Einsam und beschwerlich.
Auf der Westseite der Insel durchschneiden unzählige Schluchten die Landschaft. Sie zu überqueren war schon immer eine Herausforderung für die Bauern, und ist es heute noch für die Straßenbauer. Sie zu durchwandern ist ebenfalls nicht einfach. Man kann nicht mit ausgeschilderten Wegen rechnen und muss sich auf schwierige Passage einstellen. Spannend zu gehen, aber wild und einsam.

Das System der Schluchten, die man auf dieser Wanderung durchqueren wird, zerschneidet in der Gemeinde Adeje die Landschaft bei den Dörfern Taucho und Tijoco Alto. Die gewaltigste Schlucht ist der Barranco der Erques, der auch die Grenze zwischen Adeje und Guía de Isora markiert. Die Schluchten haben in verschiedenen Abschnitten unterschiedliche Namen, was etwas verwirrend ist.
In der Region hier oben, in rund 1000 m Höhe, gibt es vor allem Ruhe und Einsamkeit. Die Dörfer sind nicht verlassen, aber die Landwirtschaft spielt keine große Rolle mehr. Weizen, Gerste, Kartoffeln, Ziegen und Kühe gab es einmal hier oben als Lebensgrundlage. Heute sind die Jüngeren alle abgewandert, hinunter an die Küste, wo es vielfältige Arbeitsmöglichkeiten gibt. Geblieben sind die Alten, die sich eine regelmäßige Busverbindung sehr wünschen, selbst wenn es nur dreimal am Tag wäre. Tijoco Alto hat heute noch etwa 100 Einwohner, in Taucho leben 240 Menschen.

Die hier beschriebene Route ist eine sehr lange und anstrengende Tour, weil man mehrfach in die Schluchten absteigen muss. Es gibt jedoch die Möglichkeit, die Tour in zwei Teilen zu machen, einmal von Taucho aus oder auch von Tijoco Alto aus.
Große Tour mit beiden Teilen.

Der Beginn der großen Runde liegt am Rande des Dorfes Taucho. Wenn man vom Ort Los Menores die unzähligen Kurven auf der TF-583 herauf gekommen ist, darf man etwa bei km 6,4 eine kleine Seitenstraße nicht verpassen. Dort steht ein Wegweiser zum Barranco de Ye und nach Tijoco Alto. Nach 250m gibt es hinter der höchsten Stelle auf der linken Seite einen Streifen, wo man das Auto abstellen kann.
Man geht noch 100m weiter und hat nach der Kurve schon einen beeindruckenden Blick in die Schlucht. Danach teilt sich die Straße, und man geht nach links in die Schlucht hinein. Dies ist der Barranco de Bucio, den man später auf dem Rückweg noch einmal durchqueren wird. Nach der Linkskurve zweigt dann eine weitere Schlucht ab, der Barranco de Tejera. Auch dieser wird auf dem Rückweg zu einer kleinen Herausforderung. Der Barranco de Ye ist der dritte der oberen Zweige der größeren Schlucht, die weiter unten Barranco de Ajabo heißt.





In der folgenden Rechtskurve der Straße steht ein Spiegel. Etwa 50m nach dem Spiegel muss man aufpassen. Dort beginnt ein alter Pfad, der rechts den Hang empor steigt. Man konnte ihn von oben schon gut sehen. Die Einstiegsstelle ist aber sehr schwer zu entdecken und erfordert eine kleine Kletterpartie von 2m über lockere Steine. Danach ist der Pfad aber deutlich zu erkennen. Er wird praktisch überhaupt nicht mehr begangen, aber man sieht, dass er einmal gepflastert war. Er führt in den eher sanften Barranco de Ye hinein, quert diesen und steigt dann durch ein Kiefernwäldchen weiter an.
Oben kommt man zu einem Zaun und einem stillgelegten Kanal und geht längs des Kanals weiter, an einem Wasserbecken vorbei, der Weg ist hier etwas unbequem. Danach kommt von links eine kleine Asphaltstraße, auf der man 10m nach unten geht und dann wieder rechts zum Kanal. Nun geht man am besten im Kanal weiter, muss allerdings ab und zu mit lästigem Gebüsch kämpfen. 100m weiter trifft man erleichtert auf eine Piste und geht nach rechts bergauf.

Wer diesen schwierigen Abschnitt vermeiden will, kann unten in der Schlucht auf der Straße weiter gehen und kommt nach 500m zur Hauptstraße nach Tijoco Alto. Auf dieser nach 100m rechts auf die erwähnte Piste. Die Wanderung verlängert sich dadurch um etwa 600m, ist aber bequemer. Siehe Karte, blau.
Die Piste steigt nun ganz geradlinig an, immer längs eines Kanals. Dieser Kanal heißt Bajada de Fyffes und geht zurück auf die englische Handelsfirma Fyffes. Das Wasser aus 1600m Höhe wurde in den Tomaten und Bananenplantagen in Adeje benötigt. Der Kanal ist heute noch in Betrieb.





Weiter oben dreht die Piste nach rechts und endet dort. Ein kleines Schild „Salida“ zeigt an, wo der Weg weiter geht. Es geht zurück zum Kanal und dann immer am Kanal entlang weiter bergauf.
Wo ein Wasserrohr den Weg quert, geht man 20m weiter oben nach links auf einem breiten Weg in den lichten Wald hinein. Es geht noch ein Stück aufwärts, bis man nach 400m bei einer Absperrkette auf eine breite, befahrbare Piste trifft. Dort nach links und ein klein wenig abwärts hat man bald schöne Ausblicke hinunter zur Küste und hinüber zur Montaña de Tejina.


Kurz bevor die Piste scharf nach links abdreht (***) entdeckt man rechts einen Wanderweg steil am Hang nach oben. Hier sind die ersten 2m wieder etwas schwierig, weil der Hang abgerutscht ist, und nach einem kurzen steilen Aufstieg im Zickzack kommt man auf einen breiteren und schön angelegten Weg und geht dort nach rechts.
Der Waldweg führt über eine Verebnung zu einem weißen Haus. Es ist eine rätselhafte Ruine, deren Name auf der Karte mit La Casilla eingetragen ist. Hier ist ein guter Platz für eine Rast. Auf der Terrasse stehen vielleicht noch ein paar Stühle bereit…






Es muss das Haus einer wohlhabenden Familie gewesen sein. Es hat mehrere Zimmer mit Holzfußböden, eine Küche und sogar ein großes Badezimmer mit einer richtigen Badewanne. Welch ein Luxus in dieser trockenen Gegend, wo das so Wasser kostbar ist!

Hinter dem Haus geht man weiter bis zu einer Piste und auf dieser nach links oben. Am gegenüber liegenden Hang steht noch ein weiteres verlassenes Haus. Besonders interessant sind in diesem Tal die zahlreichen Steinmauern. Sie wurden nicht nur errichtet um die Erosion einzudämmen, sondern auch um kleine Flächen für den Anbau zu schaffen, denn hinter der Mauer sammelt sich nach einem Regen etwas Wasser, und die Feuchtigkeit im Boden ermöglichte es, ein paar Bäume oder Gemüse zu pflanzen.
Die Piste macht einmal eine S-Kurve, und nach 400 m kann man nach rechts hinüber wechseln und an dem schon bekannten Kanal entlang weiter gehen. (etwas bequemer, aber auch geringfügig länger wäre der Weg weiter auf der Piste.) Nach weiteren 600 m kreuzt die Piste den Kanal. Nun geht man rechts des Kanals weiter. 200 m weiter oben kommt man zu mehreren Wasserverteilern. Dort steigt man über den Kanal nach links und findet eine nicht mehr so breite Piste, die einen Bogen nach links macht. Auf der nächsten Anhöhe hat man wieder einen schönen Blick hinunter zur Küste und hinüber nach La Gomera.






Nun beginnt ein schmaler und schöner Pfad, der nach rechts in ein Tal hinein verläuft. Es ist der obere Abschnitt des Barranco Las Moradas, den man später als beeindruckende Schlucht noch einmal durchqueren wird. Auf der anderen Seite erkennt man schon den wieder ansteigenden Weg.

Dort oben darf man eine kleine Abzweigung nach links nicht verpassen, etwa 20 m bevor der Weg nach rechts steil ansteigt. An der Abzweigung zwischen Steinen steht auch ein Steinmännchen. Danach geht es ziemlich undeutlich und durch Gebüsch am Hang entlang. Nach etwa 50 m geht man einfach nach links hinunter und trifft dort auch wieder auf einen deutlich erkennbaren Pfad. (Wer sicher gehen will, kann auch auf dem Hauptweg 50 m nach oben steigen und dann spitzwinklig wieder nach unten.) Dies ist dann auch der höchste Punkt der Wanderung.
Nun geht es stetig und mehr oder weniger immer geradeaus nach unten. Der Weg verläuft auf dem Höhenrücken zwischen zwei Schluchten. Rechts liegt der beeindruckende Barranco de Erques, der oben an einer gewaltigen senkrechten Felswand endet und zu einem nur wenige Meter breiten Kamin wird.




Zunächst aber kommt man weiter unten direkt an die Kante des Barranco Las Moradas, der hier schon ganz schön tief ist. Später gibt es dann mehrere Stellen mit atemberaubenden Ausblicken in den Barranco der Erques und zur Insel La Gomera in der Ferne.





Nach rund 2 km im anhaltenden Abstieg (300 Hm) kommt man zu einer kleinen Verebnung, wo ein weißes Kreuz anzeigt, dass es nicht mehr geradeaus weiter geht. Kurz davor liegt rechts des Wegs eine verfallene und schwer zu erkennende Dreschfläche.


Dort geht es nun scharf nach links in den Barranco Las Moradas hinunter. Es ist ein alter, ehemals gepflasterter Weg, der mit Steinmauern befestigt wurde. Er ist nicht mehr gut erhalten, denn hier wandert nur sehr selten jemand. Man sieht schon, wie er auf der anderen Talseite nach oben klettert, und da ist es noch einmal richtig steil.

Oben sieht man aber schon die Häuser von Tijoco Alto, und kann nach 150 m in einem Linksbogen zu Straße hinunter gehen. Man geht die Straße abwärts, die bald eine S-Kurve macht. 100 m weiter unten biegt man scharf nach links auf auf einen gepflasterten Zufahrtsweg. Es ist eine Privatstraße, die aber 70 m weiter oben wieder in einen Wanderweg übergeht. Er trifft bei einem Tor auf einen asphaltierten Weg, weiter oben kommt man zu einer Schranke. Es geht noch ein Stück bergauf, bis wieder eine Schotterpiste beginnt.





420 m nach der Schranke macht die Piste eine deutliche Rechtskurve. Dies ist die Stelle, die weiter oben im Text mit (***) markiert ist. Hier geht man jetzt aber geradeaus in das Tal hinein auf einem weiter ansteigenden Wanderpfad, der bald an einigen großen Felsklötzen vorbeiführt.



Knapp 300 m nach der Piste trifft man im Wald auf einen Querweg, der nun bequem nach rechts hinüber zu der schon bekannten Ruine führt. Hier stehen besonders beeindruckende Eukalyptusbäume.






Hinter dem Haus geht man wieder bis zur Piste, aber nun nach rechts. Dort überquert man wieder den schon bekannten Kanal und geht geradeaus weiter.




Der Weg mündet dann in eine ziemlich steinige Piste, auf der es bergab geht. Sie senkt sich in einer S-Kurve hinunter in ein anmutiges Tälchen, wo sogar Kastanien wachsen und wilde Pfirsichbäume. Die stark mit Flechten bewachsenen Äste deuten an, dass hier doch relativ oft die Nebelwolken hängen bleiben.





Auf der nächsten Anhöhe muss man auf eine Mauer achten, kurz bevor die Piste scharf nach links dreht. Unterhalb der Mauer verläuft ein Trampelpfad, der womöglich durch hohes Gras ziemlich zugewachsen ist. Wenn es nicht geht, kann man auch oberhalb der Mauer in dieselbe Richtung gehen. Danach wird es schwierig. Ein Weg ist zunächst nicht mehr erkennbar, aber wenn man sich links hält, entdeckt man ein paar kleine Steinmännchen, die den Abstieg in die Schlucht anzeigen.




Dieser Abstieg ist nun gleich wieder eine größere Herausforderung, denn der alte Pfad ist sehr steinig und steil. Vorsicht ist hier angesagt, und das stachlige Gebüsch macht es noch etwas schwieriger. Rund 50 Höhenmeter geht es nun hinunter in den Barranco de Tejera. Unten, direkt an einem steilen Sprung im Bachbett, quert man die Schlucht und steigt wieder 50 Höhenmeter hinauf. Oben ist es ratsam, links über verlassene Felder zu gehen, bis zu einem verrosteten Wassertank. Dahinter erreicht man eine befahrbare, betonierte Piste, die zu einem Bauernhof hinunter führt.

Dieses Anwesen ist noch bewirtschaftet. Ringsherum sind Kartoffel- und Gemüsefelder, und man wird von Ziegen, Schafen, Pferden und natürlich auch von kläffenden Hunden begrüßt. In einem weiten Bogen geht es um den Hof herum. Dort gibt es sogar noch einen alten Dreschplatz, denn hier oben war in früheren Zeiten auch der Getreideanbau möglich.
Die Piste geht dann hinunter in den Barranco de Bucio, den man ganz zu Anfang schon einmal überquert hatte. Nach einer scharfen Rechtskurve kommt man wieder auf die Anhöhe und zu einer Teerstraße. Dort sieht man einen weiteren, sehr gut erhaltenen Dreschplatz. Nun sind es noch etwa 800m, ganz geradeaus auf der Straße, bis zum Startpunkt der Wanderung.
Entfernung: 12,2 km
Gehzeit: 6 Std.
Höchster Punkt: 1320 m, tiefster Punkt 895 m, mehrere Zwischenanstiege
Kumulierter Anstieg: 851m
Einstufung: F5***WWRSG (Erklärung siehe hier)
Karte gesamt


Kleine Tour, unterer Teil.
Man beginnt wie oben beschrieben bei der großen Tour und geht bis zur Ruine. Danach an der Piste nach rechts und zurück wie beschrieben.
Entfernung: 6,5 km
Gehzeit: 3 Std.
Höchster Punkt: 1140 m, tiefster Punkt 895 m, mehrere Zwischenanstiege
Einstufung: D3***WWRSG (Erklärung siehe hier)
Karte unterer Teil (orange)

Kleine Tour, oberer Teil.
In diesem Fall parkt man in Tijoco Alto in der S-Kurve. 100 m weiter unten beginnt wie beschrieben der Aufstieg zur Ruine. Danach an der Piste nach links, am Kanal entlang hinauf und weiter wie beschrieben.
Entfernung: 6 km
Gehzeit: 3 Std.
Höchster Punkt: 1320 m, tiefster Punkt 975 m, mehrere Zwischenanstiege
Einstufung: D3***WWRSG (Erklärung siehe hier)
Karte oberer Teil (grün)

Bemerkung: Dies sind keine einfachen Touren. Obwohl einige Strecken auf staubigen Pisten verlaufen, sind Wandererfahrung und Trittsicherheit unbedingt nötig. Die Wege durch die Schluchten sind nicht beschildert und nicht instand gehalten. Man kann nicht damit rechnen, unterwegs anderen Menschen zu begegnen. Kritisch sind die Durchquerungen des Barranco de Tejera und des Barranco Las Moradas. Wer sich das nicht zutraut, darf diese Tour(en) nicht machen!
Gehe zu Google Map:
Einen einfacheren Weg in eine wilde Schlucht findest du hier: Wildnis bequem.
Diese Route als pdf und kmz-Datei für Google Earth: Lies nach auf der Seite SERVICE und schreib eine Mail.
Artikel-Nr. 01-00998244
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Hallo Gerardo,
ich bin vor 2 Tagen durch Los Menores gefahren, und da stand ein Hinweisschild: Barranco de Ye gesperrt. Keine Ahnung warum…
Saludos
Walter
+34 624 035 312
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