Das große Loch

Ein Felsbogen am Abgrund

Hoch über den Klippen von Los Gigantes gibt es ein kleines Loch im Fels, das man von weitem sehen kann. Der Weg dort hin ist nicht ganz einfach. Steile Aufstiege und Pfade über dem Abgrund darf man nicht scheuen. Diese Variante enthält auch ein Stück Abenteuer. Und das Loch ist ganz schön groß!
Von Tamaimo steigt man hinauf auf fast 800m Meereshöhe, geht hinüber zum so genannten „El bujero“ und umrundet dann die Montaña Guama auf einem wenig begangenen Pfad.

Hinter der Kirche Santa Ana, in der Calle Real, kann man gut das Auto abstellen. Dann geht man die Calle Zarzita hinunter und kommt am unteren Ende zum Wanderweg TF 65, der Santiago del Teide mit Puerto Santiago verbindet. Auf diesem alten Königsweg geht man talwärts und läuft alsbald oberhalb des Barranco de Santiago. Man blickt hinunter auf ein Wasserbecken und viele kleine Felder und kommt dann an der Käserei La Pasada vorbei. Eine Begegnung mit Ziegen, Eseln und friedlichen Hunden ist garantiert. Hier ist Landwirtschaft pur, und wer noch ein Vesper für unterwegs braucht, kann sich mit handgefertigtem Ziegenkäse eindecken. Die Käserei hat einen eigenen Hofladen und verkauft frischen oder auch verpackten Käse.

Weiter geht es etwas erhöht auf einem alten Lavastrom, bis nach insgesamt 1 km die Abzweigung nach rechts ausgeschildert ist (Circular Guama-Tamaimo). Dieser Weg steigt nun steil bergauf, zunächst sind 110 Höhenmeter zu bewältigen. Wer zurück blickt, sieht das Tal von Tamaimo, die Montaña de la Hoya (Wanderung zum Antennenklotz) und mit etwas Glück auch die Spitze des Teide.

Oben angekommen steht man überraschend an einem Grat und hat einen perfekten Ausblick hinunter zu den Felsen der Gigantes und hinüber nach La Gomera. Auf dem gegenüber liegenden Felsrücken erkennt man schon das große Loch, die Hauptattraktion dieser Wanderung. Eine kleine Rast bei dieser tollen Aussicht ist nach der Anstrengung sicher angesagt.

Doch die Anstrengung geht noch weiter, denn nach rechts geht es weiter aufwärts, zunächst einmal bis auf 630m Höhe, wo man links Richtung Meer einen auffälligen Felsklotz bemerkt. Wer mag, kann ein Stück dort hinüber gehen, um nach etwa 100m noch bessere Ausblicke in den Abgrund zu haben. Der Weg ist aber etwas unbequem.

Die Höhe ist noch nicht ganz geschafft. Der Wanderweg steigt weiter bergauf und würde bis auf die Spitze der Montaña Guama führen. Doch irgendwann muss man den Hang linker Hand queren. Am besten geht das in einer Höhe von 760m, wo ein Querweg durch die ehemaligen Ackerterrassen beginnt. Der Einstieg ist schlecht zu erkennen, es gibt nur ein paar kleine Steinmännchen. Aber es gibt auch mehrere Wege dort hinüber, wenn man den falschen erwischt, ist es nicht so schlimm. Schwer vorzustellen, dass hier früher einmal die Bauern Weizen angebaut und all diese Terrassen angelegt haben.

Ziel ist auf jeden Fall der nächste Berggrat. Dort geht es dann relativ eben, aber etwas felsig, in Richtung El Bujero. Wenn man sich immer nahe der höchsten Stellen hält, geht man nicht falsch. Ein weißer Pfeil markiert die Richtung, etwas weiter sollte man den weißen Pfeil nach rechts nicht übersehen. Dort muss man nun steil hinunter klettern und trifft bald auf den erkennbaren Weg im Hang, der bis zum großen Loch geht. Die letzten Meter sind nicht ganz ungefährlich, es gibt ein paar rutschige Stellen, vor allem, wenn der Boden feucht ist.

Auch wenn man dann endlich unter dem riesigen Felsbogen steht, ist Vorsicht angebracht. Auf beiden Seiten geht es senkrecht in die Tiefe. Stolpern sollte man hier nicht! Die Aussicht ist grandios. Tief unten das blaue Meer. Die Marina von Los Gigantes glänzt in der Sonne, und sicher kreuzen einige Boote dort unter den Felsen.

Wer vom Jachthafen nach oben blickt, kann das „winzige“ Loch im Fels sehen – und vermutet nicht, dass es so riesig ist.

Krähen oder Falken ziehen ihre Kreise in der Luft. Wenn man jetzt ein Vogel wäre, könnte man dieses Naturschauspiel von allen Seiten betrachten. Dieses Video hat W. Kieckbusch zur Verfügung gestellt (www.wandern-auf-teneriffa.com):

Für den Rückweg muss man zuerst wieder auf den Grat hinaufklettern und diesem folgen bis zu der Stelle, wo der Querweg herüber kam. Dort geht man geradeaus weiter und muss dann aufpassen, dass man nicht den nach links abwärts abzweigenden Weg erwischt (gelb). Dies wäre eine bequemere, und vor allem sichere Variante, die den ganzen Berg umrundet, aber rund 1,6 km länger ist.

Eine andere Alternative könnte man nehmen, wenn man den Querweg zurück geht und dann links hinauf bis zur Spitze der Montaña Guama und hinunter zum Cruz de los Misioneros (grün). Hier wiederum wären 90 Höhenmeter zusätzlich zu bewältigen.

Doch die hier beschriebene Route ist die abenteuerliche. Man hält sich auf die Felswand zu und geht links davon in den Steilhang hinein. Der Weg ist erkennbar, aber wird immer undeutlicher. Man bleibt am besten immer so nah wie möglich an den Felsen. An manchen Stellen ist der Weg verwachsen, es gibt auch Passagen, die etwas rutschig sein können. Wenn man zu weit nach unten abkommt, geht man besser zurück und sucht wieder den Weg. Es sind etwa 500m bis zu einer charakteristischen Felsplatte aus rötlichem Gestein. Dann hat man es geschafft, von dort aus ist der Weg wieder deutlich erkennbar und wenige Minuten später sehen wir das „Gipfelkreuz“. Es ist ein schlichtes weißes Holzkreuz und steht nicht ganz auf dem Gipfel des Guama, aber auf einem deutlich vorspringenden Hügel oberhalb des Sattels. Es heißt Cruz de los Misioneros. Wer um den Hügel nach rechts herumgeht, findet ein Stück weiter auch einen Aufstiegsweg zum Kreuz.

Der Abstieg geht dann nach links und steil nach unten, von 800m bis auf 570m, und er geht ordentlich in die Knie. Man erreicht wieder den Hauptweg TF 65, überquert ihn und geht zurück ins Dorf. Links des Weg entdeckt man auch noch einen alten Dreschplatz.

Entfernung: 5,6 km
Gehzeit: 4,5 h
Tiefster Punkt: 440m, höchster Punkt: 800m

Achtung: Der Abschnitt auf der Nordseite des Berges ist nichts für schwache Nerven! Der Weg ist verwachsen, steinig und rutschig. Hier ist Vorsicht angebracht!

Karten: weiß = beschriebener Weg, orange = Alternative 1, grün = Alternative 2

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Einen anderen Rundweg, etwas weiter oben, findest du hier: Ziegenfinca. Eine Wanderung auf der gegenüber liegenden Talseite führt hinauf auf den Antennenklotz.


Artikel-Nr. 28-5-199

2 Gedanken zu “Das große Loch

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