Der Katzenschwanz

Schön, aber gefährlich

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Nein, hier geht es nicht um die subtile Art der Kommunikation unseres Stubentigers. So schön es auch anzusehen ist, das Katzenschwanzgras ist ein böser Eindringling in die Natur Teneriffas, der nicht mehr auszurotten ist.

1611076_1Aktualisierungen siehe unten

Pennisetum setaceum, so lautet der wissenschaftliche Name dieses Grases, das überall auf der Insel an Straßenrändern oder in trockenen Barrancos zu sehen ist. Der deutsche Name ist Afrikanisches Lampenputzergras oder Springbrunnengras, in Ziergärten werden meist die Sorten Rubrum oder Fireworks verwendet, die mit ihren roten Ähren und rotbraunen Blättern gerne als Farbgeber in Staudenrabatten gepflanzt werden. In Teneriffa kennt man es unter „Rabo de gato“, Katzenschwanz, und man sieht hier nur Sorten mit weißlich-gelben Ähren.

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Der Biologe Arnoldo Santos, der auf Gräser spezialisiert ist, zeigt sich äußerst besorgt über das unkontrollierte Vorrücken dieser Pflanze, die aus Ostafrika stammt und in den 70er Jahren als Zierpflanze eingeführt wurde. Er stellt fest, dass es schon viele Gebiete gibt die „nicht mehr zu retten“ seien. Santos sagt, diese aggressive und widerstandsfähige Pflanze würde alle anderen Arten verdrängen, sie sei „gefährlicher als die Waldbrände“ und könne 100% der Flächen bedecken, von Meeresniveau bis auf 1000m Höhe. Auch kann der Katzenschwanz das ganze Jahr blühen.

Ausgehend von isolierten Kolonien verbreitet sich das Gras mit Millionen von leichten Samen, die mit dem Wind über große Entfernungen transportiert werden können. Die einheimischen, teils endemischen Pflanzen werden komplett verdrängt, und in der Folge verlieren auch Insekten und Vögel ihren Lebensraum. Dem Gras gefallen besonders trockene Böschungen und Schotterflächen, die es immer dort gibt, wo das Gelände vom Menschen umgegraben wurde, also z.B. an Straßenrändern oder in neu angelegten, aber dann wieder verlassenen Siedlungsgebieten.

Nicht nur Teneriffa ist gefährdet. In La Palma ist di1611076_2e Pflanze bereits in der Caldera de Taburiente angekommen, im Süden Gran Canarias ist sie allgegenwärtig. Auf La Gomera hat man die Lage angeblich unter Kontrolle. Auf Fuerteventura gibt es eine spezielle Telefon-Hotline für Bürger, die das Gras entdecken. Nur in EL Hierro weht noch kein Katzenschwanz im Wind.

Verschiedene Gemeinden haben nun damit begonnen Säuberungsaktionen anzuordnen. Aber es ist ein aussichtsloser Kampf gegen einen raffinierten Feind, der sich nicht nur durch Samen, sondern auch durch Wurzelausleger hartnäckig in jeder Spalte festsetzen kann. Es ist praktisch unmöglich, das Gras an den vielen felsigen, steilen und unzugänglichen Abhängen komplett zu entfernen. Mit einfachen Geräten ist es nicht möglich, die Wurzeln aus Spalten oder zwischen den Felsen herauszubekommen.

Fotos: Diario de Avisos, El Día

Der Naturschutzverband Teneriffas ATAN (Asociación Tinerfeña de Amigos de la Naturaleza) hat es geschafft, in der Nähe von Punta de Hidalgo, im Barranco del Rio, eine Fläche von einem Hektar von der Plage zu befreien. Das ist aber nur ein winziger Erfolg im Vergleich zu den verbleibenden Gebieten und dem aggressiven Ausbreiten der Pflanze.

1612433_1Der Sprecher von ATAN beklagt außerdem, dass die von den Gemeinden beauftragten Firmen und Personen keine ausreichenden Vorkenntnisse haben und nicht entsprechend geschult werden. Oft wird das Gras einfach mit der Motorsense angeschnitten. Die Wurzeln bleiben dabei im Boden und die Samen fliegen durch die Luft. Man müsste zuerst sauber die Gräser abschneiden und die Ähren in einem Behälter sammeln, dann die Wurzeln mit einer Hacke aus den Spalten holen, und anschließend alle herumliegenden Samen sorgfältig entfernen. Alles muss anschließend verbrannt werden.

Völlig unverständlich ist der nächlässige Umgang mit den Pflanzenresten, die dann einfach auf einem Haufen liegen gelassen werden. So wurde es in Candelaria beobachtet, wo bei starkem Wind die Ähren wieder davon flogen. „Die fahren mit einem offenen Lastwagen ohne Abdeckung durch Candelaria, und verbreiten das Gras mehr, als sie es zerstören“, so stellt es ein Stadtrat fest.

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Nicht verwechseln: Eine andere Pflanze mit dem Namen „Rabo de gato“ ist Sideritis tragoriganum, die zu den Lippenblütlern gehört und als Heilpflanze verwendet wird.

Aktualisierung 28.06.18

Die Stadt Santa Cruz verstärkt ihre Anstrengungen zur Beseitigung des Katzenschwanzgrases im Bezirk Anaga, denn gerade in diesem als Biosphärenreservat ausgezeichneten Gebiet kommen die wichtigsten endemischen Pflanzen der Insel vor.

Während im Jahr 2016 etwas mehr als 4 Tonnen Gras eingesammelt wurden, auf 12km Länge und von 36 Arbeitern, sind es in der ersten Hälfte des Jahres 2018 bereits 16 Tonnen und 15km. Jetzt arbeiten schon 120 Personen an der Beseitigung dieses Eindringlings.

Der Gemeinderat für Umweltschutz Carlos Correa sprach sich dafür aus, die seitherigen Bemühungeng in Santa Cruz fortzusetzen, „aber es ist klar, dass wir diese Art nicht allein ausrotten können und dass es dringend notwendig ist, dass der Cabildo in Zusammenarbeit mit den Gemeinden ein umfassendes Aktionsprogramm auf Inselebene ausarbeitet. Andernfalls wird die Effektivität beeinträchtigt, weil einige Gemeinden daran arbeiten und andere nicht.“

Die Arbeit ist schwierig und muss von Hand ausgeführt werden. Mit Maschinen wird genau das Gegenteil erreicht, nämlich die weitere Verbreitung der leichten Samen. Die Ähren müssen vorsichtig von den Halmen gepflückt und gut verpackt werden, bevor man sie in die Müllzentrale nach Arico transportiert, wo sie verbrannt werden.

Aktualisierung März 2019

accionexoticas_diariodetenerife (Foto: Diario de Tenerife)

Allein im Februar 2019 hat die Inselregierung 68 Tonnen von unerwünschten Pflanzenarten rund um die Insel beseitigen lassen. Nicht nur im Anaga, sondern in vielen Gemeinden rund um die Insel durchkämmten speziell dafür ausgebildete Arbeiter die Barrancos und entsorgten die Pflanzenreste fachgemäß.

Von echten Katzen erzählt dieser Artikel.


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