Entlang der Küste

Von Puerto Santiago nach Playa de San Juan.

Die Westküste der Insel ist durch die touristische Nutzung ziemlich verbaut. Für Wanderungen in der Natur ist es nicht die ideale Gegend. Doch die Küste selbst hat ein besonderes Flair, schwarz, wild, felsig und oft ziemlich windig. Auf schönen Promenaden kann man hier spazieren, aber es gibt auch noch ein paar steinige Wege.

Man kann diese Wanderung direkt in Puerto Santiago beginnen. Jedoch geht man dann ca. 3km – je nach Beginn – nur durch den Ort. Dort gibt es zwar auch schöne Ecken, und auch den Strand La Arena, aber es ist zum Laufen nicht so schön. Deshalb ist die Wanderung hier erst ab dem Teilort Varadero beschrieben. Ein Tipp zu Anfang: Badesachen einpacken!

Von der Hauptstraße, wo auch eine Bushaltestelle ist, geht man beim Restaurante Martini ab und in die Calle Pájaro Canario hinein. Dort trifft man auf einen Promenadenweg und nach 250m wieder auf eine Wohnstraße, die man rechts hinunter geht. Am unteren Ende links kommt man gleich aus dem Ort heraus und erreicht den Küstenweg. Dort steht ein alter schwarzer Kalkofen, in dem früher einmal Kalk gebrannt wurde. Am Ende der Wanderung, in Playa de San Juan, steht noch ein weiterer Ofen. Was es damit auf sich hat, kannst du im Artikel Steine verbrennen nachlesen.

Der nun folgende Promenadenweg ist schön angelegt, aber auf den nächsten 1,5km nicht besonders abwechslungsreich. Mit kleinen Aussichtspunkten und „künstlerischen Einlagen“ hat man versucht, ihn hübscher zu machen. Dieses Stück ist auch für Kinderwagen und Rollstühle geeignet.

An seinem Ende beginnt nun ein etwas steiniger Weg entlang der Mauern von Bananenplantagen, bis man um eine Häusergruppe herum zu den Stränden von La Jaquita kommt. Dort sind drei kleine Meeresbuchten mit schwarzen Sandstränden, die noch zu den Geheimtipps der Insel gehören, weil sie nur zu Fuß erreichbar sind. Die Buchten sind durch Felsgruppen unterbrochen.

Wer das Glück hat, bei Ebbe vorbeizukommen, sollte unbedingt hinunter gehen zu den Felsen. Dort haben sich Unterwasserhöhlen gebildet, die bei Niedrigwasser frei liegen. Man kann dort hinein klettern und die absolut bizarren Felsformen bewundern, die die Brandung geschaffen hat. Achtung: Nicht bei hohem Wellengang!

Gleich nach den Stränden kommt man zum nächsten Highlight des Wegs, den faszinierenden Meeresschwimmbecken von Alcalá. Zwischen den Lavafelsen liegen abgetrennte Becken mit kristallklarem Wasser, wo man bei ruhigem Wasser wunderbar schwimmen kann. Spätestens hier wird es Zeit, die Badesachen aus dem Rucksack zu holen.

In diesem Küstenbereich gab es früher sogar Salinen. Die Salzgewinnung trug wesentlich zum sozialen und wirtschaftlichen Aufstieg des Fischerortes Alcalá bei. In der 1938 gegründeten Fischkonservenfabrik fanden 90 Personen Arbeit, die wichtigste Einnahmequelle vieler Familien. Sie wurde 1958 geschlossen, danach wurde der Anbau und Export von Tomaten zur vorherrschenden wirtschaftlichen Aktivität der Gegend.

Vorbei am gigantischen Hotel Gran Meliá Palacio de Isora mit 579 Zimmern kommt man dann schnell zur alten Mole von Alcalá und kurz danach in das malerische Zentrum des Städtchens. Hinter dem Hafen und der Badeterrasse liegt der zentrale Platz, wo es auch einige Bars für eine Kaffeepause gibt.

Man geht die Calle Blasco Ibáñez hinauf, hält sich ober rechts und geht oberhalb des kleinen Steinstrandes vorbei und wieder rechts. Man folgt der Straße oberhalb der Felsküste und kommt bald wieder hinaus in die Wildnis. Es geht etwa 400m auf einem breiten Schotterweg weiter und danach immer entlang der Mauern von Bananenplantagen. Dieser Abschnitt ist steinig und staubig und möglichst nicht mit Badesandalen zu gehen. Es gibt herrliche Aussichtspunkte über die besonders wilde Felsküste. Danach kommt man bei der Entsalzungsanlage von Fonsalía wieder auf eine festen Weg.

In dieser Anlage wird das Meerwasser entsalzt und steht danach als Trink- und Nutzwasser zur Verfügung. Gerade in der Küstenzone von Guía de Isora besteht ein starker Bedarf für 30 000 Einwohner und in den zahlreichen Hotelanlagen, gleichzeitig gibt es eine hohe Nachfrage nach gutem Bewässerungswasser in der Intensivlandwirtschaft. Von den Tanks der Anlage wird das Wasser in einer 4km langen Leitung zu einem Speicherbecken in 167m Meereshöhe gepumpt, von wo aus es durch den natürlichen Druck über Leitungen verteil wird. Von Playa de San Juan bis Puerto Santiago bekommen alle Orte ihr Trinkwasser aus dieser Anlage. Bis zu 42 000 m³ Trinkwasser können hier pro Tag produziert werden.

In diesem Video siehst du Bilder aus dem Inneren der Anlage und bekommst mehr technische Informationen (auf spanisch):

Hier in Fonsalía schlägt ein anderes Projekt hohe Wellen. Es gibt hier an der Westküste einen dringenden Bedarf für einen neuen Hafen, denn der bestehende Hafen von Los Cristianos ist hoffnungslos überlastet. Während zahlreiche Politiker und Wirtschaftsvertreter den Bau eines neuen Hafens befürworten, stellen sich Umwelt- und Naturschützer vehement dagegen. Denn vor der Küste liegt ein einzigartiges und geschütztes Meeresgebiet mit einer unvergleichlich vielfältigen Unterwasserwelt. In dieser Zona de Especial Conservación (ZEC) leben nicht nur 22 Arten von Walen und Delphinen, sondern auch z.B. die vom Aussterben bedrohte grüne Meeresschildkröte, mehr als 350 verschiedene Arten von Küstenfischen, und es gibt Unterwasserwiesen mit einer artenreichen Lebenswelt.

Danach befindet man sich bereits auf der Uferpromenade von Playa de San Juan. Oberhalb einer kleinen Badebucht steht ein interessantes Kunstwerk. „Es gibt keine Schranken“, denn ein Mensch kann auch durch eine Mauer gehen, meint zumindest der Künstler Juan Hernández, der 2011 dieses Werk geschaffen hat.

Im Hafen von San Juan sollte man kurz auf die Mole hinauf gehen, von wo man einen schönen Überblick über die Bucht und den Strand hat. Wer mag, kann noch am Strand entlang bis zum Kalkofen gehen, es ist der größte der Insel. Oder noch einmal einen Badepause am Strand einlegen. An den Wochenenden ist der Ort ein beliebtes Ausflugsziel und entsprechend voll. Es gibt auch viele Restaurants, nicht nur an der Promenade selbst.

Entfernung: 7,2km, überwiegend asphaltierte oder gepflasterte Promenaden, dazwischen aber auch wilde und felsige Abschnitte.
Keine wesentlichen Höhenunterschiede
Zeitbedarf 2,5 Std., ohne Badepausen

Karte:

Die Rückfahrt lässt sich leicht mit dem Bus machen. Zwischen Playa de San Juan und Puerto Santiago verkehren vier Buslinien (473, 477, 493, 494).

Gehe zu Google Map:

Informationen zu den Kalköfen gibt es hier: Steine verbrennen.

Etwas weiter südlich an der Küste bei Adeje kann man auch eine schöne Wanderung machen: Auf Fels und Pflasterstein.


Artikel-Nr. 14-3-235

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