Maria und die Außerirdische

Das Geheimnis der Quelle von Pedro.

In den von Wolken umhangenen Bergen von Los Realejos haben sich seltsame Dinge abgespielt. Die einzige Marienerscheinung, die in jüngster Zeit auf den Kanarischen Inseln stattgefunden hat ist ein soziologisches Phänomen, an das tausende von Menschen glauben. Ob es erfunden wurde oder tatsächlich stattgefunden hat, weiß nur die Beobachterin selbst, die Außerirdische von La Corona.

In der Nacht vom 6. auf den 7. Juni 1992 war Justina Rodríguez in dem als Monteverde de La Corona bekannten Wald oberhalb von Icod el Alto unterwegs. Dort gibt es die Fuente de Pedro, eine Höhle und ehemalige Galería, aus der früher Wasser gefördert wurde. Es ist ein romantischer Ort mit üppigem, wildem Pflanzenwuchs. Hier war schon immer ein geheimnisvoller Ort, um den sich allerlei Legenden rankten. Seltsame Silhouetten und menschliche Formen, die wie Mönche aussahen, sollen dort schon seit Monaten beobachtet worden sein, UFOs, schwebende Engel und tanzende Sonnenstrahlen. Warum also nicht die Mutter Gottes persönlich?

Zweitausend in weiß gekleidete Anwohner pilgerten an jenem Morgen zusammen mit Justina hinauf zur Quelle und versicherten noch Jahre später, die Erscheinung mit eigenen Augen gesehen zu haben. Eine Serie von Blitzen schoss aus den Felsen und unter einem Lichtbogen stand Maria. Doch das himmlische Ereignis wurde nicht weiter ausgebaut, keine Gruppe widmete sich der Aufklärung oder gar der Vermarktung und es wurde nicht einmal eine Kapelle gebaut, wie an anderen Orten mit Marienerscheinungen.

Vielleicht lag es daran, dass viele Menschen die Seherin Justina Rodríguez für eine Schwindlerin hielten. Die katholische Kirche distanzierte sich jedenfalls schnell von diesem Ereignis. Die Priester mussten in ihren Messen Texte verlesen über die Fälschung und die Hinterlistigkeit der Erscheinung.

Justina wurde in Kuba geboren und kam in den 80er Jahren nach Teneriffa. Ihr Leben unterschied sich äußerlich nicht von dem der anderen Anwohner; verheiratet und mit Kindern, ausgebildet als Sportlehrerin, eine geschickte Näherin, ein freundlicher und liebevoller Charakter, eine gute Nachbarin, bis auf eine Sache: Justina behauptete, in Wirklichkeit die göttliche Swan Lorin zu sein, ein hochentwickeltes außerirdisches Wesen von der Galaxie Palacea im Andromeda-Nebel.

Heute würden wir zweifellos sofort nach einem Psychiater suchen, wenn jemand ohne das geringste Zögern eine solche Aussage macht, besonders wenn er dies mit einem so wortgewandten Namen tut, oder wir würden über seine Aussage in einer der vielen Reality-Shows lachen. Ihr außergewöhnlicher Lebenslauf begann nicht erst mit der Episode der angeblichen Marienerscheinung, sondern nach eigener Erzählung einige Jahre zuvor, als diese Außerirdische den Körper von Justina Rodriguez in ihrer kubanischen Heimat besetzte, um eine Art Plan der evolutionären Veränderung zu vollenden, der das „Pyramidenprojekt“ genannt wurde.

Nach dem, was sie erzählte, ergriff das Wesen 1981 mit ihrer Zustimmung „Besitz“ von ihrem Körper und gab ihr „die Bewahrung der menschlichen Eigenschaften, die es ihr erlauben, ein normales Leben zu führen“. Es hatte die Aufgabe, unter der Führung eines „Ältestenrates“ der genannten Galaxie, den Weg für einen Sprung der Menschheit in die vierte Dimension vorzubereiten, der im Jahr 2000 stattfinden sollte.

In diesem 2009 im Fernsehen gesendeten Video (leider auf Spanisch) erklärt Justina höchstpersönlich, wie die Außerirdischen aussahen: „Sie sind viel größer als wir, weil die Schwerkraft auf Palacea ganz anders ist, und sie haben runde Augen wie Haselnüsse.“

Dass es eine Galaxie namens Palacea überhaupt nicht gibt, beeindruckt sie nicht. Wissenschaftliche Argumente zählen hier nicht. Selbst wenn das galaktische Wesen mit Lichtgeschwindigkeit unterwegs gewesen wäre, hätte es vor 2,5 Millionen Jahren starten müssen. Damals gab es noch keine Menschen und noch nicht einmal den Teide.

Bei den unzähligen Interviews und Gesprächen, die Justina auf Teneriffa gab, fiel immer wieder ihr einzigartiges Charisma und die angeborene Hingabe und Güte auf, die sie zu einer ungemein geliebten Person machten, sowohl bei denen, die der Wahrhaftigkeit ihrer Aussagen vertrauten, als auch bei denen, die sie als ein merkwürdiges Spinnerin betrachteten. Jahre lang und völlig kostenlos empfing sie jede Woche Hunderte von Menschen in ihrem Haus, bei denen sie sich in der überwiegenden Mehrheit darauf beschränkte, „Energie zu spenden“, und versuchte, sie durch „energetische Durchgänge“ und das Auflegen ihrer Hände, die in einem Dreieck angeordnet waren, zu heilen, unterstützt von mehreren Freiwilligen, denen sie das Verfahren beigebracht hatte. Während dieser Jahre war es immer ihr Anliegen, die Bildung einer „offiziellen“ Gruppe von Anhängern zu vermeiden, die auf sie als Führerin oder Leitfigur blicken würden.

In ihrer therapeutischen Praxis gab es alles: angebliche Spontanheilungen, viele Erleichterungen bei Krankheiten und natürlich auch Fälle, in denen alles gleich geblieben ist. Trotzdem und immer gab es etwas Eigenartiges an der Persönlichkeit von Justina Rodríguez: ihre Ehrlichkeit. Obwohl ihre Geschichte weit hergeholt und für jeden vernünftigen Verstand unglaublich ist, sprach diese Frau mit innerster Überzeugung und ohne irgendwelche Zweifel über ihren angeblich außerirdischen Zustand, mit eine persönliche Gewissheit, die nie ihre mutmaßliche Mission in Frage stellte.

Was sie nun genau an der Quelle von Pedro gesehen hatte, ist unklar. Bei dem Phänomen, das sich auf dem Monte de La Corona ereignete, behaupteten mehrere Personen, Zeuge der Erscheinung der Jungfrau Maria in Form verschiedener Gestalt gewesen zu sein, wie z.B. Virgen de los Dolores, die Virgen del Carmen, oder die Virgen de Candelaria. Nationale und regionale Zeitungen berichteten über das Ereignis. Im Jahr 2011 wurde ein Buch veröffentlicht, in dem die Zeugen auf 388 Seiten ihre Erfahrungen erzählen: Arturo García Dorta: María, Madre Espiritual de Todos los Hombres, US$ 11,88.

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Gegenwärtig befinden sich an der Stelle der angeblichen Erscheinung, am Eingang des alten Wasserstollens, mehrere kleine Altare, wo sich immer wieder die Gläubigen treffen. Sie kommen zum Beten und Bitten oder bringen kleine Geschenke, die sie vor oder in der Höhle ablegen. Zu Ausruhen haben sie sogar ein paar Stühle hingestellt. Der Ort liegt so versteckt im Wald, dass kaum ein Wanderer dort zufällig vorbei kommt. Nur ein kleines Holzschild, versteckt im Gebüsch, markiert den Zugang. Ein perfekter Ort für geheimnisvolle Geschichten.


Wanderung

Diesen mystischen Ort kann man auf einer kurzen und abwechslungsreichen Wanderung entdecken, die am herrlichen Aussichtspunkt La Corona oberhalb von Los Realejos beginnt. Dort steht auf 770m Höhe ein kleiner Pavillon, von dem aus sich ein fantastischer Ausblick über das gesamte Orotava-Tal bietet. Mehr als 400 Meter geht es hier fast senkrecht hinunter. Deshalb ist es auch ein perfekter Startplatz für die Gleitschirmflieger.

Wie ein Vogel starten die mutigen Flieger hier in die Tiefe und erleben ein unvergleichliches Panorama. Die Aufwinde an der Ladera de Tigaiga sorgen dafür, dass sie sich lange in der Luft halten können.

Die Wanderung beginnt am Parkplatz oberhalb des Aussichtspunkts. Nach 50m bleibt man halb rechts auf der betonierten Piste. Halb links kommt von oben die Route 0.4.0 herunter, die man später für den Rückweg benutzt. Die Piste führt bequem zwischen Feldern in einigen Kurven ganz gemächlich aufwärts, mit etwas Glück hat man einen Blick auf den Teide. Nach genau einem Kilometer, etwa 20 Minuten, kommt man zu einer auffälligen Kreuzung, an der die Betonpiste endet. Hier sieht man weit nach Westen bis nach Icod de los Vinos und Los Silos.

An dieser Kreuzung biegt man scharf nach links ab auf eine Schotterpiste und kommt bald am Wasserdepot von Icod El Alto vorbei. Dort hat jemand ein Schild angebracht, auf dem 88m über dem Meer steht. Aber es fehlt eine Null, denn man befindet sich jetzt auf 880m Meereshöhe. Nach der nächsten scharfen Rechtskurve lässt man den nach links abzweigenden Weg unbeachtet.

Nun verläuft die Route im schattigen Wald. Es ist ein dichter Mischwald aus aus Lorbeer, Baumheide, Buchen und Kiefern. Es folgt eine scharfe Linkskurve, und es geht immer noch mit leichter Steigung aufwärts. Immer wieder kreuzen Pfade den Weg, die von Mountainbikefahrern benutzt werden, es ist jedoch nicht ratsam, diese unbequemen Abkürzungen zu gehen. Genau nach 2,5km (etwa 45 Minuten) befindet man sich plötzlich wieder – in einer Rechtskurve – an einer Stelle, wo sich ein Blick ins Orotava-Tal auftut, leider mit einigen Bäumen davor. Hier verläuft auch wieder die Route 0.4.0, aber beim Wegweiser bleibt man rechts auf der Waldpiste.

Sie führt noch einmal in einem Bogen in ein Tal hinein, danach muss man spitzwinklig nach links auf eine andere Waldpiste abbiegen. Sie endet nach 100m direkt bei der Fuente Pedro. Den Eingang der Grotte entdeckt man etwas unterhalb. Ein umgestürzter Baum macht den Zugang etwas unbequem. Es lohnt sich, dort hineinzuklettern. Direkt am Ausgang des Stollens findet man mehrere kleine Marienfiguren, Blumen, Kerzen und allerlei andere Devotionalien. Aus der Höhle fließt ein kleiner Bach, besonders nach Regenfällen ist es hier feucht und matschig.

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Man kann ein Stück in den Stollen hineingehen, aber nur sehr gebückt. Ein Helm und eine Taschenlampe wären jetzt praktisch, denn weiter innen wird es stockdunkel. Auf dem Platz vor der Grotte stehen drei Stühle, und hier, zwischen Schatten spendenden Bäumen und inmitten üppiger Vegetation, ist ein angenehmer Rastplatz. Ob hier geheimnisvolle, mystische und unerklärliche Phänomene auftreten könnten, kann man sich in aller Ruhe überlegen. Jedenfalls hat angeblich hier – ausgerechnet hier – die außerirdische Justina ihre Marienerscheinung beobachtet.

Ein kleines Abenteuer kann man aber doch erleben, wenn man für den Rückweg hinter den Stühlen nach rechts über und unter den umgestürzten Baumstämmen hindurch klettert. Dort geht ein steiler Pfad hinauf zur Hauptroute 0.4.0. Es sind nur ein paar Meter, aber man muss ordentlich kraxeln. Bei feuchtem Boden ist das nicht unbedingt empfehlenswert. Dann geht man besser zurück auf der Piste bis zum Hauptweg.

Oben an der Route 0.4.0 steht auch, versteckt im Gebüsch, ein kleines Hinweisschild zur Fuente Pedro. Der Weg „0.4.0“ ist die größte Herausforderung für Wanderer (besser gesagt: Extremsportler) auf Teneriffa. Er beginnt auf Meereshöhe an der Playa Socorro, führt auf fast 4000m, und wieder zurück. Für den Hin- und Rückweg sind 52,8 km zu bewältigen. José David Lutzardo aus Teneriffa schaffte es im Juli 2020 in schlappen 6 Stunden und 19 Minuten, aber schon im November 2020 stellte Pau Capell aus Katalonien einen neuen Rekord auf. Er brauchte 5 Minuten weniger.

So eilig hat es der Normalwanderer aber nicht. Den fast kerzengeraden und steilen Abstieg zur Corona schafft man in einer starken halben Stunde. Kleine Pausen sollte man einlegen, um die herrlichen Aussichten noch einmal zu bewundern.

Entfernung: 4 km
Zeitbedarf: 1 h 40 min
Tiefster Punkt 770 m, höchster Punkt 990 m

Karte:

Karte Anfahrt:

Wer von Los Realejos kommt, biegt etwa 200m nach dem Aussichtspunkt El Lance links ab. Die Straße ist zwischen den Häusern schmal und steil und führt dann durch Felder hinauf zur Corona. Vom Parkplatz geht man rund 50m hinunter zum Aussichtsterrasse mit dem Pavillon.

Gehe zu Google Map:

Wer die Wanderung noch etwas ausdehnen möchte, geht den ausgeschilderten Weg, rund 500m, weiter aufwärts zum Aussichtspunkt El Asomadero. Einen anderen Wandervorschlag, der dort hin führt, findest du hier: Steil oder bequem. Von Icod El Alto oder von der Corona kannst du auch hinunter wandern nach Los Realejos: Abgründe.

Diese Route als pdf und kmz-Datei für Google Earth: Lies nach auf der Seite SERVICE und schreib mir eine Mail.


Artikel-Nr. 21-9-185

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