Tradition in Puerto de la Cruz.
Jedes Jahr finden in Puerto de la Cruz Ende Juni verschiedene traditionelle Feste statt, die mit den Feierlichkeiten um San Juan zu tun haben, die großen Feuer am Strand zur Sommersonnenwende, das Ziegenbaden im Hafen oder das Schmücken der Brunnen in der Stadt. Mit Blumen und Früchten ehrt man das für Mensch und Tier so wichtige Wasser.

Schon Alexander von Humboldt hatte am 23. Juni 1799 die Feste beschrieben:
Wir besuchten am Mittsommerabend ein ländliches Fest im Garten von Mr. Little (dem heutigen Orchideengarten). Am Ende des Abends bot der Vulkanhang einen außergewöhnlichen Aspekt. Die Hirten, getreu einem Brauch, der zweifelsohne von den Spaniern eingeführt wurde, obwohl er auf die ältesten Zeiten zurückgeht, hatten die Lagerfeuer für das Johannisfest angezündet. Diese verstreuten Lichtmassen, diese Rauchsäulen, die vom Wind verweht wurde, kontrastierten mit dem düsteren Grün des Dschungels, der die Flanken des Gipfels bedeckt. Freudenschreie waren von weitem zu hören.
Ein Feuer zu entzünden und darüber hinweg zu springen, geht auf eine heidnische Tradition zurück, die am längsten Tag des Jahres gefeiert wurde. Das Christentum hat sie ein bisschen angepasst, damit sie mit dem Namenstag des Heiligen Johannes zusammenfällt, genau sechs Monate vor der Geburt von Jesus. Johannes der Täufer benutzte das Wasser, um die Gläubigen zu taufen.



Sowohl die Johannisfeuer am Strand oder auf den Bergen als auch das Ziegenbaden sind heute Attraktionen, die tausende von Schaulustigen anlocken und ein gehöriges Chaos in der Stadt verursachen. Weniger bekannt ist der Brauch, die alten Brunnen der Stadt zu schmücken, zu Ehren des Wassers und zu Ehren von San Juan.


In früheren Zeiten war es nicht selbstverständlich, im Haus einfach den Wasserhahn aufzudrehen. Man musste sich das Wasser von einem Brunnen holen, und deshalb waren diese wichtige Orte und Treffpunkte für die Anwohner. Dass Wasser überhaupt in der Stadt verfügbar war, erforderte oftmals den Bau von langen Kanälen und Leitungen. So kam zum Beispiel das Wasser zum Brunnen in der Calle Mequínez aus dem viele Kilometer entfernten Barranco de Castro bei Los Realejos, und La Orotava bekam sein Wasser aus den Bergen von Aguamansa. (Lies dazu den Artikel Stadt der Mühlen)


Die Wasserstellen in der Stadt heißen auf Teneriffa „Chorros“. Am Johannistag schmücken die Einwohner von Puerto de la Cruz seit Jahrzehnten ihre Chorros auf ganz besondere und farbenfrohe Weise mit Blumen und Gemüse. Eine Tradition, bei der Nachbarn, Vereine und Schulen die Brunnen in wahre florale Kunstwerke verwandeln. Damit ehrt man das so wichtige Wasser und auch die Arbeit, die damit verbunden ist, das Wasser in die Stadt zu bringen. Denn schließlich waren die Brunnen auch ein enormer technologischer Fortschritt und ein wichtiger Aspekt für Hygiene und Gesundheit.

Einer der alten Brunnen in der Stadt ist der Chorro de Cupido in der gleichnamigen Straße, einer schmalen, aber verkehrsreichen Gasse am Rande der Altstadt. Er wurde 1854 gebaut und in die Mauer an der Straße eingelassen, als der Teich, in dem sich davor das Wasser sammelte, abgerissen wurde. Für diesen Brunnen wurden Steine aus dem ehemaligen Glockenturm des Klosters Santo Domingo verwendet. Der Chorro de Cupido ist heute aber der unscheinbarste von allen, den kaum jemand im Vorbeigehen bemerkt.



Der bekannteste ist vielleicht der Chorro del Muelle direkt am alten Hafenbecken. Obwohl man es nicht genau weiß, geht man davon aus, dass er aus der Zeit nach 1880 stammt und von den Fischern der Stadt benutzt wurde, um ihre Karaffen zu füllen, bevor sie aufs Meer hinausfuhren. Er ist ein kleines Wahrzeichen der Stadt Puerto de la Cruz und wird heute noch benutzt.







Mit dem Chorro Cuaco wurde im Jahr 1901 ein Brunnen konstruiert, der das Wasser der Martiánez-Quelle näher an die Stadt heran brachte. Diese Quelle befand sich an den steilen Felswänden unterhalb des heutigen Stadtteils La Paz und wurde schon zur Guanchenzeit genutzt. Meist waren es Frauen, die schwere Tonkrüge und Fässer die steilen Abhänge hinauf und herunter schleppen mussten, um sie dann in die Häuser zu bringen. Der Brunnen vereinfachte diese Arbeit ganz erheblich. Der Chorro Cuaco befindet sich in der Calle Valois direkt neben der Risco-Treppe. Er wäre im Zuge von Baumaßnahmen beinahe verschwunden, aber ein aufmerksamer Anwohner hatte erreicht, dass er erhalten blieb.





Geht man von der Plaza del Charco die steile Calle Blanco hinauf, so kommt man oben zum Chorro de las Cabezas, auch Chorro Blanco genannt, der am 8. Oktober 1851 vom damaligen Bürgermeister eingeweiht wurde. Er ist das ganze Jahr über eine unscheinbare Steinsäule, und der Wasserhahn ist abmontiert. Aber zu San Juan verwandelt er sich in ein wunderbares Kunstwerk.





Im alten Fischviertel La Ranita findet man den Chorro Mequínez, von dem aus früher noch Leitungen zu drei anderen Brunnen in derselben Straße ausgingen. 1839 baute man die langen Kanäle, die das so genannte Agua del Rey aus dem Barranco Ruiz bis hier her transportierten. Entlang der Steilküste und über tiefe Schluchten hinweg waren sie damals ein Meisterwerk der Wasserbautechnik. Um den Blumenschmuck kümmert sich die „Vereinigung der Freunde Alter Traditionen“.





Etwas weiter stadtauswärts findet man den Chorro de Las Maretas, der ebenfalls im Jahr 1839 an diese Leitungen angeschlossen wurde. Er lag damals noch auf freiem Feld in einer Zone, wo sich nach Regenfällen oder nach starkem Wellengang in Vertiefungen immer wieder Wasser sammelte. Maretas ist das kanarische Wort für solche Tümpel. Doch es war leider ungenießbares Brackwasser. Der Brunnen war ein großer Fortschritt.




In dieser Gegend, beim alten Castillo San Felipe hat man schon seit dem 17. Jahrhundert nach Wasser gegraben und „Pozos“ angelegt. Im Gegensatz zu den „Chorros“ sind dies unbefestigte Wasserlöcher. Der Name „Calle el Pozo“ zeugt davon, und 100m oberhalb der Festung, direkt neben dem Barranco San Felipe, befindet sich der „Pozo de la Viuda de Machado“. Er sollte eigentlich schon lange restauriert werden, aber die Stadt hat wichtigere Aufgaben.

Im Stadtteil Punta Brava ist der Chorro Lazareto leider verschwunden und kann deshalb nicht mehr geschmückt werden. Seinen Namen hatte er von einem Lazarett, in dem damals Menschen, die an Tuberkulose und Pest litten, Schutz fanden und mit frischem Wasser versorgt werden konnten. Dort konnte man Kranke unterbringen, die mit dem Schiff ankamen, und eine Weile in Quarantäne bleiben mussten.
Weit oberhalb der Stadt im Gebiet von El Durazno, das bereits zu La Orotava gehört, befindet sich an der Außenfassade des alten Herrenhauses Ábaco der Chorro Durazno. Die noblen Reichen konnten es sich leisten, einen Brunnen nur für sich direkt vor der Tür zu haben. Denn im Jahr 1913 gab es in dieser Zone noch keine anderen Häuser in dieser Gegend.




Hier ein Video der Stadt Puerto de la Cruz aus dem Jahr 2018:
Zu Ehren von San Juan gibt es noch eine andere kleine Geschichte:

Es war im Jahr 1898, als in Puerto de la Cruz eine Witwe mit zwei Söhnen eine sehr schlechte Nachricht bekam. Einer ihrer Söhne sollte in die Armee eintreten, um die spanische Krone im Kuba-Krieg zu verteidigen. Er war der einzige, der die Familie versorgen konnte. Der andere Sohn war behindert.
Die Frau war verzweifelt und flehte den Heiligen Johannes an. Das Bild existiert heute noch in ihrem Haus.
Das Wunder geschah. Eine Freundin, die ebenfalls verwitwet war, machte das Angebot, den behinderten Sohn zu heiraten. Damit war kein Mann mehr im Haushalt und die Frau konnte verlangen, dass der andere Sohn nicht eingezogen wurde.
So schnell wie möglich besorgten sie die Papiere, und mit einem Dokument der örtliche Militärverwaltung erreichten sie gerade noch den Hafen in Santa Cruz und konnten den Soldaten befreien, wenige Stunden bevor das Schiff ablegte.
Nachbarn und Familie versprachen daraufhin, dem Heiligen Johannes immer an seinem Namenstag eine besondere Ehre zu erweisen und ihr Haus in der Calle El Lomo zu schmücken. Heute, nach mehreren Generationen, wird dieses Versprechen immer noch eingehalten.
Lies auch den Artikel über die Brunnen in der Hauptstadt Santa Cruz: Wasser für die Stadt.
Artikel-Nr. 23-0DB7824B
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