Glanz und Gloria

Luxustourismus als kulturelle Identität.

Es hat lange gedauert und große Anstrengungen erfordert, aber der Wille war da. Das legendäre Hotel Taoro sollte seinen einstigen Glanz zurück bekommen. Viele Jahre war es dem Verfall preisgegeben und viele Jahre hat der Wiederaufbau gedauert. Am 20. Oktober 2025 öffnete es wieder sein Türen, fast genau 135 Jahre nach seiner Gründung.

Die Schlagzeilen der letzten Jahre lesen sich wie eine Fortsetzungsgeschichte:

Im Oktober 2018 schreibt eine Tageszeitung: „Das erste Grand-Hotel Spaniens zerfällt in Stücke. Die lange erwartete Neueröffnung des Luxushotels soll die alten Zeiten wieder aufleben lassen.“
März 2018: Hotel Taoro vom Pech verfolgt.
August 2019: Fünfsternehotel Taoro soll Ende 2021 eröffnet werden.
März 2021: Die Erneuerung des Taoro-Hotels wird auf Ende nächsten Jahres verschoben.
September 2022: Der Inselpräsident hofft auf den Beginn der Arbeiten in diesem Monat.
Januar 2023: Die Umbauten beginnen im Februar.
Februar 2023: Das Hotel Taoro öffnet seine Türen im Sommer 2024.
Januar 2024: Das Hotel wird Ende des Jahres eröffnet.
November 2024: Taoro öffnet im April nächsten Jahres

Die finanziellen Anstrengungen lesen sich auch beachtlich. 15 Millionen Euro musste die Inselregierung locker machen, um mögliche Investoren zu überzeugen. Seit 2008 gab es insgesamt vier erfolglose Ausschreibungen. 2018 interessierten sich mehrere Interessenten, aber letztlich kam nur nur eine Bewerbung an, und diese wurde wegen Zweifel an der Fähigkeit des Investors nicht akzeptiert. Der Investor sollte in der Lage sein, das Hotel 60 Jahre lang zu betreiben, eine Investition von 28,2 Mio € aufzubringen und nach den ersten 28 Jahren eine jährliche Pacht von 941 000 € zu zahlen. Offenbar hat das einige abgeschreckt.

Später wurde die Gesamtinvestition auf 29,1 Mio € angehoben, aber die Pacht auf 485 000 € gesenkt. Zu diesen Konditionen bekam dann im Mai 2019 das Unternehmen Tropical Turistica Canarias den Zuschlag. Es verpflichtet sich außerdem zu einer Anfangsinvestition von 25 Mio €, zu einer Rücklage von 380 000 € jährlich und zu einer Endinvestition von 3,8 Mio € in den letzten zehn Jahren, um die Immobilie dann in optimalem Zustand an die Inselregierung zurückgeben zu können.

Beeindruckende Zahlen, und ein beeindruckender Arbeitsaufwand, der nötig wurde, um das heruntergekommene Hotel in einen Zustand zu versetzen, der den heutigen Anforderungen gerecht wird. Als es 1975 geschlossen wurde, gab es noch keine Klimaanlagen, kein warmes Wasser und kein WiFi. Die Zimmer waren viel kleiner und die Ausstattung viel bescheidener. Ein kompletter Umbau war erforderlich. Baustatik und Sicherheit entsprachen nicht mehr den heutigen Standards. Die Anstrengungen und die technischen Anforderungen waren enorm.

Im Januar 2024 konnten die Arbeiten endlich beginnen. „Die Renovierung und Inbetriebnahme des Gran Hotel Taoro wird einen großen Einfluss auf die lokale Wirtschaft haben, da insgesamt mehr als 1000 Arbeitsplätze geschaffen werden. Fast 800 Arbeiter werden an der Entwicklung des Projekts der Umgestaltung, Restaurierung und Modernisierung des Gebäudes mitwirken“, sagte der damalige Präsident von Teneriffa, Pedro Martín, und fügte hinzu, dass es nach seiner Inbetriebnahme mehr als 250 Fachleute direkt und indirekt beschäftigen würde. Die Arbeiten wurden von dem Bauunternehmen Dragados ausgeführt.

Betrieben und angeboten wird das Hotel unter der Marke MyWay Meaningful Hotels, die auf Teneriffa zwei weitere Hotels mit 719 Zimmern betreibt. Jetzt ist es wieder das älteste Hotel der Kanaren, das noch in Betrieb ist, seither hatte diesen Titel das Hotel Santa Catalina in Las Palmas.

Hier im Gran Hotel Taoro begann die Geschichte des Tourismus’ auf der Insel. Natürlich war es ein Luxustourismus, denn als es am 22. Dezember 1890 eröffnet wurde, konnten sich eine Erholung auf Teneriffa nur die allerreichsten Leute leisten. Sie kamen wegen des gesunden Klimas und der reinen Luft aus England, Deutschland oder Russland, aus Gegenden, die Ende des 19. Jahrhunderts von Atemwegserkrankungen geplagt wurden. Die europäische Oberschicht suchte nach Erholungsorten, die sie zunächst im Mittelmeerraum fand. Erst die Entwicklung der Dampfschifffahrt ermöglichte den Ausbau des touristischen Angebots auch auf den Kanaren. Puerto de la Cruz war zu jener Zeit als Handelszentrum bekannt, und die Besucher, vor allem Briten, übernachteten normalerweise in den Gasthäusern und Privathäusern ihrer Landsleute. Auf diese Weise wurde die Stadt zu einer in ganz Europa bekannten Touristenattraktion mit den Vorzügen des Klimas, der sich entwickelnden Wirtschaft mit Investitionsmöglichkeiten und der gastfreundlichen und aufgeschlossenen Bevölkerung.

In diesem historischen Kontext begannen einige Mitglieder der Aristokratie und des Bürgertums der Insel sowie Landbesitzer und Intellektuelle, die Öffnung für andere wirtschaftliche Aktivitäten als die Landwirtschaft, wie etwa den Tourismus, in Betracht zu ziehen. Das Scheitern wichtiger Exportprodukte, wie z. B. der Cochenille, sowie die Beteiligung ausländischer Unternehmer, vor allem britische, wurden zu Schlüsselelementen dieses Übergangs im 19. Jahrhundert.

Ab Mitte des Jahrhunderts, als die englische Gemeinschaft auf Teneriffa immer stärker wurde und die Exportgeschäfte der Insel immer weniger rentabel waren, wuchs das Interesse am Tourismus in diesem Gebiet.

So hatte Nicolás Benítez de Lugo, Sohn eines Markgrafen der Stadt, die Idee, ein großes Hotel zu bauen und beantragte mehrere Genehmigungen bei den beiden Stadtverwaltungen von La Orotava und Puerto de la Cruz. Letztere machte am 8. April 1883 den Weg frei für ein Projekt, das die Stadt international bekannt und berühmt machen sollte.

Trotz der Unterstützung durch die lokale Regierung und der Entwicklungsmöglichkeiten fehlte es hier jedoch an Wissen und Erfahrung in diesem Bereich. So war es der pensionierte Offizier William Strickland Harris, der die Gründung einer Gesellschaft in die Wege leitete, die in der Lage war, den Bau eines solchen Zentrums in Angriff zu nehmen. Dabei fand er finanzielle Unterstützung von mehreren angesehenen Personen der Oberschicht und den Konsuln von England, Frankreich, den USA, Deutschland, Italien, Russland und Schweden. Sie gründeten das erste Tourismusunternehmen der Kanarischen Inseln, „La Compañía de Hoteles y Sanatorium del Valle de la Orotava“, mit einem Aktienkapital von 20.000 Pfund (500.000 Peseten) und 1.000 Aktien.

Die Notwendigkeit eines neuen Hotels war groß, denn das 1886 eröffnete Grand Hotel Orotava war völlig überlastet. Schon im Winter 1887-88 registrierte man das erste „Overbooking“ in der Tourismusgeschichte der Kanaren.

Mit der Planung und dem Bau der Immobilie wurde der französische Architekt Adolphe Coquet beauftragt. Die britischen Geldgeber erwarben mehrere Hektar Land von 16 Eigentümern in einer Gegend, die als „Monte de Miseria“ bekannt war. Dort waren aufgrund der erheblichen Unebenheiten des Geländes mühsame Arbeiten zur Nivellierung und Fundamentierung erforderlich. Noch heute kann man im benachbarten Parque de la Sortija dieses ehemals ungenutzte Land erkennen, das aus schroffen Lavafelsen besteht und auch Malpaís genannt wird.

Das endgültige Gebäude mit einer Fläche von 15.771 Quadratmetern besteht aus drei U-förmigen Teilen, einem zentralen, nach Norden ausgerichteten Baukörper zur Stadt und der Küste, sowie zwei großen Flügeln im Osten und Westen. Im zentralen Innenhof Richtung Süden gab es einen Garten im französischen Stil und einem größeren englischen Garten mit allen Arten von Sträuchern und Bäumen sowie Pavillons, Pergolen, Laubengängen und Teichen entlang des so genannten „Camino de La Sortija“, wo der erste Tennisplatz der Kanaren angelegt wurde. Auf dem langen, geraden und ebenen Weg fanden auch Mittelalter-Reiterspiele statt, bei denen die Reiter im Galopp mit ihrer Lanze einen Ring (sortija) aufspießen mussten. Dort befindet sich auch die anglikanische Kirche und die englische Bibliothek, schon damals ein bekannter Treffpunkt der britischen High Society. Heute tummeln sich Jogger und Spaziergänger im Park, es gibt eine kleine Cafetería und einen Hundeplatz.

Das Gebäude, das nach den damals gängigen architektonischen Modellen für große Luxushotels entworfen wurde, beherbergte 217 Zimmer, die Komfort ausstrahlten, einen geräumigen Speisesaal für hundert Gäste, einen im Stil der damaligen Zeit dekorierten Salon, eine große Lobby, eine Bibliothek und einen Billardsaal. Alles war mit den elegantesten Möbeln eingerichtet. Das Taoro entsprach voll der Mode jener romantischen Zeit.

Viele illustre Gäste verbrachten hier ihren Luxusurlaub, der russische Zar Nikolaus, die Herzöge von Kent, König Alfons der 13. von Spanien, das belgische Königspaar oder der deutsche Kaiser Wilhelm II, der 1909 hier seinen 50. Geburtstag feierte.

Doch hinter der luxuriöses Fassade begannen unbemerkt schon bald wirtschaftliche Probleme. Die Veränderungen auf dem Gebiet der Medizin, der es unter anderem gelang, die Tuberkulose zu heilen, machten den ursprünglichen Grund des Tourismus auf den Inseln, der auf der Gesundheit beruhte, immer unattraktiver, was schließlich dazu führte, dass sich das Etablissement auf einen anderen Kundenkreis umstellte und für ausländische Reisende, die an die ruhigeren europäischen Erholungsorte gewöhnt waren, immer weniger attraktiv war.

1895 kamen 2871 Touristen nach Puerto de la Cruz, davon 2000 Briten, trotzdem konnte das Gran Hotel Taoro die geplante Zahl von 2500 Gästen pro Saison nicht erreichen und musste sich in seiner besten Saison 1900-1901 mit 1200 Gästen begnügen. Alle Versuche, das Etablissement durch zusätzliche Angebote attraktiver zu machen, führten die Geschäftsleitung nur weiter in die Verschuldung. Im Jahr 1901 beschloss sie schließlich, das Hotel zum Verkauf anzubieten. Dies führte zu einem Pachtvertrag mit der deutschen Kurhaus Betriebs Gesellschaft, die den Namen des Hotels in „Grand Hotel Humboldt-Kurhaus“ änderte.

Dem umbenannten Hotel erging es jedoch nicht besser. Am Vorabend des Ersten Weltkriegs führten das von den Deutschen geschürte Misstrauen unter den Gesellschaftern sowie die Nichterfüllung bestimmter Vertragsbedingungen, die zu mehreren gerichtlichen Auseinandersetzungen führten, zur endgültigen Kündigung des Pachtvertrags im Jahr 1913.

Fünf der ehemaligen Aktionäre versuchten in der Folge über mehrere Pächter, das Hotel wiederzubeleben, doch alle waren erfolglos. Der Niedergang im Waren- und Personentransport während des Erstes Weltkriegs brachte auch den Tourismus zum Erliegen. Am 8. und 9. Mai 1929 zerstörte ein Brand große Teile des Gebäudes. 1932 wurde der Wiederaufbau beschlossen, doch die Wirtschaftskrise und der Spanische Bürgerkrieg verhinderten jegliches Aufleben im Tourismussektor.

Mit dem Ende des Zweiten Weltkriegs fiel die Immobilie dann in die Hände der Inselregierung von Teneriffa, die es aber auch nur unter großen Schwierigkeiten als Hotel weiter betreiben konnte. Der Pachtvertrag mit Hoteles Unidos „Husa“ wurde 1975 aufgelöst, und 1979 erteilte die Regierung de Genehmigung zur Nutzung als Spielcasino. Dieses war bis 2006 in Betrieb, als das Casino zum Lago Martiánez verlegt wurde. In der Folge blieb das einstige Vorzeigehotel der Kanaren ungenutzt.

Nachdem 2019 endlich ein Investor gefunden wurde, dauerten die Vorbereitungen und die Umbauphase aber doch länger als geplant. Die Arbeiten begannen am 30. Januar 2023, aber die für 2024 geplante Eröffnung musste mehrfach verschoben werden.

„Ein wichtiger Teil der Identität“ von Puerto de la Cruz wurde wiederhergestellt, nach Aussagen des Bürgermeisters. In diesem Sinne wurde die ursprüngliche Architektur und der neoklassizistische Stil beibehalten und mit einer eleganten Inneneinrichtung im Kolonialstil kombiniert. Für die Ausführung der Einrichtung firmiert die darauf spezialisierte Hotelgruppe Dishot.

Im Hotel setzt man in allen Bereichen auf Luxus. In fünf Restaurants der Superklasse kann exklusiv gespeist werden. Zwei Michelin-Sterne-Köche wurden engagiert, Ricardo Sanz und Erlantz Gorostiza. Sanz leitet das hochpreisige Lokal OKA, das auf die japanisch-mediterrane Linie setzt, Gorostiza leitet das Restaurant Lava und das Bistrot Amalur, wo es auch eher erschwingliche Gerichte geben soll, inspiriert von den vier Elementen.

Selbstverständlich gibt es eine Wellness- und Sportabteilung und drei Schwimmbäder, die allen Ansprüchen gerecht werden. 100 000 Quadratmeter des Sortija-Parks können für sportliche Aktivitäten genutzt werden.

Auf den Dächern des Hotels wurden 700 Quadratmeter Solarpaneele angebracht, deren Energie hauptsächlich für die Warmwassererzeugung und die Beheizung der Schwimmbäder im Winter genutzt wird, die mit Wärmerückgewinnungssystemen und salzarmer Elektrolyse ausgestattet sind, um den Einsatz von Chlor und Chemikalien zu vermeiden.

Der Tag der Wiedereröffnung sollte eigentlich der 15. September sein. Am 15. September 1890 wurde Agatha Christie geboren, kurz vor der Eröffnung des Hotels. Sie kam 1927 nach Puerto de la Cruz und wohnte im Taoro Hotel. Zu ihren Ehren findet alle zwei Jahre, auch im November 2025, das Agatha-Christie-Festival statt. Trotz aller Anstrengungen gelang es nicht diesen Termin zu halten. 199 Zimmer, maximaler Comfort und Eleganz, ein Referenzpunkt für die Kanaren. Es musste eben alles perfekt sein.

Im September war rund um das Hotel noch rege Bautätigkeit zu sehen. Aber bis zur Eröffnung wurden die Gartenanlagen hübsch hergerichtet. Nur auf der Rückseite gab es noch einige hässliche Ecken.

Zur Eröffnung waren natürlich alle namhaften Persönlichkeiten der Insel anwesend und lobten den gelungenen Kraftaufwand. Der Vizepräsident der Insel, Lope Afonso, bezeichnet die Wiedereröffnung als „eine Chance, die lokale Wirtschaft wiederzubeleben, Investitionen auf Teneriffa zu fördern und die kulturelle Identität von Puerto de la Cruz zu stärken”. Der Bürgermeister von Puerto de la Cruz, Leopoldo Afonso, betonte, dass „dies die Erfüllung eines Wunsches der gesamten Insel Teneriffa und des Archipels ist. Es ist ein klares Bekenntnis zu dem Qualitätstourismus, den wir in der Gemeinde Puerto de la Cruz so sehr fördern möchten“.

Nun wird sich zeigen, ob der „neue Referenzpunkt für den kanarischen Tourismus“ die Erwartungen erfüllt, ob bei Zimmerpreisen ab 300 € pro Nacht genügend zahlungskräftige Gäste kommen, um die 199 Zimmer und die fünf Luxusrestaurants zu füllen. Über weitere Details zu Serviceangeboten und Preisen gibt die Website des Hotels leider keine Auskunft.



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Ein Gedanke zu “Glanz und Gloria

  1. lieber Gerardo, vielen lieben Dank für Deine unermüdliche Recherche über Teneriffa und seine Schönheiten… wir lesen Deinen Blog immer wieder gern

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