Schwarze Küste

Von Candelaria nach El Puertito

Im Osten Teneriffas ist die Küste zwar nicht so steil wie im Norden, aber trotzdem besonders wild und abweisend. Dazwischen verstecken sich unbekannte Strände und abgeschiedene Dörfer hinter dem Industriegebiet von Güimar. Dort ist vom Tourismus noch nichts zu spüren.
Diese Wanderung entlang der Küste verbindet zwei bekannte Orte und führt durch einen weißen – besser gesagt: schwarzen – Fleck auf der touristischen Landkarte. Dabei entdeckt man das historisch bedeutsame Dorf El Socorro und das Naturschutzgebiet im Malpaís de Güímar. Der Weg ist einfach, aber steinig und heiß.

Die Basilika von Candelaria beherbergt die Schutzpatronin der Insel, die Jungfrau von Candelaria, um die sich allerhand Geschichten ranken und die jedes Jahr am 15. August ein wichtiges Pilgerziel darstellt. Deshalb darf natürlich vor Beginn der Wanderung ein Besuch in der Basilika nicht fehlen. Natürlich wird man sich auch die Statuen der Guanchenkönige anschauen. Es lohnt sich auch ein Gang hinter die Kirche, wo die Kapelle von San Blas in die Höhle hineingebaut ist, in der einst die Statue der Jungfrau aufbewahrt wurde. Mehr darüber gibt es hier: Der Tag, an dem die Jungfrau verschwand.

Direkt gegenüber des Haupteingangs der Kirche steigt man die Treppen hinauf und geht oben nach links und in einem Bogen auf eine Anhöhe hinauf. Dort ist ein Aussichtspunkt, von dem man ein tolles Panorama über Candelaria und die Küste hat, mit der Kirche im Vordergrund. Gleich hinter dem Gebäude der Guardia Civil beginnt dann der ausgeschilderte Wanderweg TF-292. Er ist gut zu erkennen und verläuft in leichtem Auf und Ab oberhalb der wilden Küste. Nach wenigen Metern befindet man sich direkt oberhalb der Kapelle.

Der Weg steigt dann hinunter zu dem winzigen schwarzen Strand von Samarines und auf der anderen Seite wieder hinauf. Es gibt mehrere Trampelpfade, man sollte nur nicht zu nahe an die Felsen herangehen. Weiter oben befinden sich die Industriehallen des Gewerbegebiets.

Das nächste Ziel ist dann das Dorf Playa de la Viuda, das sich auch hinter dem Industriegebiet versteckt. Es zieht sich ein paar hundert Meter an der Küste entlang und überrascht durch einige malerische Ecken, wenngleich das Leben dort einen sehr ruhigen Gang geht. Nur am Wochenende werden die beiden Strände etwas voller, dann treffen sich dort Camper und Ausflügler aus Santa Cruz zum Grillen und Reden, den ganzen Tag lang.

An der kleinen Plaza San Juanito geht man durch eine Gasse weiter, rechts und links um die Ecke, dann ist man schon am Ende des Dorfes.

Dort beginnt ein langer, flacher Strandabschnitt, der allerdings zum Baden völlig ungeeignet ist. Nicht nur, weil er so wild und steinig ist, sondern weil hier immer wieder Havarien in der Abwasser-Pumpstation vorkommen, und ungeklärte Brühe über den Strand ins Meer läuft. Nicht nur an einem schwarzen Tag, sondern seit Jahren. Wann die seit Jahren andauernden verwaltungstechnischen Streitigkeiten endlich beigelegt werden und die dringend nötige Kläranlage für das Industriegebiet gebaut werden kann, ist fraglich. Es ist ein Skandal, dass seit Jahren das gesamte Abwasser des Industriegebiets ungeklärt ins Meer läuft.

Im Herbst 2020 wurden mehr als ein Dutzend Entscheidungsträger aus Politik und Wirtschaft vor Gericht zitiert. Den Bürgermeistern von Candelaria und Arafo, sowie ihren Vorgängern, der ehemaligen Bürgermeisterin von Güímar, und den Geschäftsführern des Inselwasserrats CIATF wird vorgeworfen, trotz Kenntnis der Missstände nichts unternommen zu haben, um die illegalen Abwassereinleitungen zu verhindern. Eine Studie stellte klar, dass gegen alle Umweltschutzauflagen verstoßen wurde und sehr wohl eine Gefahr für die Gesundheit der Bevölkerung bestand. Die schwarze Küste wird dadurch noch ein bisschen schwärzer.

Schwarze, rund geschliffene Kiesel machen das Laufen am Strand etwas unbequem, wer es einfacher haben will, kann an der Straße entlang gehen. In der Mitte des Strands, gleich unterhalb der kritischen Pumpstation, fällt ein dunkler Betonklotz auf. Es handelt sich um einen „Bunker“, eine Abwehrstellung aus dem 2. Weltkrieg. Im weiteren Verlauf der Wanderung stehen noch ein paar solcher Relikte mehr am Strand. Damals hatte man diese Abwehrstellungen gebaut, um für einen möglichen feindlichen Angriff der englischen Truppen gerüstet zu sein. Dieser fand aber nie statt. Mehr über diese Reste des Krieges findest du in den Artikeln Löcher im Fels und Vom Krieg verschont.

Nach dem zweiten Bunker geht man besser ein Stück an der Straße entlang und nach der Kurve links auf das Dorf El Socorro zu. Dort befindet sich ein einsames Kreuz am einsamen Strand. Hier soll irgendwo der Ort gewesen sein, an dem zwei Guanchen-Hirten die Jungfrau von Candelaria erschienen ist. Die Geschichte wird auf einer Info-Tafel erklärt.

Am Ende des Dorfes steht ein weiterer Bunker. Man geht einfach geradeaus weiter und kommt bald zum Beginn des Naturreservats Malpaís de Güímar. Dort gibt es noch einmal Reste von Verteidigungsanlagen, eine davon scheint sogar „bewohnt“ zu sein.

Das Malpaís (schlechtes Land) ist eine besonders harte, wilde und noch schwärzere Landschaft, gebildet von den Lavaströmen des nahen Vulkans Montaña Grande (276m hoch). Dort oben gibt es einen Krater mit 300m Durchmesser und 50m Tiefe. Vor etwa 5000 Jahres kam es hier zu einem Ausbruch mit überwiegend zähflüssiger Aa-Lava, die das Land in ein nicht mehr nutzbares, schwarzes, steinernes Meer verwandelte. Durch die sehr geringen Niederschläge (weniger als 200mm/Jahr), den beständigen Wind, der alles austrocknet und die unbarmherzige Sonne (über 2500 Sonnenstunden/Jahr) konnte sich auch in dieser langen Zeit keine höhere Vegetation durchsetzen. In Küstennähe wachsen fast ausschließlich niedrige Tabaibas (euphorbia balsamifera), weiter oben auch beachtenswerte Cardones (euphorbia canariensis). Das 290 ha große Gebiet steht seit 1994 unter Naturschutz.

Der Wanderweg ist gut angelegt. Ein Wegpfosten auf etwa einem Drittel der Strecke durch das Malpaís zeigt eine Variante an, die man als Erweiterung machen könnte. Sie führt leicht bergauf, danach hält man sich links und geht am Fuße des Vulkans weiter. Im Verlauf des Wegs kommt man an besonders großen Cardones vorbei.

Kurz nach dem Wegpfosten steigt der Wanderweg über Treppen aufwärts, die mit einem Geländer gesichert sind. Danach geht man auf den höchsten Punkt zu, wo es eine Aussichtsplattform mit einer Informationstafel gibt. Im weiteren Verlauf kommt man noch an kleinen Becken zur Salzgewinnung vorbei. Hier ließ man früher das Meerwasser verdunsten um Salz zu gewinnen. Das Salz wurde benötigt zur Konservierung von Fisch und Fleisch.

Wer aufpasst, entdeckt sogar einen Lavabogen, der wie ein Rüssel ins Meer ragt:

Gerade im letzten Teil dieses Wegs ist das Malpais leider häufig missbraucht worden als Müllabladeplatz. Butterdosen und Kühlschränke, Hühnerkäfige und Plastiktüten, und allerhand mehr hat eine Gruppe von Aktivisten im September 2020 dort herausgeholt. In wenigen Stunden konnten sie 250kg Abfall einsammeln, die die Anwohner hier für kommende Generationen hinterlassen hatten.

In einer anderen Aktion enfernte die Naturschutzbehörde große Mengen von Teer und Öl, die sich leider laufend zwischen den Felsen ansammeln. Der „Piche“ stammt von Schiffen und macht die schwarze Küste noch ein bisschen schwärzer.

Nun ist es nicht mehr weit bis zu den ersten Häusern von Puertito de Güímar. Dort gibt es viele Bars und Restaurants für die wohlverdiente Stärkung. Auf dem Platz am Hafen ragen ein paar verrostete Eisenrohre in den Himmel. Es ist das erste Denkmal weltweit, das die Arbeit des Amateurfunkwesens anerkennt. Lange Zeit sorgten die freiwilligen Amateurfunker für ein funktionierendes Notrufsystem. Die fünf Rohre sollen die fünf Kontinente symbolisieren.

Karte:

Entfernung: 8,4 km (Erweiterung ca. 1,5km zusätzlich)
Gehzeit: 2,5 Std.
Höchster Punkt: 36m (Erweiterung 122m)

Bemerkung: Wer nur die Runde durch das Malpaís machen möchte, kann in El Puertito beginnen und auf der Erweiterung zurückgehen. Diese Runde ist auch in vielen gängigen Wanderbüchern beschrieben.

Bei der hier beschriebenen Streckenwanderung ist die Rückfahrt mit dem Bus (Linie 120) ab El Puertito nach Candelaria problemlos möglich. Der Bus fährt werktags etwa stündlich. Zur Haltestelle geht man 100m die Hauptstraße hinauf, sie ist versteckt in einer Nebenstraße.

Gehe zu Google Map:

In Puertito de Güímar kannst du noch ein wenig bekanntes Kunstwerk bewundern, die längste Straßenmalerei der Insel: Pflastermaler.


Artikel-Nr. 6-3-181

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