Die Paradiesvogelblume

Ein Botschafter Teneriffas

Der Paradiesvogel ist auf der Insel gelandet! Wann genau, weiß man nicht, aber es muss schon im 18. Jahrhundert gewesen sein. Vermutlich kam er im Gepäck von Engländern auf die kanarischen Inseln, die in dieser Zeit begannen, exotische Pflanzen zu kultivieren und zu studieren. Eine solch außergewöhnliche schöne Pflanze im Garten zu haben, ist immer ein Vergnügen für jeden Gärtner.

Es gibt eine interessante und traurige Legende über über diese Blume und die Begeisterung, die sie auslöst.

Dieser Legende zufolge ließ sich zur Zeit der spanischen Kolonisation der Graf von Barcelona, Hernán de Montoya, in Cuernavaca (Mexiko) nieder. Er nannte seine Hacienda „El Paraíso“. Alsbald verliebte er sich in eine schöne Mulattin namens Carmen, die er schließlich heiratete.
Aber es gab noch einen anderen Mann, Rodrigo Hernández, der sich ebenfalls nach der jungen Frau sehnte. Unfähig, den Anblick seiner Geliebten mit einem anderen zu ertragen, plante er eine grausame Rache. Er wollte den Ehemann vergiften und Carmen für sich haben.
Und so kam es. Der Graf starb, ohne dass jemand wusste, warum. Seine traurige Frau begrub ihn im Garten der Hacienda, und in derselben Nacht wuchs im Licht des Mondes eine graue Blume.
Von da an, immer wenn es dunkel wurde, verwandelte sich die Blume in einen Vogel und flog zu Rodrigos Hacienda, wo er jede Nacht an sein Fenster klopfte. So lange bis er wahnsinnig wurde und den Verstand verlor.
Auch Carmen starb bald darauf vor lauter Trauer. Sie wurde neben ihrem geliebten Mann begraben, und nachts verwandelte sich dieser graue Blumenvogel in ein leuchtendes Orange. Seitdem ist sie als „Paradiesvogel“ bekannt, nach dem Namen der Hacienda, auf der sie lebte.

So weit die Geschichte.

Der Anbau von Blumen steht heute an dritter Stelle (nach Bananen und Tomaten) unter den landwirtschaftlichen Produktionssektoren Teneriffas und macht etwa 12% am Wert der Produktion aus. Ein großer Teil wird als Schnittblumen exportiert nach Europa und dem Nahen Osten. Die Strelitza ist ihr bekanntester Vertreter.

Der englische Naturforscher Joseph Banks brachte die Strelitzia zusammen mit 4000 anderen Arten von einer Expedition aus Südafrika nach Europa. Er pflanzte sie ab 1780 im Königlichen Botanischen Garten in London, der seit 1840 Kew Gardens heißt. Diese Gärten wurden zu einem Zentrum für das Studium und die Verbreitung von Arten.

(Bild: Wikipedia)

Die Eleganz der Blume verblüffte alle, und als es an der Zeit war, ihr einen Namen zu geben, entschied man sich für Strelitzia reginae, zu Ehren von Königin Charlotte von Mecklenburg-Strelitz, Gattin von König Georg III. von England. Die so genannte „Schwarze Königin“ (sie stammte von einem Zweig der portugiesischen Königsfamilie ab, dessen Ursprünge in Afrika lagen) war für ihre Zeit eine sehr gebildete Frau und ein großer Fan der Botanik und half bei der Anlage der heutigen Gärten von Kew.

In England konnte man sie nur im Gewächshaus kultivieren, denn es handelt sich um eine Pflanze, die aus Südafrika stammt und auf eine ganzjährige Temperatur zwischen 15 und 22 Grad angewiesen ist. Sie verträgt keine Temperaturen unter 5º und bei weniger als 10º fällt die Blüte aus. Je wärmer es ist, um so blühfreudiger wird sie. So fand sie auf den Kanaren eine ideale neue Heimat, wo sie auch im Freien angebaut werden kann. Die klimatischen Bedingungen sind hier ideal, denn sie kommt auch mit wenig Regen aus. Zu viel Bodenfeuchtigkeit mag sie gar nicht, deshalb sind die durchlässigen vulkanischen Böden ideal. Zum Glück ist die Strelitzia nicht sehr anfällig gegen Ungeziefer und Pilze, wenn die erforderlichen Bedingungen wie trockener Boden und gute Durchlüftung beachtet werden. Vor der Anlage eine Felds sollte allerdings die Erde auf Nematoden untersucht werden und gegebenenfalls geeignete Maßnahmen ergriffen werden.

(Fotos: planetatenerife.com)

Der Anbau ist jedoch aus anderen Gründen nicht einfach. Die Pflanze benötigt einen tiefgründigen Boden, da sie sehr kräftige und tief reichende Wurzeln hat. Sie kann deshalb für kommerzielle Zwecke nur auf ebenen, gut vorbereiteten und wenig steinigen Feldern rentabel gedeihen. Die Felder müssen vor der Pflanzung mindestens einen Meter tief umgegraben und mit reichlich Dünger versorgt werden, am besten in Form von Kompost, 20kg pro Quadratmeter sind erforderlich.

Seit etwa 1940 kultiviert man die Strelitzia auf Teneriffa. Große Felder findet man vor allem im Bereich von Valle de Guerra im Norden der Insel, was vor allem historische Gründe hatte, da der Export der Schnittblumen über den Flughafen Teneriffa Nord erfolgte. Leider legt die Pflanze natürlicherweise im Winter eine Wachstumspause ein und produziert im Sommer die meisten Blüten. Dies entspricht aber nicht den Anforderungen des Markts, denn gerade im Winter steigt die Nachfrage nach Schnittblumen in Europa und es werden die besten Preise erzielt. Deshalb erzwingen manche Bauern in ihren Plantagen eine Sommerpause, indem sie 40 bis 50 Tage lang nicht mehr bewässern, düngen und schneiden, und erst im Herbst mit einer kräftigen Düngergabe und Bewässerung wieder die Produktion anregen.

In Valle de Guerra gedeiht die Pflanze am besten in tieferen Lagen nahe der Küste. Einige Bauern bepflanzen aber auch höher gelegene Felder, weil sie durch den unterschiedlichen Zeitpunkt der Blüte so die Ernte über das ganze Jahr verteilen können.

Außerdem braucht ein Bauer viel Geduld, wenn er sich zur Produktion von Strelitzien entschließt. Die jungen Pflanzen können erst nach zwei Jahren ins Freiland gesetzt werden, wenn ihre Wurzeln kräftig genug sind. Dann muss man weitere zwei Jahre die ersten Blüten entfernen, denn sonst werden später nur kleine Blüten entstehen, die sich nicht Gewinn bringend verkaufen lassen. Erst nach 4 Jahren beginnt dann die Pflanze, ausreichend große und genügend viele Blüten zu produzieren. Dann kann man anfangs 8 bis 12 Blüten pro Pflanze erwarten, später können es 20 bis 30 für die Vermarktung geeignete Blüten pro Jahr sein.

In den Export gehen praktisch nur die Schnittblumen, etwa die Hälfte für den internationalen Markt. Jungpflanzen werden überwiegend für den hiesigen Markt produziert, für Gärten und Parkanlagen. Rund 90% der spanischen Produktion kommt von den Kanaren, zu 80% wiederum aus Teneriffa.

Eine Besonderheit der Paradiesvogelblume ist, dass sie zweigeschlechtlich ist. Sie wird nicht von Insekten bestäubt, sondern in ihrer natürlichen Heimat von Kolibris. Ihr süßer Nektar zieht die Vögel an, und wenn sie davon trinken wollen, befeuchten sie ihre Beine und bewegen so den Pollen von Blüte zu Blüte. Jede Blüte würde eine Fruchtkapsel produzieren, die etwa 70 bis 80 kleine, kugelförmige Samen enthält. Viele Urlauber kaufen die Samen und wollen sich den „tropischen Flair“ mit nach Hause nehmen, haben aber oft wenig Erfolg damit, auch wegen der langen Entwicklungszeit der Pflanze. Die Vermehrung der Pflanze zu kommerziellen Zwecken erfolgt in der Regel immer durch Stecklinge.

Kurz bevor das erste orangefarbene Blütenblatt sich öffnet, ist der Zeitpunkt der Ernte gekommen, immer früh morgens. Der Blütenstängel, der mindestens 75cm lang sein sollte, wird nicht geschnitten, sondern schräg ausgerissen und erst danach auf die gewünschte Länge gekürzt. Die Blüte sollte danach möglichst schnell zum Kunden kommen.

Die Pflanze selbst ist sehr langlebig, sie kann 40 bis 50 Jahre lang Ertrag liefern. Auch dies ist ein Umstand, den der Landwirt bei seiner Entscheidung beachten muss. Da die anfängliche Investition hoch ist, muss mit einer langfristigen Nutzung gerechnet werden.

Wenn sich die exotische Blüte der Strelitzia fächerförmig öffnet, nimmt sie die Form eines tropischen Vogelkopfes an, mit einem harten braunen Schnabel und einem farbenfrohen orangefarbenen und tiefblauen Kamm. Sieht sie nicht wie ein echter Paradiesvogel aus? Tatsächlich ist dieser Name auf ihre enorme Ähnlichkeit mit einem gleichnamigen Vogel aus Neuguinea zurückzuführen. Am schönsten ist die Blüte, wenn sich alle drei orangenen Kelchblätter und die drei blauen Kronblätter geöffnet haben, dann beginnen sie nach einigen Tagen zu verwelken.

(Fotos: planetatenerife.com)

Mit Sicherheit ist sie heute eine der typischsten und beliebtesten Blumen Teneriffas geworden und ein gern gekauftes Mitbringsel von Touristen. Auf Bauernmärkten kann man ein Exemplar für 80 Ct. bekommen, last minute am Flughafen kostet es gut und gerne das Fünffache.

Sehr beeindruckend ist auch die Baum-Strelitzie (Strelitzia nicolai oder Strelitzia augusta) mit ihren weiß-lila Blüten, die man oft in Parks findet.

Die Kerzen des Teide und die Mohnblumen solltest du als Blumenliebhaber unbedingt anschauen.


Artikel-Nr. 0-41-178

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