Eine Schlucht für Wagemutige.
Sie ist eigentlich ganz harmlos, nicht besonders tief und nicht sehr lang. Die rotbraune Schlucht bei Arico ist von weitem etwas unspektakulär. Aber wer sich hinein wagt, entdeckt phantastische Felsformationen in allen Farben und einen grünen Dschungel. Allerdings sind mehrere Hindernisse zu überwinden, es gibt Kletterstellen, wo es nur noch am Seil weiter geht. Nichts für Angsthasen!

Die ganz wagemutigen Kletterer können sich auch an senkrechten Felswänden erfreuen, vorausgesetzt sie bringen die nötige Ausrüstung und Erfahrung mit. Der Barranco de Piedra Bermeja ist ein beliebtes Ziel für Felsenkletterer. Aber auch Wanderer mit Kondition und Mut können versuchen, bis zum Ende der Schlucht vorzudringen.
Die Schlucht liegt in einer wenig besuchten Gegend. Auf der schmalen Landstraße kommt man von der Autobahn herauf durch eine wenig einladende Landschaft. Steinbrüche, Müllhalden, Gewächshäuser, Photovoltaik-Anlagen und Windräder beherrschen die flachen Anhöhen. Dazwischen ziehen sich lange Täler hinunter bis zur Küste, die sich in Abschnitten auch immer wieder zu tief eingeschnittenen Schluchten verwandeln.
Bei der Fahrt nach oben sieht man auf der linken Seite riesige Steinbrüche. Dort baut die Firma „Cantos Blancos del Sur S.L.“ das fast weiße Baumaterial ab, das als Tosca Blanca oder Toba blanca bekannt ist. Dies ist ein beliebter Baustein, er ist sehr widerstandsfähig und langlebig, was ihn ideal für den Einsatz in Bau- oder Dekorationsprojekten im Innen- und Außenbereich macht. Er hat gute Wärmespeicher- und -übertragungsfähigkeit, wodurch er sich auch für Heizungs- und Wärmedämmungsprojekte eignet, und wegen seiner guten akustischen Eigenschaften auch zum Schallschutz verwendet wird.






Auch in der Landwirtschaft wird das Gestein als „Jable“ eingesetzt zur Bodenbedeckung. Es gibt Nährstoffe ab, erhöht die Bodentemperatur und verhindert Verdunstung. Dieses Gestein entstand bei pyroklastischen Vulkanausbrüchen, bei sich gasreiche Lava, Asche und Lapilli schnell abkühlten und im Laufe der Zeit verfestigten.



4,3 Kilometer oberhalb der Autobahn geht eine steinige Piste rechts hinunter in den Barranco de Piedra Bermeja. Dort sieht man, wie dieses Gestein vom Wasser zu bizarren Formen ausgewaschen wurde und sich dadurch Felsüberhänge oder kleine Höhlen bildeten.
Knapp 400 m unterhalb der Straße verlässt man die Piste und geht nach links in den Barranco hinein, der am Anfang recht mild aussieht. Man wandert direkt auf den Steinen im Bachbett und zwischen Katzenschwanzgras, Tamarisken und Balos. Nach und nach wird die Schlucht enger und bald steht man zwischen rotbraunen, senkrechten Felswänden.






Hier handelt es sich um ein ganz anderes vulkanisches Gestein, nämlich harten Basalt, entstanden durch Lavaströme mit sehr langsamer Abkühlung und ohne Gaseinschlüsse.
Dieses Gestein erfreut besonders die Kletterer, denn hier lassen sich gut Haken in der Wand anbringen und Kletterrouten anlegen. Am Wochenende sind hier im Barranco de Piedra Bermeja viele Freundesgruppen oder Familien unterwegs, die sich am Klettersport erfreuen.







Manchmal muss man den Weg zwischen Felsen und Gebüsch etwas suchen, aber es geht immer irgendwie weiter. So lange, bis es nicht mehr weiter geht – zumindest nicht mehr so einfach. An einer besonders engen Stelle zwischen den Felswänden hat sich ein Tümpel gebildet, der sich auch in der Trockenzeit noch lange hält. Das Wasser ist von grünen Wasserlinsen überdeckt, es ist schwer zu schätzen, wie tief das Wasserloch ist. Hineinfallen sollte man jedenfalls nicht.
Wer hier weiter will, braucht Mut und Kraft. Oberhalb des Tümpels ist in der Felswand ein Seil angebracht, darunter sind Tritteisen, die allerdings relative große Abstände haben. Nun beginnt das Entlanghangeln am Seil, von einem Tritt zum nächsten. Es sind nur fünf Meter, aber es ist eine Herausforderung.
Achtung: Wenn die Angst zu groß wird oder die Kraft nicht reicht, sollte man es nicht versuchen. Auch beim Rückweg muss man es noch schaffen.






Wenn man es geschafft hat, wird es danach wieder etwas bequemer, abgesehen von ein paar kleinen Felsbrocken, die man leicht überklettern kann. Doch 50 m weiter hat die Bequemlichkeit schnell ein Ende, denn es kommt die nächste Herausforderung. Mitten zwischen den Wänden liegt ein mächtiger Felsblock. Rechts oder links davon hinaufzuklettern ist nicht möglich, denn der Fels ist absolut glatt und bietet keine Griffmöglichkeit. Unten ist zwar kein Wasserloch, aber die Felswand darüber ist noch steiler und höher als die vorige, es gibt ein Seil, aber keine Trittstellen in der Wand. Hier gibt es nur eine Lösung: Sich mit aller Kraft gegen die Wand stemmen und sich mit kleinen Schritten und Griffen weiter nach vorne arbeiten. Schuhe mit sehr griffiger Sohle sind absolut notwendig, wenn es gar nicht geht, kann man es barfuß versuchen.
Auch hier Achtung: Man muss wieder zurück!




Nach diesem Erfolgserlebnis gibt es dann aber eine entspannte Wanderung auf dem Grund des Tals, das hier auf etwa 300 m recht breit und sanft wird. Dann kommt man zu einer Brücke, auf der ein Wasserkanal die Schlucht überquert.





Ein Stück hinter der Brücke erreicht man dann die dritte Kletterstelle, wo man sich an einem Seil 4 Meter senkrecht nach oben arbeiten kann. Nach den bereits gemachten Erfahrungen geht das aber relativ leicht, außerdem gibt es hier wieder Tritteisen.
Doch alle Anstrengungen waren „umsonst“, denn kurz danach endet der begehbare Teil der Schlucht definitiv an einer senkrechten Felswand. Dort gibt es nach Regenfällen eine großen Wasserfall, der die Wand absolut glatt geschliffen hat. Allerdings ist es nicht ratsam, nach einem Regen diese Tour in der Schlucht zu machen! Man wundert sich immer wieder, wie es das Wasser in dieser trockenen Gegend Teneriffas in tausenden von Jahren geschafft hat, einen solch grandiosen Einschnitt in das Gestein und die Landschaft zu arbeiten. Für den Menschen kaum vorstellbar.




Auch der Rückweg bietet natürlich noch einmal die Herausforderungen beim Klettern, und von oben sehen die Kletterstellen ganz anders aus…
Entfernung: 1,3 km (einfache Strecke)
Zeitbedarf: 2 Std.
Höchster Punkt: 330 m, tiefster Punkt 290 m
Einstufung: B1****WWGSL (Erklärung siehe hier)
Karte:

Anfahrt:
Bei der Ausfahrt 46 Tajao kurz vor dem Entsorgungszentrum nach rechts auf die Landstraße. Nach 4,3 km geht rechts eine Piste in das Tal hinunter. Dort kann man parken. Wer es sich und dem Auto zutraut, findet auch 250 m weiter unten an der Piste noch eine Parkmöglichkeit.
Von oben in die Schlucht hinunterzusteigen ist nicht ganz einfach und nur mit professioneller Kletterausrüstung möglich:
Gehe zu Google Map:
Diese Route als pdf und kmz-Datei für Google Earth: Lies nach auf der Seite SERVICE und schreib eine Mail.
Der Barranco de Piedra Bermeja heißt weiter unten Barranco Bijagua, hier findest du eine Wanderung dort ab San Miguel de Tajao: Bizarre Küste. Oberhalb von Arico gibt es einen weiteren beliebten Kletterbarranco: Felswände.
Artikel-Nr. 03-01CB246F
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