Kunstschätze

Teneriffa und die Kunst Lateinamerikas.

Es ist weitgehend unbekannt, dass das weltweit beste Museum für lateinamerikanische Kunst und Traditionen hier auf der Insel zu finden ist. Die Musikinstrumente aus Uruguay, mexikanische Weihnachtskrippen, Karnevalsmasken aus Puerto Rico, immer wieder staunt man über die vielfältigen und bemerkenswerten Ausstellungsstücke. Aber auch altes Kunsthandwerk der Kanaren wie die Töpferei oder die Herstellung von Stickereien nimmt hier einen bedeutenden Raum ein.

Das Museum der iberoamerikanischen Kunst (MAIT) befindet sich in La Orotava im ehemaligen Dominikanerkloster San Benito Abad aus dem 17. Jahrhundert. Es wurde zu einem der bedeutendsten der Provinz aufgrund der Schönheit seiner Einrichtungen, die einen Teil der Arbeit des kanarischen Architekten, Bildhauers und Vergolders Antonio de Orbarán widerspiegeln.

Gleich am Eingang beeindrucken der Steinbogen und das schmiedeeiserne Tor, durch das man direkt in den ehemaligen Kreuzgang des Klosters kommt. In allen Räumen gibt es wertvolle Holzdecken, eine breite Steintreppe führt in die obere Etage.

Mit dem Ziel, die Realität des Kunsthandwerks auf unmittelbare und greifbare Weise bekannt zu machen, wurde im Kloster eine große Dauerausstellung eingerichtet, die alle aktuellen und verschwundenen lateinamerikanischen Kunsthandwerke repräsentiert, mit besonderem Schwerpunkt auf den Beziehungen zu den Kanarischen Inseln. Die Exponate stammen aus bedeutenden Sammlungen, die von den Trägerorganisationen ausgeliehen, vom Zentrum selbst erworben oder von Privatpersonen gespendet wurden. Das Museum wurde 1991 eröffnet und untersteht dem Inselrat von Teneriffa. Es verfügt über rund 14000 Exponate. Allerdings gibt es nicht genügend Raum, um sie alle auszustellen. Deshalb gibt es jedes Jahr wechselnde thematische Sonderausstellungen, die jeweils sechs Monate dauern.

Jährlich zählt das Museum zwischen 7000 und 8000 Besucher. Organisierte Gruppen sind eher selten, die meisten interessierten Touristen oder Einheimischen kommen auf eigene Initiative. Es gibt spezielle Aktivitäten für Schulklassen, Workshops oder seit 2010 auch ein Nachtprogramm zu verschiedenen Themen.

Die technische Direktorin des Museums, Pilar Amador, betont, dass es das einzige Museum mit Exponaten aus allen lateinamerikanischen Ländern ist. „Bis vor ein paar Jahren gab es noch ein weiteres Museum dieser Art in Madrid, aber das gibt es nicht mehr, und die Museen in Amerika sind vom Kunsthandwerk der einzelnen Nationen geprägt und nicht so umfassend wie dieses hier“.

Das MAIT ist auch der Sitz des Dokumentations- und Forschungszentrums für spanische und amerikanische Kunst, das dem Inselrat untersteht.

Gleich am Eingang kommt man wahrscheinlich zuerst in den Raum der Musikinstrumente. Dies ist die älteste Abteilung des Museums. Man sieht hier alles, womit in Lateinamerika Musik gemacht wird. Ein bunt bemaltes Tamboril aus Kiefernholz und Fohlenleder stammt aus Uruguay, die Zabumba aus Brasilien ist mit Ziegenleder bespannt. Natürlich gibt es auch verschiedene Varianten den typisch kanarischen Gitarre, dem Timple zu sehen.

Ein wichtiger Saal ist der Töpferei gewidmet, mit einem großen Schwerpunkt auf der Tradition und Technik der Kanaren. Auch beliebte und weit verbreitete spanische Keramik ist zu sehen. Wer sich für die Töpferei interessiert, sollte auch mal das kleine Töpfermuseum in Arguayo (Santiago del Teide) besuchen: Handarbeit.

„Ich habe seit meiner Geburt Rosetten gemacht. Meine Mutter ließ mich nicht raus zum Spielen, bevor ich nicht fertig war mit dem was ich machen sollte.“ So beschreibt eine Frau ihre Arbeit, die sie von Kindesbeinen an zu tun hatte. Es war Frauenarbeit im Rahmen der Familie, die an die Töchter und Enkelinnen weitergegeben wurde.

Der Herstellung und Verbreitung der Rosetas ist ein besonderer und großer Raum ist gewidmet. Den Rosetas wird eine solche Bedeutung beigemessen, um die seit 2016 angestrebte Erklärung dieses handwerklichen Stils zum Kulturgut (BIC) für die Kanarischen Inseln zu untermauern. Zu sehen ist z.B. ein spektakuläres englisches Kleid aus dem späten 19. Jahrhundert (viktorianische Ära), das zeigt, wie diese Formen in der Vergangenheit in den Kleidern wohlhabender Familien verarbeitet wurden. Die so genannten Jasminrosetten sind eine Technik, die fast verloren gegangen wäre. Die ältesten Stücke sind Rosetten aus dem 17. und 18. Jahrhundert sowie gestickte Kragen aus dem späten 19. und frühen 20. Die meisten Stücke der verschiedenen handwerklichen Spezialitäten stammen jedoch aus den 1940er Jahren und kommen aus allen lateinamerikanischen Ländern, Portugal und den Philippinen. Die Technik der Herstellung von Rosetten wurde jedoch ursprünglich von Teneriffa aus in diese Länder exportiert. Mit den Auswanderern reisten sie in die Welt, nach Mexiko, Paraguay oder Venezuela, wo sie die „Sonnen von Maracaibo“ genannt wurden. Im 19. Jahrhundert kamen sie auch nach Kroatien oder auf die Philippinen.

In der „Schatzkammer“ des Museums sind besonders seltene und wertvolle Stücke ausgestellt. Der Cristo de la Liberación aus Perú, Ende des 20. Jahrhunderts, ist nicht etwa aus Holz geschnitzt, sondern es ist eine feine Arbeit aus Keramik.

Die Karnevalsmasken der Dominikanischen Republik aus Pappmaché nannte man „Los Pepines“, sie ähneln mit ihrem Schnabel dem Donald Duck, haben aber die Hörner eines Stiers. Die Maske aus Puerto Rico (1995) ist ebenfalls aus Pappe, hat aber echte Zähne einer Kuh.

Besonders bunt und schrill geht es im Saal mit der populären Kunst aus Amerika und den Philippinen zu. Die Krippe mit Keramikfiguren aus Cuzco, Perú, Skelette als Musikgruppe oder Totenschädel aus Mexiko. Man kommt aus dem Staunen nicht mehr heraus über die einzigartigen Schätze aus fremden Welten.

Die Dauerausstellung ist eine absolut sehenswerte Attraktion für alle, die mehr in die iberoamerikanische Kunst eindringen wollen und sich nicht mit billigen Touristenimitaten zufrieden geben. Außerdem gibt es noch einen Saal, in dem die kanarischen Designpreise für Kunst und Kunstprojekte präsentiert werden.

Das Museum ist geöffnet von Montag bis Freitag, 10 bis 15 Uhr, samstags von 10.30 bis 13.30 Uhr. Alle Erklärungen gibt es auch auf englisch.

Eine schnelle Zusammenfassung sieht man in diesem Video:

Noch mehr Videos gibt es auf dem Youtube-Kanal des Museums: https://www.youtube.com/@maitenerife/videos

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Vom 04. bis 27. Februar 26 zeigt das Museum eine Sonderausstellung über den traditionellen kanarischen Karneval. Geöffnet Mo – Fr, 10 – 15 Uhr. Eintritt frei.

Schau auch auf der Seite Museen nach, was es sonst noch zum Staunen gibt.



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