Tatort La Matanza

Ein ungelöster Fall.

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Für diese Geschichte müssen wir uns mehr als 70 Jahre in die Vergangenheit zurück versetzen, als die Straßen noch nicht asphaltiert und nur wenige Autos unterwegs waren. Die Menschen arbeiteten in der Landwirtschaft, und Fremde kamen selten vorbei an dem Haus, das die Nachbarn heute als „das Haus der Angst“ bezeichnen.

1907088_1Eigentlich hieß es ja früher „das Schiffshaus“, weil es aussieht wie ein Schiff, mit einem schmalen Bug, einem kleinen Türmchen und einer dreieckigen Form. Der Bauherr hatte es genau in eine Weggabelung eingepasst. Manche nennen es auch „das Bügeleisen von Teneriffa“. Die Hauptstraße führte genau unter dem Haus vorbei und auf der Rückseite begann ein schmaler und steiler Feldweg, der heute natürlich auch asphaltiert ist.

Der Krimi, der in diesem Haus spielt, ist tatsächlich passiert, aber aufgeklärt wurde er nie.

In dem Haus lebten damals die Schwestern Juana und Petra Fernandez. Sie hatten zusammen mit ihrem Bruder Antonio das Haus von ihren Eltern geerbt, dieser wohnte aber nicht dort. Juana verwaltete das Familienerbe mit strenger Hand. Wie man weiß, gab es immer wieder heftige Meinungsverschiedenheiten unter den Geschwistern, die mit dem Stil von Juana wohl nicht ganz einverstanden waren. Außerdem lebte noch ein Dienstmädchen namens Mercedes mit im Haus.

An einem Abend wie jeder andere saßen die beiden Schwestern im Speisesaal beim Abendessen. Aber an diesem Tag hatte es Petra etwas eilig, denn sie wollte noch in die Kirche zur Abendandacht gehen. Deshalb aß sie schnell ihren Teller leer, und Juana blieb alleine beim Essen zurück. Petra bat das Dienstmädchen Mercedes, sie in die Kirche zu begleiten, das muss so etwa um Viertel vor 8 gewesen sein.

casadelmiedoAls sie das Haus verließen, war die Tür zur Straße verschlossen, die eiserne Gittertür zum Obstgarten war offen. Ob die Tür zum Innenhof offen oder geschlossen war, ist unklar. Um 20 nach 9 kamen Petra und Mercedes von der Andacht zurück und wunderten sich, dass die Tür zum Garten immer noch offen war. Sie gingen ins Haus und riefen nach Juana. Als sie keine Antwort bekamen, dachten sie, dass Juana vielleicht noch im Garten war und deshalb die Tür offen stand.

Erst als sie ins Wohnzimmer gingen, sahen sie mit großem Schrecken, dass Juana tot am Boden lag. Ihr Körper war noch warm und ihr Gesicht frisch, und so schlossen die beiden, dass der Unfall nicht länger als eine Stunde her sein konnte. Viel mehr Zeit war ja auch nicht vergangen. Aus dem Mund von Juana lief Blut, und der herbeigerufene Arzt gab als Todesursache eine Embolie an.

Der Gemeindepfarrer Jesús Amaro Díaz gab Juana die letzte Ölung, aber als sie gemeinsam ihre Kleider wechseln wollten, stellten sie fest, dass an ihrem Körper noch mehr Blutspuren waren und entdeckten eine Stichwunde. Juana wurde ganz offensichtlich erstochen, weshalb sich natürlich auch die Kriminalpolizei einschaltete.

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Ein Verdächtigter war schnell gefunden, ein gewisser zwielichtiger Valentín, der gegenüber wohnte, und den sie den „O-beinigen“ nannten. Er war nicht zuhause, und bald stellte sich heraus, dass er es nicht gewesen sein konnte, weil er nämlich in Sevilla im Gefängnis saß.

Darum verdächtigte man den Tagelöhner Andrés, der in letzter Zeit immer wieder Streit mit Juana hatte. Es ging wohl um ein Problem bei der Weinlese und um seine Bezahlung. Mehrere Personen konnten dies bezeugen. Und so wurden Petra und Antonio Fernandez del Castillo, ebenso wie das Dienstmädchen Mercedes und der Tagelöhner Andrés angeklagt, Juana ermordet zu haben und kamen am 11. Oktober 1945 ins Untersuchungsgefängnis.

Es kam der Tag der Gerichtsverhandlung. Der Verteidiger verlangte, das Messer zu sehen, mit dem sie erstochen wurde, aber dieses wurde nie gefunden. Er stellte klar, dass die einfache Tatsache, Zeugen für einen Streit zu haben, noch kein Grund für eine Verurteilung sei. Der Pfarrer meinte in der Verhandlung: „Wie Sie wissen, kann ich wegen des Beichtgeheimnisses keine weiteren Aussagen über Gespräche mit der Ermordeten machen, mein Beitrag in diesem Fall ist also ziemlich dürftig. Ich kenne diese Familie mein ganzes Leben lang, und ich glaube nicht, dass die Meinungsverschiedenheiten der Geschwister ein so schwerwiegendes Motiv darstellen, der Schwester das Leben zu nehmen.“

Die Anklage wurde schließlich mangels Beweisen zurückgenommen, und Petra, Antonio, Mercedes und Andrés kamen wieder frei. Doch damit ist die Geschichte noch nicht zu Ende. Denn wie oft in solchen Fällen machten verschiedene Gerüchte die Runde. Das Dienstmädchen Mercedes wurde des öfteren zusammen mit Antonio gesehen, und gesichert ist, dass einige Jahre später Mercedes das Familienvermögen verwaltete und Besitzerin des Hauses war. Die Schwester Petra dagegen arbeitete als Magd im Haus. Manche Leute behaupteten, dass eigentlich die ermordete Juana das Dienstmädchen gewesen sei und Mercedes schon immer die rechtmäßige Besitzerin.

1383195129_138319_1383195129_006_sumario_normalUnd bis zum heutigen Tag berichten Nachbarn von seltsamen Vorgängen im Haus und behaupten, dass es dort spukt. Auch wenn niemand im Haus sei, gebe es seltsame Geräusche im Haus und die Stimme einer Frau, die mit jemandem streitet. Der Schatten einer Frau wurde hinter dem Fenster gesehen. Es sollen sich Gegenstände im Haus bewegt haben. Aber keiner traut sich, etwas genaues zu sagen. Auf jeden Fall kennen alle das geheimnisvolle, bizarre Gebäude als „das Haus der Angst“. Die Ängstlichen bekreuzigen sich sogar im Vorbeilaufen.

Was sich im Jahr 1945 dort wirklich abgespielt hatte, bleibt ein ungeklärter Fall.

Die Casa del Miedo steht in La Matanza direkt an der Hauptstraße TF-217. Gehe zu Google Street View:

Die Geschichte über den ersten Mordfall auf der Insel findest du hier: Tod eines Engländers.

Lust auf noch mehr Spuk? Dann lies die Geschichte über das Gespenst von La Laguna.

Oder schau nach auf der Seite Geheimnisvolles.


Artikel-Nr. 18-3-148

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