Die Lagune (II)
Ein Wasserpark mitten in der Stadt? Mit Booten durch die Kanäle fahren? Baden im See? Ein innovatives Projekt auf einer Fläche von 30.000 m² soll La Laguna einen großen, nachhaltigen Freizeitbereich bescheren, der von der Regierung als Projekt von regionalem Interesse ausgewiesen und mit drei Millionen Euro gefördert wird.

Schon 2023 wurde das Projekt vorgestellt. Es handelt sich um eine Initiative, mit der „wir unsere Geschichte, unser Naturerbe und das Wesen unserer Gemeinde wiederentdecken“, betonte der Bürgermeister. Er erklärte, dass seit 2019 daran gearbeitet werde, dieses Projekt zu verwirklichen, das „die Stadt auf nachhaltige Weise nach Norden erweitert und dabei auf den Umweltschutz setzt“.
Seit Anfang des 19. Jahrhunderts ist der See, der der Stadt ihren Namen gab, verschwunden. 1839 wurde er endgültig mit Hilfe von Entwässerungskanälen trocken gelegt. Die Kanäle sind heute noch vorhanden, aber in der Regel führen sie kein Wasser und sind an vielen Stellen voll von Unrat und Müll, kein schönes Bild für die Stadt.

Nach den langen und reichlichen Niederschlägen im Winter 25/26 stieg der Grundwasserspiegel in der Ebene um rund fünf Meter an und befand sich dann nur noch in einer Tiefe von 1,9 m. An manchen Stellen bildete sich sogar ein kleiner Teich, und in den Kanälen konnte man das Wasser 30 cm hoch fließen sehen. Aber das sind einzelne und seltene Ereignisse.
Einen schönen kleinen Wasserpark gibt es schon, den Parque de la Vega, offiziell Parque Pedro González. Er wird von den Anwohnern gerne besucht. Auf einer Fläche von über 22 000 m² erstreckt sich ein hübscher Garten mit kleinen Seen und Tümpeln, mehr als 80 Pflanzenarten und 20 verschiedenen Seerosensorten. Wenn man auf einer der Brücken aus steht, entdeckt man einen See voller Fische, Schildkröten und allerhand Wasservögeln.







Zur Freizeitbeschäftigung gibt es noch einen Kinderspielplatz, einen Kletterfelsen, Skatepark und Mountainbikeparcours. Letzterer soll im Herbst 2026 für 250 000 € renoviert und verbessert werden.




Doch die Pläne der Stadt gehen weiter. Im Dezember 2025 begann das staatliche Unternehmen Gestur Canarias mit den Bohrungen, um eine hydrogeologische Studie zur Wiederherstellung des ehemaligen Feuchtgebiets zu erstellen. An drei verschiedenen Stellen kamen Maschinen zum Einsatz, die bis zu 10 Meter tief bohren und das abgelagerte Material fördern können, was dazu beitragen wird, die Beschaffenheit des Untergrunds genau zu bestimmen. „Dies sind die ersten Schritte eines für die Zukunft von La Laguna entscheidenden Projekts“, freute sich der Bürgermeister von La Laguna und erinnerte daran, dass die Wiederherstellung des ehemaligen Feuchtgebiets eine dreifache Bedeutung habe: zum einen als „grüne Lunge der Stadt“ aufgrund seines ökologischen Charakters; andererseits wegen der Möglichkeiten, die es für die „städtische Entwicklung dieser gesamten Umgebung und das Wachstum der Stadt nach Norden“ bietet, und vor allem „als Wasserinfrastruktur, die es ermöglicht, dem aufgrund des Klimawandels zunehmenden Hochwasserrisiko zu begegnen“. Überschwemmungen in der Innenstadt, die am tiefsten Punkt der Ebene liegt, sind in der Vergangenheit immer wieder mal vorgekommen.



Damit das ehemalige Feuchtgebiet von La Laguna wieder zum Leben erweckt werden kann, ist ein hochpräziser technischer Einsatz erforderlich: hydrologische und hydrogeologische Untersuchungen des Gebiets, Kartografie, klimatische Niederschlagsdaten und Schätzungen der Versickerung in den Grundwasserleiter, Bestandsaufnahme von Wasserstellen (wie Quellen, Brunnen und Stollen) sowie aller Wasserläufe wie Schluchten, Gräben und Bewässerungskanäle, Quellen und Überläufe.

Zwischen dem Umweltministerium und der Stadt wurde ein Vorgehensprotokoll ausgehandelt und ein Kostenvoranschlag von 3 Millionen Euro projektiert. Dieser Betrag soll zu 100 % von der Regionalregierung übernommen werden. Die Stadtverwaltung wird hingegen den Erwerb der Grundstücke finanzieren, wofür im Haushalt Mittel bereitzustellen sind. Die Stadtplanungsbehörde hat bereits verbindliche Vorschläge unterbreitet, und die Grundstückseigentümer sind bereit, das Projekt zu unterstützen.
Die Ergebnisse der ersten technischen Untersuchungen waren positiv und lagen der Stadt im Mai 26 vor. Nun wartet man auf die Erklärung der kanarischen Regierung, die dem Projekt eine regionales Interesse bescheinigt.
Auf dem Gelände sollen im Norden ein großer Teich und im Süden ein kleinerer Teich angelegt werden. Im Bereich zwischen beiden entsteht ein Aufenthaltsbereich mit einer Vogelbeobachtungsstation, der gleichzeitig als Grenze zum Naturschutzgebiet dient. Das Gelände wird mit Erholungs- und Freizeitbereichen ausgestattet, wodurch die nicht überflutbaren Flächen erweitert und Wege zwischen ihnen geschaffen werden. Zwischen dem trockenen und dem überschwemmbaren Bereich werden abgestufte Flächen, Tribünen, Pergolen und Schutzzonen angelegt. Über Stege. die die wichtigsten Punkte an den beiden Lagunen verbinden, wird es möglich sein, durch das saisonale Feuchtgebiet zu spazieren.



Die noch vorhandenen Kanäle könnte man aufstauen und mit Wasser füllen. Dann wäre sogar eine kleine Rundfahrt mit Gondeln oder Booten möglich, ein schönes Freizeitangebot für die Bevölkerung. Der Traum vom „Klein-Venedig auf Teneriffa“ existiert aber bis jetzt nur in der Phantasie der Stadtplaner und Tourismusmanager.
Noch gibt es auch keinen Termin für den Beginn der Bauarbeiten, da das Projekt „einen umfangreichen Verwaltungsaufwand“ mit sich bringe. Denn damit das Vorhaben zum Projekt von regionalem Interesse erklärt wird, muss zunächst einmal die Finanzierung gesichert sein.
Der Geschäftsführer von Teidagua wies darauf hin, dass die anschließende Umsetzung der Bauarbeiten „relativ einfach“ sei, weshalb „wir davon ausgehen, dass der Park in weniger als einem Jahr fertiggestellt sein kann“. Doch die Umsetzung muss erst einmal beginnen.
Inzwischen könnte man von der Altstadt aus einen kleinen, etwas anderen Stadtspaziergang machen. Hier ein Vorschlag:

Man beginnt am Ende der Calle San Agustín an dem kleinen Platz mit den drei riesigen Araucarien. Er heißt offiziell Plaza de la Junta Suprema de Canarias. Dort gibt es ein Denkmal an den Dichter José Tabares Bartlett und im Pflaster eingelassen ein Relief der ehemaligen Lagune, die genau bis hierher ging. Dort wo jetzt die Casa Araucaria steht, war früher schon das Wasser. Die Casa Araucaria ist eine wunderschöne Ferienvilla. Wer einmal mit der Großfamilie eine luxuriöse Unterkunft sucht, ist hier gut beraten (https://casalasaraucarias.com/).
Man geht die Calle San Agustín hinunter, vorbei an einem mächtigen Drachenbaum, der in den letzten Jahren eine beängstigende Neigung angenommen hat und deshalb unter ständiger Beobachtung steht. Die Stadt ergreift Maßnahmen, um das Umstürzen zu verhindern, u.a. die Erweiterung des Fußbereichs, damit der Baum mehr Wasser bekommt.




Ein Stück weiter kommt man zur abgebrannten Kirche San Agustín. Im ehemaligen Kloster war einmal die erste Lateinschule der Kanaren. Dort befindet sich das Museum Cabrera Pinto mit einer sagenhaften Sammlung über alles, was mit Naturwissenschaften zu tun hat. Lies dazu den Artikel Das Institut. 50 m weiter, vor dem alten, verschlossenen Tor der Klosterkirche, entdeckt man auf dem Fußboden eingelassen den Nullpunkt der Straßen Teneriffas. Hier ist noch einmal ein kleiner Plan mit der ehemaligen Lagune.
Vor dem Kloster biegt man ab in die Calle Rodríguez Moure, und geht an der nächsten Kreuzung geradeaus weiter. Dort kommt man vorbei an der Taberna El Remojo. Hier soll einmal eine Anlegestelle für Boote gewesen sein.







Ein Stück weiter beginnt die Avenida Universidad, die danach in eine der schönsten Palmenalleen der Insel übergeht, die auch Camino Largo genannt wird. Es lohnt sich ein kleiner Abstecher in den Parque de la Constitución, wo es außer einem Ententeich auch zwei Denkmäler gibt, die beide an die Befreiung von der spanischen Kolonialherrschaft in Südamerika erinnern: Simón Bolívar (Venezuela, Kolumbien, Panamá, Ecuador) und José Martí (Cuba).
Weiter auf dem Camino Largo kommt man an einem hübschen Schlösschen vorbei und dann zu einem kleinen Kreisverkehr. Dort steht ein Denkmal an José Gervasio Artigas, Befreier und Gründer von Uruguay und Argentinien. Wer weiter auf dem Camino Largo gehen will, findet hier mehr Informationen: Der lange Weg.

Am Kreisverkehr biegt man rechts ab auf die Calle Concepción Salazar und kommt nach 100 m zum Eingang in den Parque La Vega. Nach links geht es zum Kletterfelsen und dann weiter unter den schattigen Bäumen zu den kleinen Seen. In der Mitte befindet sich ein Pavillon, der aber leider seit Jahren geschlossen ist. Hier gab es einmal eine Cafetería. Irgendwo auf einer der Bänke bietet sich eine kleine Ruhepause an.
Auf der anderen Seite verlässt man den Park und geht auf dem Camino de las Peras wieder kurz Richtung Altstadt. Diese früher als La Alameda bekannte, geradlinige Straße erscheint schon auf Stadtplänen aus dem 18. Jahrhundert und war einst der Hauptverbindungsweg von La Laguna hinaus in die Ebene von Las Mercedes. Er führte durch intensiv landwirtschaftlich genutztes Gebiet, wo es sicherlich auch einmal Birnbäume gab. 1780 sollte er ausgebaut werden, und später noch einmal 1812. Aber „die Stadtverwaltung verfügte weder über Personal noch über Mittel für die Instandhaltung der Anlagen; die Bepflanzung wurde durch Tiere und Karren beschädigt, und der Ort fand bei der Bevölkerung keinen Anklang.“ (Prof. Calero, Desarrollo Urbano y Organización del Espacio, 2001)






50 m weiter unterquert einer der Kanäle die Straße. Dort steht rechts das Denkmal an die Wäscherinnen, 2021 als Erinnerung aufgestellt an die Frauen und Mädchen, die früher diese Arbeit verrichten mussten. Hier sind auch noch alte Waschplätze aus dem 18. Jh. erhalten. Ob vielleicht auch im Kanal die Wäsche gewaschen wurde?




Es gibt auch eine Zufahrt in den Kanal, wo man direkt einen Blick hinein werfen könnte. Ein Stück zurück geht man dann durch den kleinen Parque del Camino de Las Peras. Auf der anderen Seite kann man direkt am Kanal weiter gehen, entlang eines Wegs mit Reihenhäusern. Danach unterquert der Kanal die Straße Camino La Rúa, wo man wieder rechts Richtung Altstadt geht. Man kommt direkt an der Plaza El Cristo heraus. An der Ecke kann man links noch einmal einen Blick in den Kanal werfen.
Rechts am Platz befindet sich das Real Santuario del Santísimo Cristo. Dieser Pfarrei wurde im Jahr 1657 ein Boot geschenkt, mit dem angeblich einmal die Mönche die Lagune überquert haben sollen. Das ist aber eine eigene Geschichte: Das Boot, das über den See fuhr.



Auf der anderen Seite des Platzes befindet sich die Markthalle von La Laguna. Ein Rundgang macht Appetit!









Weiter geht es dann auf der Calle Viana Richtung Zentrum und an der kleinen Placita Viana vorbei. Wer nach dem Marktbesuch Hunger verspürt, könnte in der Tasca 61 einkehren, wo es leckere Tapas und Cocktails gibt, alles organisch und bio.


Die Calle Viana führt dann automatisch wieder ins Stadtzentrum.
Karte Rundgang:

Entfernung: 3 km
Zeitbedarf (ohne Museum und Markthalle): 2 Std.
Gehe zu Google Map:
Artikel-Nr. 17-0A2693BE
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