Waldspaziergang

Im Dschungel von La Victoria

In diese Berge kommen nur wenige Wanderer. Von tiefen Schluchten zerschnitten und von dichten Wäldern überwuchert, ist die Landschaft oberhalb von La Victoria de Acentejo ein gut verstecktes Wandergebiet, in dem es vor allem Ruhe und Natur gibt. Eine Rundwanderung kombiniert gemütliche Spazierwege mit abenteuerlichen Pfaden.

Schon die Anfahrt dort hinauf ist ein Roadtrip der besonderen Art. Das „Oberland“ von La Victoria ist ein undurchsichtiges Gewirr von kleinen Sträßchen, wo man sich schwer zurecht findet und meist nicht zwei Autos aneinander vorbei kommen. Zwischen Wein- und Kartoffelfeldern liegen immer wieder Häusergruppen und eine Vielzahl von rustikalen Guachinches. Ziel ist der Barranco Los Dornajos, wo die Wanderung beginnt. (Beschreibung der Anfahrt siehe unten)

Kurz bevor der Asphalt endet, findet man einen Brunnen, an dem sich regelmäßig die Anwohner aus der Gegend mit frischem Quellwasser versorgen. Ein Blick Richtung Gebirge bestätigt: Von dort oben kommt sicherlich frisches Wasser. Ein Schild bestätigt, dass es sich um den Barranco Los Dornajos handelt, und ein zweites Schild bestätigt, dass weiter hinten noch einmal ein Guachinche liegt.

Versteckter geht es kaum. Das Tor ist mit grünen Schlingpflanzen komplett überwuchert, ebenso das Schild am Eingang. Dahinter verbirgt sich ein kleiner Hof mit ein paar Tischen und einem Grill. Einfacher geht es kaum. Unter der Woche hat man Pech, weil der Guachinche nur am Wochenende öffnet. Es gibt Grillfleisch, einen Puchero, Käse und Wein. Rustikaler und originaler geht es kaum. An der dicht bewachsenen Hecke entdeckt man blau blühende Ranken und die seltene Curuba, eine Passionsblume (passiflora tarminiana) mit traumhaften Blüten, deren längliche Früchte essbar sind. Sie heißt auch Bananenmaracuja.

Dann geht man den Weg weiter ins Tal hinein. 300m weiter kommt man zu ein paar alten Picknicktischen und einer Informationstafel, dahinter fällt eine riesige Kanalbrücke auf. Auf der Tafel wird erklärt, welche Bedeutung dieser Ort in früheren Zeiten hatte. Das Wort dornajo bedeutet Tränke oder Trog. Ein langer Holztrog, ein großes gemauertes Wasserbecken und ein steinerner Waschplatz sind noch vorhanden. Auch hier am Brunnen gibt es frisches Wasser.

Auf der linken Seite, gegenüber der Informationstafel, entdeckt man in einem Felsüberhang seltsame Zeichen. Was sie wohl bedeuten?

Direkt bei der Informationstafel steigt ein schmaler Pfad rechts den Berg hinauf, der sogleich in den dichten Wald hineinführt. Man duckt sich unter Brombeerranken und schiebt Äste von Kastanienbäumen zur Seite. Es kann feucht und glitschig sein, denn an diesem Nordhang dringt selten ein Sonnenstrahl bis zum Boden. Nach den ersten kräftigen Regenfällen im Herbst wird man hier im Wald eine Vielzahl von Pilzen entdecken. Wer weiß, ob sie genießbar sind?

Der Weg ist am Anfang recht steil, verflacht sich dann etwas und dringt tiefer in die Schlucht ein, der letzte Abschnitt ist ebenfalls wieder etwas steiler. Nach rund 450m trifft man bei einem Strommasten auf eine betonierte Piste. Dort geht es nach links noch einmal knapp 100m steil hinauf. Aber damit hat man schon den steilsten Teil der Wanderung hinter sich.

Oben trifft man auf eine Art Kreuzung, wo man die Waldpiste nach links nimmt, die zunächst leicht abwärts verläuft. Die nächsten anderthalb Stunden werden zu einem gemütlichen Waldspaziergang. Nach 200m schwingt die Piste nach links und steigt dann gemächlich und in vielen Kurven bergauf. Verlaufen kann man sich nicht, denn man bleibt immer auf dieser Piste. Sie trifft nach ziemlich genau 2km auf die Pista la Raya, wo ein Wegweiser die Richtung zum Picknickplatz Hoya del Abade anzeigt.

Diese Waldpisten sind blau markiert, was bedeutet, dass sie befahrbar sind und auch befahren werden dürfen. Motocross- oder Quadsportler haben hier ihr Revier und freuen sich über Staub oder Regenpfützen. Für den Wanderer ist das manchmal unangenehm. Die Pista la Raya verläuft immer am Berghang entlang, mal unterhalb von steilen Felsen, mal oberhalb, und am Rand des Naturschutzgebiets Las Palomas. Gelegentlich hat man auch ein bisschen Aussicht. Eine Abzweigung nach rechts (Pista la Orea) lässt man unbeachtet und kommt nach weiteren 2km zur Hoya del Abade. Dort steht ein hölzerner Fisch und eine Orientierungstafel.

Hoya del Abade ist eine Vertiefung unterhalb der Piste. Dort gibt es Tische und Bänke, Wasserstellen und Grillplätze. Wer jetzt Pause machen will, kann dort hinunter gehen, muss aber zur Fortsetzung der Wanderung wieder herauf. Der Picknickplatz ist etwas wild und vernachlässigt, aber die Szenerie ist beeindruckend. Man sitzt unter riesigen Eukalyptusbäumen und genießt den unvergleichlichen Duft.

Hier gibt es auch die Möglichkeit, die Wanderung etwas abzukürzen, indem man am unteren Ende des Picknickplatzes der weiß-gelben Markierung folgt. Aber Achtung: Von diesem Weg muss man an einer mit X markierten Stelle wieder abzweigen, siehe folgende Beschreibung.

Wer noch nicht Pause machen möchte, geht auf der Pista la Raya weiter, vorbei am Charco Juan Gordo. Genau nach 1km ab Hoya del Abade heißt es aufgepasst: In einer Rechtskurve kommt von rechts ein weiß-gelb markierter Wanderpfad herab. Hier schlägt man sich auf diesem Pfad nach links abwärts durchs Gebüsch. Der Pfad ist zunächst steil und undeutlich, biegt aber bald links ab und wird ebener und besser. Wer es bequemer haben will, geht auf der Piste noch 50m weiter und biegt dann ab.

Auf diesem schönen Waldweg kommt wieder etwas Dschungel-Feeling auf. Ein Fahrweg bleibt unbeachtet, man geht weiter der weiß-gelben Markierung nach und durchquert ein Bachbett mit Felsen, das zum Barranco del Rincón gehört.

Der markierte Weg führt wieder zum Picknickplatz Hoya del Abade. Kurz vorher knickt er links ab, geradeaus abwärts signalisiert ein X, dass es dort falsch wäre. Aber genau da führt unser Abstieg jetzt hinunter. (Wer vom Picknickplatz kommt, muss diese Stelle suchen!). Der Weg ist schmal, ziemlich zugewachsen, kann aber nicht verfehlt werden. Es geht nun relativ steil abwärts, gelegentlich muss man sich an Ästen festhalten und bei glitschigen Steinen vorsichtig gehen. Der Weg verflacht sich dann etwas und wird etwas breiter, geht aber bei einer Kette wieder in der Urwald hinein und wird wieder steiler.

Eine weitere Abzweigung darf man nicht verpassen. Dort geht es 90º nach links entlang einer alten Mauer weiter. Hier ist der Weg auch wieder weiß-gelb markiert. Noch einmal geht es durch dichten Dschungel, man könnte fast sagen, ein Urwaldtraum! Weiter unten werden die Kastanienbäume wieder häufiger. Herrlich, wie die Kastanienblätter in der Sonne leuchten! Man kommt schließlich an einer Betonpiste heraus, dort biegt man spitzwinklig links ab und kommt bald zu einer Informationstafel zum Thema Kastanien.

Im November fallen sie herunter und es gibt kaum einen Einwohner von La Victoria, der dann nicht zum Kastaniensammeln geht. Was am Wegesrand liegt, darf man mitnehmen, aber da die Grundstücke in Privatbesitz sind, sollte man dort nicht Kastanien stehlen, denn die Bauern sind auf den Verkauf angewiesen. Es gibt einen grün markierten Rundweg SL-TF 30, die „Ruta de los Castaños“. Ab der Informationstafel hat man zwei Möglichkeiten: links der Tafel geradeaus weiter, oder rechts man auf einer Betonpiste hinunter. Bei der ersten Möglichkeit durchquert man gleich danach die ehemalige Finca Las Rosas, wo noch ein paar alte Gemäuer stehen.

Nach einer Rechtskurve geht es bergab. Blickt man nach links oder rechts, sieht man viele ehemalige Terrassen, ein Zeichen dafür, dass diese Zone früher einmal intensiver landwirtschaftlich genutzt wurde. Unterhalb einer Fincamauer kann man ca. 30m nach links gehen und kommt zu einem kleinen Aussichtspunkt über den Barranco Los Dornajos.

Danach geht es auf einem Treppenweg mit Holzbalken und Geländer steil abwärts. Vorsicht bei nassem Boden: Die Blätter und die herumliegenden Kastanien sind rutschig. Weiter unten überquert man einen Kanal. Wer mag, kann etwa 100m auf dem Kanal entlang gehen und kommt direkt zu der Stelle, wo die Rohre über die Kanalbrücke kommen. Gegenüber sieht man die Sammel- und Pumpstation. Der Weg kommt dann genau bei den Tränken wieder heraus, und man geht nach rechts bis zum Startpunkt.

Die Variante zwei ab der Kastanien-Infotafel verläuft dort rechts abwärts auf einer richtig steilen Betonpiste, etwas sicherer als der erste Weg, aber nicht weniger anstrengend. Weiter unten ist der nach links zeigende Wegweiser Richtung Barranco Los Dornajos nicht zu übersehen. Es geht ein Stück durch Weinberge und bald danach kommt man an der Straße kurz vor dem Brunnen wieder heraus.

Wenn jetzt der Magen knurrt – ab in den nächsten Guachinche!

Entfernung: 9,0km
Gehzeit: 3,5 h
Tiefster Punkt 675m, höchster Punkt 1085m
Überwiegend schattig, schmale Waldpfade oder Pisten

Karte: gelb=Wanderung, blau=Abkürzung Hoya del Abade, grün=Variante

Wer nur eine kleine Runde zum Kastaniensammeln machen möchte, geht kurz vor der Kanalbrücke links den Treppenweg hinauf, durch die Finca Las Rosas und den Betonweg (grün) wieder hinunter.

Anfahrt:
In La Victoria biegt man von der Carretera General TF-217 dort ab, wo Centro de Salud und Parque El Pinar ausgeschildert ist, in die Calle Añate. Oben rechts Calle Horno de la Teja, weiter Calle Laureles. Bei der Guardia Civil links in die Calle Pedro Hernandez, vorbei an dem Guachinche Antonio und der Casa Pepe. Weiter oben rechts und gleich nach einer Kurve, bei einem Brunnen, die Calle Potigaiga hinauf. Jetzt folgt man am besten der Beschilderung Guachinche La Finca und Guachinche Los Dornajos. Nach dem Guachinche La Finca geht die Straße leicht abwärts in den Barranco und man kommt zu dem Brunnen, wo man das Auto abstellen kann.

Karte Anfahrt

Gehe zu Google Map:

Einen anderen schönen Wandervorschlag ganz in der Nähe bei Santa Ursula, findest du hier: Die Kastanienrunde.


Artikel-Nr. 20-1-179

4 Gedanken zu “Waldspaziergang

  1. Pingback: Die Kastanienrunde | Mein Teneriffa - Mi Tenerife

  2. Tolle Beschreibung einer Wanderung. Die werde ich auf jeden Falle ausprobieren. Ich bin immer auf der Suche nach Wegen, die nicht jeder kennt und noch ein bisschen abenteuerlich wirken.

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