Monte del Agua 2

Geheimnisse im Wald.

Auf dieser Rundwanderung erlebt man den Kontrast zwischen den trockenen Berghängen im Windschatten und den Feuchtwäldern, über die die Wolkenschwaden ziehen. Nicht umsonst heißt die Gegend oberhalb von El Palmar Monte del Agua, denn dort ist es feucht und grün. Als besonderes Highlight entdeckt man die sagenhafte Ruine einer alten Förderanlage für Wasser.

Das Hochtal von El Palmar war in der Vergangenheit ein abgeschiedener Ort, der nur über einen steilen Pfad von Buenavista del Norte zu erreichen war. Aber es war und ist noch heute ein intensiv landwirtschaftlich genutzter Raum. Viele Traditionen haben sich hier erhalten.

Ein klein wenig davon erfährt man an der Plaza de las Libreas in El Palmar. Dort stehen seit 2009 einige Bronzefiguren zu Ehren der Tradition, die von den Einwohnern aufrecht erhalten wird. Die Libreas gibt es in vielen Orten Teneriffas. Das Wort bedeutet eigentlich „Livree“, aber auch „Fell“, denn die Personen verstecken ihr Gesicht unter einem Schleier oder einer Maske, um nicht erkannt zu werden.

Hier ein Video dazu:

Lies dazu den Artikel Ein feuriges Fest. Es wird jedes Jahr im September gefeiert.

An der Plaza sind verschiedene offizielle Wanderungen ausgeschildert. Diese hier beschriebene Rundwanderung verläuft zum Teil auf dem Weg PR TF-52.1. Er geht zunächst durch das Dorfzentrum und vorbei an der Kirche La Consolación, auf deren Vorplatz auch das Fest gefeiert wird. Der Camino las Huertas führt aus dem Dorf heraus, und nach etwa 500m zweigen die Wege TF-52.1 und TF-55 nach links ab. Der Wegweiser ist etwas versteckt hinter eine Palme.

Es geht zunächst auf einer Betonpiste aufwärts, die aber bald endet und in einen Schotterweg übergeht. Einige Kurven weiter oben zweigen die offiziellen Wege nach links ab, dort wird man später wieder zurück kommen. Aber zum Aufstieg geht man geradeaus weiter, wo das gelb-weiße Kreuz anzeigt, dass es kein offizieller Weg ist. An vielen Stellen hat man einen schönen Blick in das Tal von El Palmar.

Im September kann man sich hier mit leckeren wilden Brombeeren satt essen, und im Frühjahr besticht der herrliche Bicácaro, die kanarische Glockenblume, besonders weiter oben im dichter werdenden Wald. Lies hier mehr über das Blümchen: Canarina Canariensis. Auch den kanarischen Fingerhut (Isoplexis canariensis) findet man hier. Er ist endemisch auf Teneriffa, La Gomera und La Palma und hat wunderschöne Blütenstände, man nennt ihn hier Cresta de Gallo, Hahnenkamm.

Im Wald wird es nun auch etwas schattiger. Den höchsten Punkt erreicht man auf 770m Höhe, wo man wieder auf den Weg TF-52.1 trifft. Dort geht man nach links ein paar Stufen hinunter. 20m weiter zweigt in der Senke nach rechts der Pfad zur Galería El Caudal ab. Die Einstiegsstelle ist hinter einem Busch und schwer erkennbar, aber gleich danach ist der Weg eindeutig. Er ist schmal und teilweise auch gemauert, aber es geht mitunter steil bergab. Achtung! Es gibt einige Stellen mit Rutsch- und Sturzgefahr, besonders bei feuchtem Boden. Wer sich nicht traut, sollte besser umkehren und sich die Bilder hier auf der Seite anschauen. Außerdem geht es rund 80 Höhenmeter hinunter, die man auch wieder herauf steigen muss.

Tief hinten im dicht bewaldeten Tal und schon im Gemeindegebiet von Los Silos liegt die Galería El Caudal, wo das Wasser aus dem Monte del Agua in einem Kanal gesammelt wird. Es ist ein gespenstischer, geheimnisvoller, verlassener Ort, von der Vegetation überwuchert, feucht und oft auch neblig. In dem halb zerfallenen Gebäude entdeckt man verrostete Maschinen. Sie sind hundert Jahre alt. Im Blechschuppen dahinter liegen noch mehr Geräte und Reste von Motoren. Erstaunt liest man, dass die Geräte aus Großbritannien stammen und sogar aus New York, und man fragt sich, wie dies alles mit den damaligen Möglichkeiten hierher geschafft wurde. Zwischen vermoderten, umgestürzten Bäumen liegen Bauteile aus Zement, die hier gegossen wurden. Die Gießformen aus Metall kann man in dem alten Schuppen noch sehen.

Dahinter ist der verschlossene Stolleneingang. Der Wassertunnel ist 2,4 km lang. Ein paar Meter weiter unten kommt der Kanal aus dem Berg. Dort hört man es tatsächlich plätschern. Obwohl hier alles verrottet und kaputt ist, der Monte de Agua liefert weiterhin das begehrte Wasser. Hier sollte man unbedingt eine Pause einlegen und die gespenstische Stimmung auf sich wirken lassen.

Auf demselben Weg geht es dann wieder hinauf zum Bergkamm und weiter auf dem TF-52.1 nach rechts. Er verläuft nun immer auf dem Höhenrücken entlang, mit herrlichen Aussichten in beide Richtungen. Man sieht hinunter bis zur Küste bei Caleta de Interián. Vorbei an beeindruckenden Felsformationen geht der Weg langsam abwärts, später dann nach links, wo es steil über Holztreppen nach unten geht.

Die nächste Abzweigung ist klar ausgeschildert. Geradeaus geht der Talavera-Weg TF-55 nach Los Silos. Links nach El Palmar sind es noch 2 km, und jetzt geht es noch ein weiteres Stück steil nach unten. Doch bald wird der Weg breiter und bequemer. Jetzt sieht man auch hinunter nach Buenavista und El Palmar. Das letzte Stück verläuft dann wieder auf dem Hinweg hinunter zu den Häusern von Las Huertas.

Entfernung: 6 km, inklusive Abstecher zur Galería 2 x 1 km.
Zeitbedarf: 2,5 Std.
Tiefster Punkt: 505m, höchster Punkt: 770m, zusätzlich 80m Ab- und Aufstieg zur Galería.
Kumulierter Anstieg 458m
Einstufung: C3**WRB (Erklärung siehe hier)

Wer sich 2 x 500m sparen will, kann mit dem Auto noch ein Stück auf dem Camino de las Huertas fahren und dort am Straßenrand parken. Nach El Palmar fährt die Buslinie 355 von Buenavista aus. Fahrplan beachten!

Karte:

Der Aufstieg ist am Anfang sehr sonnig. Wenn über den Grat die Wolken fegen, kann es unangenehm windig und kühl werden.

Gehe zu Google Map:


Diese Route als pdf und kmz-Datei für Google Earth: Lies nach auf der Seite SERVICE
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Von Erjos aus kannst du ebenfalls in diesen feuchten Wald wandern: Monte del Agua.

Schau auch auf der Seite Wasser nach. Dort findest du mehr Wege zu versteckten Galerías.



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2 Gedanken zu “Monte del Agua 2

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