El Polvorin

Ein vernachlässigtes Schätzchen

EL POLVORÍN DEL PUERTO DE LA CRUZ

Das alte Fort San Felipe am Westende der Stadt Puerto de la Cruz ist jedem bekannt, der zum Gartenstrand geht. Von den Terrassen vor dem Kastell hat man einen schönen Blick über den Strand. Aber nur wenige kennen ein kleines Nebengebäude, das nur 100m davon entfernt versteckt in einem Garten liegt: Das Pulvermagazin.

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Ende des 18. Jahrhunderts wurde dieses Militärgebäude errichtet, vermutlich auf Empfehlung des Militäringenieurs Juan Latigué de Conde, der 1792 Puerto de la Cruz besuchte. Das ursprüngliche Munitionslager befand sich innerhalb des Kastells, was eine große Gefahr darstellte, deshalb erbaute man etwa 100m davon entfernt ein separates Munitionsdepot.

Das Pulverlager ist ein rechteckiger Bau mit einer Grundfläche von 137 m², er hat ein Gewölbedach und eine nach Westen ausgerichtete Doppeltür. Unter dem Dachbogen gibt es auf beiden Giebelseiten je ein kleines Dachfensterchen. Das Dachgesims sowie die Ecksteine sind aus behauenen Vulkansteinblöcken, alle Wände sind außen und innen weiß gekalkt. Der Fußboden im Innenraum besteht aus Holzplanken aus Tea-Holz. Dort konnten bis zu 40 Zentner Pulver gelagert werden.

Das Gebäude steht etwas erhöht auf einem Platz von 617 m², zu dem man über eine Treppe mit neun Stufen kommt. Dort steht auch ein rundes, gemauertes Schilderhaus, in dem sich früher ein Soldat zur Bewachung aufhalten musste. Sicherlich eine meistens langweilige, aber trotzdem anstrengende Tätigkeit, denn damals gab es noch keine Schatten spendenden Palmen. Das Häuschen hat innen weniger als einen Meter Durchmesser, so konnte der arme Mann wenigstens nicht umfallen.

Auf der anderen Seite gibt es eine große, gekachelte Terrasse und noch zwei weitere kleine Schilderhäuschen. In dem kleinen angrenzenden Park stehen mächtige kanarische Dattelpalmen.

Die militärische Nutzung der Anlagen war kurzlebig. Bereits 1799 investierte ein irischer Händler namens Diego Barry 500 Pesos zur Renovierung des Kastells. 1837 musste erneut renoviert werden, 1854 wurde die gesamte Militärgarnison von 36 Soldaten abgezogen, fünf Jahre später wurden auch die alten Kanonen entfernt. Sowohl das Kastell San Felipe als auch das Pulvermagazin befanden sich Ende des 19. Jahrhundert ein einem halb verfallenen Zustand.

Nachdem bereits 1878 das Kastell San Felipe zum Nießbrauch an die Stadt Puerto de la Cruz übergeben wurde, ordnete ein gewisser Generalkapitän Don Emilio March y García im Jahr 1906 an, auch den Polvorín der Stadt Puerto de la Cruz zu überlassen, für einen Pachtzins von einer Peseta pro Jahr. Am 30. Oktober 1908 erfolgte der Eintrag ins Grundbuch von La Orotava. 1924 erklärte die Militärverwaltung das Gebäude für nicht mehr nutzbar und gab es zum Verkauf frei. Doch niemand wollte es haben. Alle militärischen Gebäude wurden dann 1962 zur Versteigerung ausgeschrieben, doch als das der Bürgermeister in der Zeitung las, stellte er fest, dass sie auf öffentlichem Grund lägen und deshalb der Stadt zustehen würden. So konnte die Stadt 1964 endgültig die alten Verteidigungsanlagen kaufen und bezahlte für den Polvorín genau 998724 Pesetas.

1704059_1Über die weitere Nutzung ist nicht mehr viel zu erfahren. In den 80er und 90er Jahren war es jedenfalls eine nette kleine Cafeteria, wo sich Liebespaare zum Turteln trafen, Friedhofsbesucher ein vertrauliches Gespräch führten oder ein Tourist auf dem Rückweg vom Strand sich erfrischen konnte. Die großen Palmen spendeten viel Schatten und man saß abseits des Verkehrs. Doch 1998 wurde das Lokal geschlossen, der Grund ist unbekannt.

Am 14. Juni 2010 hat die Stadt Puerto de la Cruz wieder einen verlängerbaren Pachtvertrag für das Gebäude ausgeschrieben, nachdem es 12 Jahre lang geschlossen war. Der Vertrag hatte eine Laufzeit von vier Jahren und sah eine Monatsmiete von 1100 € vor, wobei das erste Jahr mietfrei war, da die Kosten für die Renovierung zu Lasten des Pächters gingen. Diese wurden auf 8000 € geschätzt. Man war stolz darauf, so ein hübsches und historisches Kleinod wieder für die Öffentlichkeit verfügbar gemacht zu haben.

cafeteria polvorinNun konnte man wieder gemütlich unter den Palmen sitzen, einen Kaffee oder ein kühles Bierchen genießen und eine Kleinigkeit essen. Doch der Pächter hat den Vertrag 2014 dann nicht verlängert, ganz offensichtlich war es nicht möglich, mit so einem kleinen Lokal die enormen Fixkosten zu erwirtschaften oder gar Gewinn zu erzielen.

Seitdem ist der Polvorín wieder geschlossen. Nur die Schildchen für Kreditkarten an der Tür erinnern noch daran, dass es mal ein Lokal war. Laut Auskunft der Stadtverwaltung gibt es immer noch ein Pachtangebot, aber es findet sich kein Interessent. Und so wird aus der hübschen kleinen Anlage nach und nach eine Schmuddelecke mit Hundehaufen, Kotzpfützen und weggeworfenen Resten nächtlicher Trinkgelage auf der verwahrlosten Terrasse. Passanten gehen achtlos vorbei. Auf den Bänken entlang des Wegs sitzen gelegentlich ein paar Rentner im Schatten zum alltäglichen Schwatz…

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Quelle für alte Bilder: http://cronicasportuenses.blogspot.com.es/2017/03/el-castillo-de-san-felipe.html

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Artikel-Nr. 23-4-65

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