Sinnestäuschung in der Tabakfabrik.
Eine Tabakfabrik macht uns was vor. Wir sind erstaunt und verwirrt. Wir wundern uns über faszinierende optische Effekte. Ein Besuch in diesem Museum wird zur abwechslungsreichen Unterhaltung für die ganze Familie. Und nebenbei erfährt man etwas über die Geschichte der Tabakverarbeitung in Santa Cruz.

Wer weiß schon, dass Santa Cruz einmal weit über die Kanaren hinaus bekannt war für seine reiche Tabakindustrie. Es gab hier einmal 36 Tabakfabriken, die Produkte von exzellenter Qualität herstellten. Sie wurden gegründet von Auswanderern, die in den 1920er Jahren aus Kuba zurückkamen und dort die Technik der Tabakverarbeitung gelernt hatten und von wo sie auch die Rohstoffe mitbrachten.
Zahlreiche Tabakfabriken wurden in den letzten Jahren geschlossen. Die einzige, die in Spanien noch existiert, befindet sich in Santa Cruz im Stadtteil Chamberi. Sie gehört zum japanischen Konzern JTI und stellt rund 2 Milliarden Zigaretten jährlich her. Japan Tobacco International hatte erst 2018 50 Mio. € investiert zum Ausbau der Fabrik und deckt damit rund 50% des spanischen Marktes ab. Winston, Camel, Benson&Hedges, alles was in Spanien geraucht wird, kommt aus Teneriffa. Der echte Canario rauchte natürlich seine „Krüger“: No, gracias, fumo Krüger.
Die Unternehmensgründer Anfang des 20. Jahrhunderts investierten beträchtliche Summen in ihre Firmen. Sie erbauten nicht nur zweckmäßige Industriehallen, sondern errichteten architektonisch anspruchsvolle Gebäude, die aus heutiger Sicht als wertvolles kulturelles Erbe der Stadtgeschichte betrachtet werden. So z.B. die Gebäude der Fabriken La Victoria oder El Águila.



Wichtig für die Bevölkerung waren auch die zahlreichen Arbeitsplätze in der Tabakindustrie. Die Fabrikarbeiter – überwiegend Frauen – profitierten von fortschrittlichen sozialen Verbesserungen, wie z. B. dem Transport von ihrem Wohnort zur Fabrik oder einer Kantine auf dem Werksgelände.





In der Calle El Pilar entstand zwischen 1924 und 1928 die Fabrik „La Lucha“. Der Unternehmer Manuel Luis López beauftragte den Architekten Domingo Pisaca mit dem Bau eines besonders hübschen Gebäudes an einer Straßenecke. Der Architekt setzte Akzente mit einem einzigartigen Turm und Fenster und Balkone mit verschiedenen künstlerischen Elementen und wollte damit die Illusion eines Luxusanwesens vermitteln Wichtigkeit des industriellen Aufschwungs der Stadt hervorheben. Der Name des Gebäudes ist „La Lucha“, der Kampf. Er bezieht sich auf den traditionellen kanarischen Ringkampf, Lucha canaria.
Auf der Plaza de los Patos stehen wunderschöne Bänke mit Keramikfliesen, wo die wichtigsten Unternehmen der Zeit ihre Werbung platzierten. Eine davon wurde auch von der Fabrik „La Lucha“ gestiftet. (Lies dazu den Artikel Von Enten und Fröschen)



Auch diese Fabrik war für die damalige Zeit mit den besten technischen Einrichtungen ausgestattet. Im Erdgeschoss gab es die modernsten Maschinen, die bis zu 60 000 Zigaretten pro Stunde herstellen konnten. Im ersten Stock befanden sich die Trockenräume für den Tabak. In den oberen Stockwerken gab es Wohnungen. Auch dies war eine innovative Idee, denn zu dieser Zeit war es unüblich, industrielle Nutzung und Wohnzwecke zu kombinieren. Im Eingangsbereich an der Ecke gab es einen Laden, in dem die Produkte verkauft wurden.
Es wurden Zigarren, Zigaretten und Pfeifentabak unter verschiedenen Marken hergestellt. „Ben Hur“, „Habana“, „Super Habana“ oder „Super Lucha“ waren bekannt für ihre ansprechenden Tabakdosen aus Metall, die Szenen aus dem kanarischen Leben zeigten und zu beliebten Sammelartikeln wurden.

1962 wurde die Fabrik geschlossen und in die Außenbezirke der Stadt verlegt. Danach wurde das Haus für verschiedene Zwecke genutzt. Leider hat sich das Innere nicht besonders gut erhalten, doch bei der Restaurierung konnten einige Elemente gerettet werden, z.B. die originalen Bodenfliesen und an den Säulen den Verputz mit Wandbemalung.



Die äußere Fassade jedoch ist perfekt erhalten und zeigt uns, dass Industriegebäude in früheren Zeiten durchaus hübsch und elegant waren, sie waren ein Symbol für Fortschritt und Reichtum.

Das Gebäude „La Lucha“ besitzt einen historischen Wert, der es verdient, als industrielles Kulturerbe eingestuft zu werden. Daher ist es im Verzeichnis zum Schutz des Kulturguts von Santa Cruz unter der Kategorie „Umweltschutz“ aufgeführt, das sich derzeit in der Anfangsphase der Bearbeitung durch die Stadtverwaltung befindet. Diese Schutzmaßnahme gewährleistet den Erhalt des Volumens, der Höhen, Dächer, Fassaden, Mauern und unbebauten Flächen des Gebäudes und spiegelt damit dessen historisch-industriellen Wert wider. Da sich dieses Dokument jedoch bis zu seiner endgültigen Verabschiedung noch in der Phase der öffentlichen Konsultation befindet, hat die Stadtplanungsbehörde beschlossen, die Erteilung von Genehmigungen für Bauarbeiten oder sonstige Aktivitäten an den im Katalog aufgeführten Objekten automatisch auszusetzen, bis die endgültige Fassung nach Prüfung der eingegangenen Stellungnahmen fertiggestellt ist. Ein bürokratischer Stillstand, der voraussichtlich noch eine Weile andauern wird.
Im August 2024 wurde in diesem Gebäude das Museum der Illusionen eröffnet. Es war eine spannende Attraktion für die ganze Familie Auf 700 m² zeigte es in den unteren beiden Stockwerken allerlei optische Erscheinungen und Täuschungen. Alles was mit Lichteffekten zu tun hat, wurde hier auf unterhaltsame Weise gezeigt.
Leider musste das Museum im Mai 2026 wegen der Planungen der Stadtverwaltung wieder schließen, da die Lizenz nicht verlängert wurde. In Costa Adeje eröffnete dann „Absurdia Tenerife“ mit neuen, erstaunlichen Attraktionen und Illusionen. Dort wird durch die große Anzahl Touristen auch mit einer besseren wirtschaftlichen Situation gerechnet.
Trotzdem hier noch eine Beschreibung, was es im Museum alles zu sehen gab:
Kunstwerke, die überraschende Schattenbilder werfen, spannende Hologramme, Lichtbrechung, dreidimensionale Videos oder raffinierte Bilder, die sich im Vorbeigehen plötzlich ändern. Im monochromatischen Raum gibt es nur noch eine Farbe. Spiegel, Kaleidoskope oder extrem verzerrte Bilder zeigen einen ganz neuen Blick auf die Welt.








Verwundert schaut man sich das „Selbstportrait unter der Linde“ an. Was sieht man zuerst? Und was erst auf den zweiten Blick? Der ukrainische Maler Oleg Shupliak versteht es, zwei Bilder gleichzeitig zu zeigen und dreidimensionale Effekte zu erzeugen.
Die Fotocollage des italienischen Designers Gianni Sarcone ist ein Mosaik aus 288 kleinen Papierschnipseln. Von weitem erkennt man sofort Albert Einstein, aber wenn man näher kommt, entdeckt man die raffinierte Kunst.


Die Reverspektive ist eine Maltechnik, die das Auge täuscht und das Bild aus verschiedenen Richtungen ganz anders aussehen lässt. Der britische Künstler Patrick Hughes lässt uns um die Ecken schauen.

Neue Blickwinkel durch extreme Verzerrungen, dargestellt von Simonas Šileika aus Litauen.

Unmögliche Gegenstände, der schwebende Stuhl oder die Welt, die auf dem Kopf steht.



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Artikel-Nr. 26-0F8600F0
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