landschaft im mittleren Bereich des zentralen Höhenzug wurde in früheren Zeiten vom Menschen vielfältig genutzt.

Gewinnung von Honig mit Bienen: Dies ist eine der wenigen traditionellen Nutzungsformen, die heute noch im Nationalpark erlaubt ist und streng kontrolliert wird. Im Frühsommer stellen die Imker ihre Bienenkästen auf. Das ist die Zeit, in der die Retama und die Hierba Pajonera blüht. Es entsteht ein besonders wertvoller Honig, der sich durch seine cremige Konsistenz und seinen einzigartigen Geschmack auszeichnet.

Sammeln von Schnee: Eis und Schnee, die sich in Vertiefungen, Spalten und Höhlen angesammelt hatten, wurde früher hoch geschätzt. Man legte dafür extra „Schneebrunnen“ an, um ihn möglichst lange zu erhalten. Das Eis wurde dann in die Dörfer und Städte transportiert und konnte dort zu einem guten Preis verkauft werden.

Handelswege: Über den zentralen Höhenzug verliefen früher wichtige Verbindungswege, auf denen Händler mit Maultieren alle möglichen Waren von der einen Seite der Insel auf die andere brachten.

Holzkohlegewinnung: In der Sommerzeit nutzten die Viehhirten und Imker das Holz der Retama um Holzkohle herzustellen, die sie verkaufen konnten und so ein zusätzliches Einkommen erzielten. Dies hatte eine intensive Ausbeutung und Umformung der Umwelt zur Folge. Seit der Gründung des Nationalparks 1954 ist diese Aktivität verboten.

Kaninchenjagd: Das Wildkaninchen ist eine hier eingeführte Tierart. Es hat sich hervorragend an diese Umwelt angepasst und hat keine natürlichen Feinde. Traditionell wurden sie mit Hunden und dressierten Frettchen gejagt, die Frettchen kriechen in die Löcher und scheuchen sie auf, die Hunde apportieren sie. Zur Eindämmung von Überpopulationen und zum Schutz der empfindlichen Pflanzenwelt ist die Jagd heute unter kontrollierten Bedingungen erlaubt.

Hier ist ein Video dazu:

Nutzung der Retama zu medizinischen Zwecken: Ein Auszug aus den Blüten oder Blättern der Retama (Spartium junceum) wird schon seit alter Zeit gegen Rheuma, Pilz- und Harnwegsinfektionen eingesetzt.

Die Wanderung führt am schwarzen Vulkankegel von Fasnia vorbei. Der Ausbruch ereignete sich am 5. Januar 1705 in etwa 2200m Höhe, sechs Tage nachdem bereits ein Kilometer weiter südwestlich der Vulkan von Siete Fuentes ausgebrochen war, der jedoch nicht lange dauerte. Der Vulkan von Fasnia spuckte jedoch 11 Tage lang Feuer. Um 8 Uhr morgens spürte man heftige Erdbeben, und am Nachmittag öffneten sich längs einer Bruchspalte auf 1,5km insgesamt 30 Ausbruchskrater. Nach einer explosiven Anfangsphase wechselten sich Lavaflüsse und Ascheregen ab. Die Lavaströme flossen nach Osten den Hang hinunter und folgten glücklicherweise den vorgegebenen Barrancos, so dass keine Felder zerstört wurden und keine Menschen zu Schaden kamen. Der längste Strom reichte hinunter bis auf etwa 1000m Höhe, wo er kurz vor den besiedelten Gebieten zum Stehen kam.

Nur zwei Wochen später, am 2. Februar 1705, in perfekter geradliniger Verlängerung Richtung Nordosten, ereignete sich der viel heftigere Ausbruchs des Vulkans von Arafo, dessen Lava fast bis zum Meer floss. Eine Wanderung zum Vulkan von Arafo ist wesentlich anstrengender, hier ist die Beschreibung: Asche, Stein und Muskelkater.

Wanderung:

Sie beginnt am Parkplatz Corral del Niño an der Höhenstraße TF-24. Man parkt am besten, in Fahrtrichtung El Portillo gesehen, rechts, und überquert die Straße, wo man nach wenigen Metern den beschilderten Wanderweg sieht, dem man nach rechts folgt. Er schwenkt dann nach links und verläuft am Hang entlang in einem weiten Bogen. Nach vorne erblickt man den Kegel des Teide, nach hinten die Gebäude des Observatoriums von Izaña. Nach insgesamt 1,5km knickt der Weg nach links und fällt etwas ab, nach weiteren 600m und einer Rechtskurve steigt er noch einmal leicht an. In der Ferne Richtung Süden erkennt man jetzt auch den kleineren Vulkan von Siete Fuentes.

Über ein paar Treppenstufen geht es dann ein flaches Tal hinunter. Unten trifft man auf einen Fahrweg, dem man nach links folgt. In der Ferne erkennt man bei guter Sicht die Berge von Gran Canaria. Der flache Berg, um den man fast herum gewandert ist, heißt Montaña de la vaca. Nun läuft man plötzlich durch schwarze Asche und hat das Ziel vor sich: Der schwarze Vulkan von Fasnia.

Bei einer Schranke trifft man auf einen breiten Fahrweg, auf den es nach links, immer am Vulkan entlang, weiter geht. Leider kann man nur die eine Seite sehen, denn das Gebiet rund um den Vulkan ist Schutzgebiet und darf nicht betreten werden.

Der Kontrast zwischen dem schwarzen Gestein und den im Herbst fast weißen, vertrockneten Büschen ist beeindruckend und für Fotografen eine Herausforderung. Im späten Frühjahr dagegen bewundert man hier ein gelbes Blütenmeer, ein gedeckter Tisch für die Bienen. Bei diesen herrlich gelb blühenden, halbkugelförmigen Büschen handelt es sich um die hierba pajonera oder pajonera de cumbre, die zu den Kreuzblütlern gehört.

Natürlich wächst hier auch die Retama in großen Beständen. Besonders schön sieht sie aus während der Blüte im Frühsommer. Dann bemerkt man bei jedem Windstoß auch den zarten, süßliche Duft, den die weißen Blüten verströmen. Der hier gewonnene Retama-Honig ist berühmt.

Im Juni gibt es hier, rechts und links des Weges, auch eine kleine Ansammlung von blauen Tajinasten, sie sind viel kleiner und zarter als die roten, aber mit wunderhübschen Blüten. Mehr über diese endemischen Blumen, die es nur in Teneriffa gibt, findest du im Artikel Die Kerzen des Teide.

Nachdem man auf der geradlinigen Piste schon fast am Vulkan vorbei ist, gibt es aber bei einer Schranke die Möglichkeit zu einem Abstecher. Wer mag, kann hier nach rechts gehen, um den Berg noch von der anderen Seite aus zu sehen. Nach ca. 1,3km kommt man auch etwas näher an den Lavastrom heran. Bei klarem Wetter lohnt sich der Abstecher auch deshalb, weil man einen herrlichen Blick hinüber nach Gran Canaria hat.

Der Rückweg auf der Piste steigt nun bergauf und erreicht nach ca. 2km die Abzweigung der Izaña-Straße. Dort folgt man parallel zur Straße links dem Wanderweg, in leichtem Auf und Ab, zurück zum Corral del Niño.

Karte:

Entfernungen: 7,2km + Abstecher ca. 2,5km (hin und zurück)
Gehzeiten: 3h + Abstecher 50min
höchster Punkt: 2325m, tiefster Punkt 2180m

Bemerkung: Natürlich kann man die Wanderung auch an der Abzweigung der Izaña-Straße beginnen. Wenn man sie in umgekehrter Richtung läuft, hat man von Anfang an den schwarzen Vulkan im Blickfeld, der von weitem so harmlos aussieht.

Auf der gesamten Strecke gibt es keinen Schatten. Da die Route nicht sehr lang und einfach ist, kann man sie im Sommer auch gut noch am späten Nachmittag machen, um der Mittagssonne zu entgehen. Im Winter dagegen kann es auf den ungeschützten Hochebenen sehr windig und eiskalt sein.

Die Route ist als „Sendero 20“ komplett beschildert, ausgesprochen leicht zu gehen und beinhaltet keine Orientierungsschwierigkeiten.

Als Belohnung gibt es am Abend vielleicht noch einen spektakulären Sonnenuntergang oder einen Blick auf das Wolkenmeer. Der Parkplatz Corral del Niño ist ein hervorragender Ort dafür.

Gehe zu Google Map:

Diese Route als pdf und kmz-Datei für Google Earth: Lies nach auf der Seite SERVICE und schreib mir eine Mail.


Artikel-Nr. 10-2-170

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