Kastanienzeit

Im Herbst ganz besonders.

Ein Spaziergang durch die Kastanienwälder ist das ganze Jahr schön, doch vor allem im Herbst, wenn die tiefgrünen Blätter der Kastanienbäume beginnen, satte Braun-, Rot-, Orange- und Gelbtöne anzunehmen, ist dies zweifellos die beste Zeit des Jahres. Und es ist auch die Zeit, in der man die Kastanien überall kaufen und genießen kann.

Man findet die Kastanienbäume zum einen im Norden zwischen La Orotava und La Esperanza, in der feuchteren Region in Höhen von 800 bis 1100 m. Dies ist das Übergangsgebiet zwischen der Wein- und Kartoffelzone und dem Kiefernwald. Zum anderen gibt es in größerer Höhe in der Nähe von Arafo eine Kastanienzone, in einer sehr trockenen und windigen Gegend.

Auf Teneriffa stammen alle dort vorkommenden Kastanienbäume aus Kulturplantagen und werden dort seit dem 16. Jahrhundert angebaut. Abgesehen von den herrlichen Früchten wurde auch das Holz sehr geschätzt zur Herstellung von Möbeln, Dauben für Weinfässer und Keltern. Auch das Kunsthandwerk benützt das Kastanienholz, beliebt sind die hübschen „cajas de castaño“ zur Aufbewahrung im Haushalt und die Korbflechtereien.

Früher stellten die Bauern in den höher gelegenen Gebieten von La Orotava und Los Realejos aus alten Kastanienbäumen Holzkohle her. Auch wenn es sich dabei um eine sekundäre Verwertung handelte, war sie doch Teil des ganzheitlichen Nutzungszyklus des Baumes und diente als Energiequelle für den Hausgebrauch. Die Kastanie bot zudem dem Vieh Nahrung und Schutz. Die grünen Blätter wurden als Futter verwendet, während die trockenen Blätter als Einstreu für die Tiere dienten. Diese Nutzung war nicht nur praktisch, sondern trug auch zur Rückführung organischer Substanzen in den Boden und zur Erhaltung fruchtbarer Böden bei.

Die heutige wirtschaftliche Situation der Kastanienbauern ist kompliziert. Institutionelle Vernachlässigung und ein sozioökonomisches Modell, das die Landwirte erdrückt, sind die Hauptursachen, auf die der Verein für ländliche Entwicklung zum Schutz der Kastanienwälder auf Teneriffa (Concasten) hinweist. Die Daten sprechen eine klare Sprache: Laut dem Artikel „Auswirkungen von Bränden auf die Vielfalt und die Waldstruktur der Kastanien-Bestände in bewirtschafteten und aufgegebenen Gebieten auf Teneriffa“, der von Forschern der Universität La Laguna verfasst wurde, befindet sich etwa die Hälfte der Kastanienplantagen der Insel in einem Zustand der Vernachlässigung. Seit dem großen Waldbrand von 2023 ist die Lage noch dramatischer. Besonders gravierend sind die Zahlen im Norden, in La Orotava, Santa Úrsula, La Victoria und La Matanza – einem Gebiet, in dem sich 74,2 % der gesamten Kastanienwaldfläche der Insel konzentrieren, nämlich 1109 Hektar von insgesamt 1373. In diesem Gebiet sind 59,2 % der Kastanienwaldfläche aufgegeben: 604 Hektar, die dringend bewirtschaftet werden müssen.

Der Verfall gefährdet nicht nur den Fortbestand dieser traditionellen Anbauform, sondern begünstigt auch die Ausbreitung von Waldbränden. Wie Concasten unter Berufung auf die Ergebnisse der Studie der Universität La Laguna angibt, verzeichneten die gepflegten Gebiete während des Brandes von 2023 eine Überlebensrate des Baumbestands von 90 %. Denn die feuchtigkeitsliebende Natur dieser Art kann in Verbindung mit der Bewirtschaftung der Parzellen dazu beitragen, die Intensität und das Ausbreiten des Feuers einzudämmen. Im Gegensatz dazu sammeln sich in verwilderten und vernachlässigten Beständen große Mengen an Vegetation an, die als Brennstoff dienen.

Einer der ältesten Kastanienbäume, der nachweislich von 500 Jahren gepflanzt wurde, stand in Aguamansa. Der „Castaño de las Siete Pernadas“ wurde beim Waldbrand 2023 zerstört und konnte nicht mehr gerettet werden. In dem Buch „Los Árboles Históricos y Tradicionales de Canarias“ kann man über diesen Baum lesen: „Er ist sehr alten Ursprungs, hat einen Umfang von mehr als zwölf Metern, und in geringer Höhe am Stamm gehen sieben große Äste hervor, die alle beträchtlichen Umfangs sind; daher stammt der Name „Las Siete Pernadas“, von denen heute nur noch fünf übrig sind, da zwei durch Stürme zerstört wurden. Zwischen ihnen stand früher ein Tisch für fünf Personen, zu dem man über einige Steinstufen hinaufstieg und an dem Touristen gewöhnlich ihren Imbiss einnahmen.“

Der primäre Sektor leidet seit Jahrzehnten unter strukturellen Problemen, dem Mangel an Nachwuchs und der Abwanderung von Arbeitskräften in den Tourismus und den Dienstleistungssektor. Diese Abwanderung aus der Landwirtschaft ist größtenteils auf die geringe Rentabilität und die geringe wirtschaftliche Attraktivität der landwirtschaftlichen Tätigkeit zurückzuführen. Im Subsektor des Kastanienanbaus kommen zu diesen Schwierigkeiten noch weitere spezifische hinzu. Die Zersplitterung des Grundbesitzes, die kleinen, terrassierten Parzellen, die steilen Hänge in den mittleren Höhenlagen und das Fehlen geeigneter Wege und Straßen für den Kraftfahrzeugverkehr erschweren sowohl die Pflege der Grundstücke als auch die Ernte. Pablo Cabrera, Vorsitzender der Vereinigung Concasten beklagt insbesondere die institutionelle Vernachlässigung dieses Sektors, und dass Investitionen zur Verbesserung der Situation nicht vorhanden sind.

Hinzu kommt noch die Konkurrenz durch Kastanien aus dem Ausland, sowohl von der Iberischen Halbinsel als auch aus anderen Erzeugerländern. Die in den Unterlagen des Verbandes enthaltene Marktanalyse belegt einen tiefgreifenden Wandel innerhalb von wenigen Jahren. Die Daten von Mercatenerife zeigen, dass der Anteil importierter Kastanien von 0,6 % im Jahr 2013 auf jetzt etwa 43 % gestiegen ist. Die Nachfrage steigt besonders in den Tagen der Fiesta de los Finaos Ende Oktober und kann durch den heimischen Markt nicht gedeckt werden. Die seit Jahren viel zu niedrigen Niederschläge führten außerdem dazu, dass die Kastanien nicht mehr so groß werden.

Für alle, die durch die herrlichen Kastanienwälder wandern, ist es wichtig zu wissen, dass die Bäume nicht „wild“ wachsen, sondern in Privatbesitz sind. Kastanien in großen Massen zu sammeln nimmt den Produzenten einen wichtigen Teil ihrer Erträge weg. Wer sie liebt und gerne isst, sollte sie auf dem Markt kaufen und so die Bauern unterstützen. Im Herbst 2026 lagen die Einzelhandelspreise bei ca. 6,50 €/kg, gekochte und geschälte kosten etwas das Doppelte.

Auf den Kanarischen Inseln gibt es nicht nur eine einzige Kastaniensorte. Nach Inseln aufgeschlüsselt gibt es auf Teneriffa 21 Sorten, auf La Palma 17, auf Gran Canaria 6, auf El Hierro 2 und auf La Gomera 1. Diese Kastaniensorten tragen recht kuriose Namen wie z.B. „Lisio“ (zur Herstellung von „Marrón Glacé“), „de Sala“ (zur Herstellung von „Marrón Natural“), „Temprano“ (für Marmeladen, Pürees und Mehl) oder„Manso“ (zum Verzehr der Kastanien in frischem Zustand). „Culochico“, „Mulata“, „Redonda“, „Chocho“ oder „Arafera“ sind andere Namen.

Die Kastanien aus Teneriffa sind für ihren ausgezeichneten Geschmack bekannt und werden in der traditionellen Küche und Konditorei früher wie heute verwendet. Sie schmecken einfach köstlich. Man kann sie gut geröstet und süß genießen, als Snack an den herbstlichen Kiosken der Insel, als Füllung in leckeren traditionellen Gerichten, in der Schale gekocht, in Eintöpfen, zu gesalzenem Fisch oder in Öl frittiert … Ein wahrer Genuss.

Nicht zu vergessen ist der exzellente Kastanienhonig, sehr dunkel und mit intensivem Aroma von Holz und Harz. Während der Blüte stellen die Imker ihre Bienenkästen vorzugsweise in den Kastanienwäldern auf. Leider sind im Jahr 2023 rund 80% der Bienenvölker dem Waldbrand zum Opfer gefallen.

Zudem gibt es die Tradition, dass jedes Jahr am 29. November, zeitgleich mit den Festlichkeiten zu Ehren des Heiligen Andreas, die Weinkellereien der Insel ihre Türen öffnen, um den neuen Wein in Begleitung von gekochten Kastanien, Mojo und Fisch zu verkosten. Dann finden viele Feste rund um die Kastanie aus Teneriffa statt, wie beispielsweise „Saborea Acentejo“ oder die Kastanienmesse in La Matanza, bei der der Apfel die Kastanie begleitet.

Wie wäre es mal mit süßen Kastaniennudeln? Hier ist ein einfaches Rezept.

1 kg gut weiche gekochte Esskastanien
200 ml Milch
200 g Puderzucker
Rum nach Geschmack

Die weichen Kastanien mit Milch, Zucker und Rum mit dem Stabmixer in einem hohen Gefäß pürrieren. Es soll ein weicher, aber nicht zu flüssiger Teig werden. Am besten die Milch nach und nach zugeben. Durch die Kartoffelpresse direkt auf den Teller pressen. Mit Zimt-Sahne, Schokosauce und Früchten garnieren. Fertig.

Schau nach auf der Seite ESSEN UND TRINKEN, was es sonst noch Leckeres auf Teneriffa gibt.

Im Wald von La Victoria gibt es einen ausgeschilderten Kastanienrundweg: Waldspaziergang.
Oder eine Kastanienrunde in Santa Úrsula.



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3 Gedanken zu “Kastanienzeit”

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