Der heilige Ziegenhirte.
Die Stadt Vilaflor feiert in diesem März und April den 400. Geburtstag ihres berühmtesten Sohns. „Hermano Pedro“ war ein Ziegenhirte aus dem Ort, der sich berufen fühlte, Gutes zu tun und anderen Menschen zu helfen. Zahlreiche Veranstaltungen und Prozessionen ehren ihn, insbesondere die große Wanderung zu seine Höhle bei El Médano.

„Er ist ein Wegbegleiter“, erklärt der Pfarrer von Vilaflor und betont, dass seine Gestalt „nach wie vor sehr präsent“ sei – sowohl bei den Gemeindemitgliedern, die in die Pfarrei kommen, als auch bei den Pilgern, die den Weg zur nach ihm benannten Höhle zurücklegen, vor allem aber in der Krankenpflege, wo sein Vermächtnis heute seinen lebendigsten Ausdruck findet. Pedro de San José de Betancur wurde am 21. März 1626 in Vilaflor geboren. In der Stadtkirche San Pedro Apóstol in Vilaflor steht seine Statue, und an der Mauer erinnert eine Gedenktafel an den großen Heiligen. Er wurde 1980 im Petersdom im Vatikan seliggesprochen und 2002 von Papst Johannes Paul II. in Guatemala-Stadt heiliggesprochen. Er ist der erste und einzige Heilige, der von den Kanarischen Inseln stammt.







Man sagt, er habe „den Ruf Gottes verspürt, den Atlantik zu überqueren“. Sein Lebensmittelpunkt als Kind war die Ziegenherde und spielte sich zwischen den Winterweiden an der Küste und den Sommerweiden in den Bergen ab. Der junge Pedro war ein fleißiger Mensch und sehr gläubig. Auf seinen Märschen mit der Herde und den langen Momenten der Stille in der Höhle von El Médano betete er oft. In der Höhle fand er auch Schutz vor den berberischen und italienischen Piraten. Von dort aus beobachtete er die Schiffe, die nach Amerika aufbrachen. Mit 23 Jahren beschloss er, ohne jemandem Bescheid zu geben, auszuwandern. Er brach vom Hafen von Santa Cruz auf, zuerst nach Kuba, dann nach Honduras und schließlich nach Guatemala. Sein endgültiges Ziel fand er in dem Ort Santiago de los Caballeros.
Kaum in Guatemala angekommen, erkrankte er schwer, und während dieser Zeit hatte er zum ersten Mal Kontakt mit den Ärmsten und Benachteiligten der Gesellschaft. Nach seiner Genesung begann er ein kirchliches Studium und legte schließlich sein Gelübde als Franziskaner-Terziar im Kloster San Francisco in Antigua, Guatemala, ab. Dort baute er sein Hilfsnetzwerk auf, eine Schule für arme Kinder, eine Krankenstation, ein Frauenhaus und eine Herberge für mittellose Studenten und Priester. Er nannte diesen Ort „Bethlehem“ und erinnerte damit an „die Armut der ersten Herberge, in der Jesus auf Erden unterkam“. Er leistete eine unvergleichliche karitative Arbeit und engagierte sich für seine Mitmenschen, vollbrachte Pionierarbeit im Bereich der Sozialfürsorge und der Kindererziehung und ging sogar so weit, aus seinem Lohn als Webereiarbeiter Lehrer zu bezahlen, um mittellose Kinder zu unterrichten. Das sogenannte Wunder von Adalberto – die Heilung eines an Krebs erkrankten Kindes ohne medizinische Erklärung – spielte eine entscheidende Rolle im späteren Heiligsprechungsprozess von Bruder Pedro.


In Guatemala hat seine Figur eine Dimension erreicht, die über das Religiöse hinausgeht. Er steht heute für viel mehr als nur einen Heiligen: Er ist eine soziale und kulturelle Figur, die tief in der modernen guatemaltekischen Gesellschaft verwurzelt ist. Ihm gebührt das Verdienst, das erste Krankenhaus für Arme in Amerika ins Leben gerufen zu haben. Der von Bruder Pedro gegründete Bethlemitenorden erfüllt bis heute seinen apostolischen und karitativen Auftrag in Amerika, Italien, Indien und Spanien. In Antigua, Guatemala, gibt es noch das Krankenhaus „Hermano Pedro“.

Bruder Pedro hatte 1657 in Antigua auch einen Baum gepflanzt, dessen Blätter und Blüten eine heilende Wirkung haben sollen. Er heißt dort Esquisúchil und war schon bei den Mayas ein heiliger Baum. Viele Jahre lang bemühten sich guatemaltekische Botaniker um die Vermehrung dieser Pflanze, was nur unter großen Schwierigkeiten gelang. Schließlich wurden auch einige Exemplare nach Teneriffa gebracht, um eine Verbindung zwischen Guatemala und den Kanarischen Inseln herzustellen und zu versuchen, sie auf dem Archipel anzusiedeln. Derzeit gibt es Exemplare in mehreren Orten auf der Insel, eines davon steht an der Straße von La Escalona nach El Hoyo bei Vilaflor, neben der Kapelle Hermano Pedro. Dort gibt es auch ein Restaurante Hermano Pedro.
Der heilige Esquisúchil in Antigua lebte 363 Jahre und wurde zum Kulturerbe Guatemalas erklärt. Im Jahr 2020 ist er leider aus Altersgründen umgestürzt.

An das enorme karitative Werk von Bruder wird auch jedes Jahr in Vilaflor erinnert. Seine Statue wandert schon im März durch das Land und wird in verschiedenen Teilorten präsentiert, in Ifonche, El Hoyo und La Escalona.
Die große Prozession zu Ehren des Bruders Pedro beginnt an der Kirche San Pedro Apóstol in Vilaflor und führt bergab durch die Gemeinden San Miguel und Granadilla bis zur Küste von El Médano, wo sich die Höhle befindet, in der dieser Heilige verehrt wird. Die Route, auf der der heilige Ziegenhirte mit seiner Herde unterwegs war, ist 19 km lang und kann auch ohne Prozession nachgewandert werden, denn sie ist gut ausgeschildert.


Normalerweise ist dieser Ort in einer kleinen Schlucht ein stiller Platz, zu dem im Laufe des Jahres nur wenige Besucher kommen. Ganz so still ist er allerdings nicht, denn er ist nur wenige Meter vom Ende der Startbahn des Flughafens entfernt. In der Nähe der Höhle ist auch die Wasserstelle von Bruder Pedro, wo der Ordensbruder angeblich seine Herde zum Trinken hinführte. Im September gibt es eine kleine nächtliche Prozession dort hin von El Médano aus.









Die Figur des Heiligen Pedro de Betancur gilt seit jeher als Symbol für die Identität der kanarischen Kultur. Bruder Pedro taucht in vielen Geschichten der mündlichen Überlieferung auf, insbesondere in solchen, die mit seiner seelsorgerischen und mystischen Tätigkeit in seiner Höhle in Verbindung stehen. Diese Traditionen haben im Laufe der Zeit immer neue Bedeutungsebenen erhalten und sind gleichzeitig mit der kanarischen Identität verknüpft worden. Die symbolische Bedeutung der Figur des Bruders Pedro ist komplex und facettenreich und reicht von seiner Rolle als eine der universellsten Figuren der Kanarischen Inseln bis hin zu seinem Status als erster und einziger Heiliger Teneriffas.

Der Heilige Pedro wurde nicht sehr alt. Er starb 1667 im Alter von nur 41 Jahren in Antigua. Dort befindet sich auch seine Grabstätte. Vilaflor und Antigua haben 2023 eine Städtepartnerschaft beschlossen. „Wir alle wissen, was uns verbindet. Alle Gemeinden im Süden sind zu den Lieblingskindern von Bruder Pedro geworden, ganz gleich, ob man gläubig ist oder nicht. Er ist aufgrund seines humanitären Engagements eine universelle Persönlichkeit“, betonte die Bürgermeisterin von Vilaflor bei den Feierlichkeiten.
Artikel-Nr. 31-127AD714
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