Canarina Canariensis

Versteckte Schönheit im Nebelwald

Man muss schon ein bisschen mehr in den Wald vordringen, wenn man die kanarische Glockenblume entdecken will. Da wo es besonders dicht und feucht und grün ist, fühlt sie sich am wohlsten. Sie ist eine der schönsten und zierlichsten Blumen der Kanaren.

Sie gehört zur Familie der Glockenblumengewächse und heißt hier Bicácaro. Sie wurde als erste in den Katalog der endemischen Pflanzen aufgenommen. Nur auf den zentralen und westlichen Inseln kommt sie vor, auf Lanzarote und Fuerteventura findet man sie nicht, denn dort gibt es keinen Feuchtwald. Oft wird sie als „Nationalblume der Kanaren“ bezeichnet.

Im Winter fängt sie an zu blühen, nachdem sie sich mit langen Trieben durchs Gebüsch geschlängelt hat, wo sie bis zu drei Metern hoch klettern kann. Von Dezember bis Mai sind die Blüten präsent. Manchmal findet man Hecken oder steile Hänge, die ganz überwuchert sind von der wuchskräftigen Kletterpflanze, die man früher auch als Viehfutter verwendete. Heute ist sie geschützt und darf weder gepflückt noch ausgerissen werden, zur kommerziellen Vermarktung ist eine Genehmigung erforderlich.

Die kanarischen Ureinwohner haben nicht nur die schmackhaften Beeren gegessen, die zuerst gelb und in reifem Zustand fast schwarz sind, sondern auch die kräftigen, rübenförmigen Wurzeln. Während des Sommers vertrocknen die Blätter, die Pflanze zieht sich ganz in ihre Wurzeln zurück und treibt erst wieder aus, wenn genug Feuchtigkeit vorhanden ist.

Im Feuchtwald zwischen 500 und 1000 m Höhe erkennt man sie leicht an den gezahnten, dreieckigen Blättern, die immer paarweise gegenüber stehen und auf der Unterseite grau und leicht behaart sind. Aber natürlich bewundert man die herrlichen, 3-6 cm langen Blütenglöckchen, die zuerst gelb sind und dann orange bis lila werden. Ihre sechs Kelchblätter sitzen wie eine kleine Krone darüber. Die Blüten produzieren sehr viel Nektar und locken deshalb kleine Vögel an, die sie auch bestäuben. Hauptsächlich tut dies der kleine Mosquitero, der ebenfalls endemisch auf den Kanaren vorkommt. Er ist ein Verwandter des Zilpzalps und heißt auf deutsch auch Weidenlaubsänger.

Wer die Glockenblume finden will, muss sich im Norden Teneriffas auf den Weg in den Nebelwald machen. Besonders in den schattigen Schluchten im Anaga-Gebirge, auf der Nordseite des Teno oder unterhalb der Kiefernwälder von El Sauzal bis Icod versteckt sie sich im Gebüsch. Es ist oft nicht leicht, sie zu fotografieren, weil sie hoch oben hängt oder schlecht zugänglich ist.

Man kann die Samen der Glockenblume hier kaufen. Es ist auch leicht, sie zum Keimen zu bringen, sie sind Lichtkeimer. Aber in Deutschland wird sie den Winter im Freien nicht überstehen, denn die Temperatur sollte nicht unter 10ºC sinken. Und man muss bedenken, dass sie eine Kletterpflanze ist, die viel Platz, viel Schatten und während der Wuchsphase viel Feuchtigkeit braucht. Für das Wohnzimmer ist sie nicht geeignet. Am besten, man bewundert sie in der freien Natur auf Teneriffa.

Eigentlich ein Fremdling, aber trotzdem als „Botschafter Teneriffas“ viel bekannter ist die Strelitzie: Die Paradiesvogelblume.


Artikel-Nr. 0-47-193

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4 Gedanken zu “Canarina Canariensis

  1. Pingback: Die Paradiesvogelblume | Mein Teneriffa - Mi Tenerife

  2. Danke für den Artikel über die Glockenblume, ich liebe diese Blume sehr!
    Ich kenne eine Stelle, wo sie reín gelb blüht… das ist doch eher selten, oder?

    Gefällt mir

  3. Pingback: Immer dem Wasser nach | Mein Teneriffa - Mi Tenerife

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