Ein dicker Fisch

Thunfisch mit Rekordgewicht.

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So ein großer Fisch wurde schon lange nicht mehr gefangen. Der Rote Thunfisch mit 434 kg Gewicht ist der größte seit Jahrzehnten, den je ein Fischerboot in Teneriffa an der Angel hatte. Er bringt satte Gewinne für die Fischer und erzielt gute Preise auf dem Markt. Doch ganz so einfach ist das nicht…

Thunfisch3Nur wenige Feinschmeckerlokale in Teneriffa haben sich ein Stück des begehrten Fischs gesichert. Der größte Teil des dicken Brockens ging an den Großmarkt nach Madrid, dort bekommen die Erzeuger Preise zwischen 10 und 15 Euro pro Kilo. Der Verbraucherpreis für ein leckeres Thunfischfilet kann durchaus vier- oder fünfmal so hoch sein.

Thunfisch2In diesem Fall musste der Fisch erst einmal in den Hallen von Islatuna im Fischereihafen von Santa Cruz zerlegt werden, damit er für mehrere Paletten transportfähig war. Die eigentlich vorgesehene Behälter konnten einen so großen Brocken gar nicht fassen. Normalerweise werden Stücke von 30 oder 40 kg verpackt, dieses Mal konnte man Stücke von 90 bis 100 kg herausschneiden.

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Selbst der Vertriebsleiter von Islatuna sagt, er habe in den sechs Jahren, seit er dort arbeitet, „noch nie so ein Vieh gesehen“. Für ihn ist dieser Fang eine Folge des Schutzes, dem die Thunfischerei unterliegt. Die Tiere leben länger und werden größer, seit sie weniger befischt werden. Der Bestand hat sich seit der Fangbeschränkung im Jahr 2006 deutlich erholt. Im vergangenen Jahr war die maximale Fangquote von 255 Tonnen schon nach zwei Wochen erschöpft, dieses Jahr dürfen 438,5 Tonnen gefangen werden, das entspricht 7,9% der nationalen Fangquote Spaniens. Die Saison beginnt im März und geht im Juni zu Ende.

Jedes Fischerboot bekommt eine bestimmte Quote zugeteilt, die nach Kilogramm berechnet wird und nicht nach Stückzahl. Der Verband der kanarischen Fischer beklagt, dass dies nicht berücksichtigt, wie viele Arbeiter auf dem Boot beschäftigt sind, und verlangt vom Ministerium für Landwirtschaft, Fischerei und Ernährung eine gerechtere Zuteilung. Auf den Kanaren haben 250 Fischerboote das Recht, den Roten Thunfisch zu fangen, er heißt hier patudo. Viele warten noch ab und hoffen auf einen großen Brocken. Die Fischer auf der Ana Carmen II hatten schon Glück. Sie konnten am 20. März 2019 in den Gewässern vor Los Cristianos drei Exemplare mit 293, 290 und 240 Kilogramm auf ihr Boot hieven.

Thunfisch1Doch den Rekord halten Daniel und Andreas aus Tajao. Sie fuhren am 15. März 2019 hinaus und bekamen zwischen La Gomera und La Palma ihr Prachtexemplar von 434 kg an den Haken. Gefischt wird mit einfachen Angelruten. Befindet sich das Boot beim Schwarm, können innerhalb von wenigen Minuten dutzende von Tunfischen an Bord gebracht werden. Wie es dabei zugeht, zeigt dieses Video:

Es werden lange Leinen mit Ködern ausgelegt. Wenn die Tiere angebissen haben, werden sie mit einem Haken an Bord gezogen. Bei einem größeren Tier ist schon ein Kran notwendig. Dass dies nicht ganz ungefährlich ist, sieht man in diesem Film:

Daniel und Andreas musste jedenfalls den Fisch zuerst im Wasser mit einem Seil erwürgen, bevor sie ihn an Bord holen konnten.

Wenn wir das nächste Mal Thunfisch auf dem Teller haben, dann sollten wir auch an die Fischer und ihre schwere und gefährliche Arbeit denken. Doch ob es tatsächlich der teure Rote Thunfisch ist, der auf dem Teller landet, ist fraglich. Bei keiner anderen Fischart sind die Betrugsfälle so häufig. In fast der Hälfte aller als Roter Thunfisch etikettierten Verkäufe ist es gar keiner. 7 von 10 Etiketten geben überhaupt nicht an, um welche Thunfischart es sich handelt. Der Rote Thunfisch ist Gegenstand des größten „Fischbetrugs“ in Spanien. 68% aller Portionen, die in Restaurants als Roter Thunfisch verkauft werden, sind andere, deutlich billigere Arten.

Interessant auch dies: Dieser Fisch ist der schnellste, der die Meere durchpflügt. Auf seinen weiten Wanderungen ist er mit 75 km/h unterwegs.

Ein schönes kleines Fischereimuseum gibt es in Puerto Santiago: Fisch und Kunst.

Alle Fotos: Diario de Avisos


Artikel-Nr. 0-30-136

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