Geierschlucht

Durch Landwirtschaft und Wald

Auf diesem schönen Rundweg durch die Landschaft bei Erjos und San José de los Llanos durchstreift man ganz verschiedene Vegetationszonen und kann wunderschöne Ausblicke genießen. Man kommt durch landwirtschaftlich genutzte Zonen, durch den Kiefernwald und als besonderes Highlight durch die Schlucht des Geiers mit einem phantastischen Märchenwald.

Am besten beginnt man die Runde beim Ecomuseo von San José de los Llanos. Dort wurde in einem ehemaligen Weiler ein interessantes Museum für Tradition und Landwirtschaft eingerichtet, das man nach der Wanderung noch besichtigen könnte. Dort gibt es auch Parkmöglichkeiten, ebenso wie auf der anderen Seite des Kreisverkehrs am Waldrand.

Links des Museums verläuft der Wanderweg PR TF-51 sanft bergab. Man kommt gleich an zwei großen Dreschplätzen vorbei, denn diese Gegend war früher einmal ein wichtiges Getreideanbaugebiet. Mehr davon im Artikel Im Getreideland.

Danach geht es auf dem Wanderweg zwischen Gebüsch und Feldern weiter abwärts, bis man unten auf eine betonierte Piste trifft. Links würde man auf dem offiziellen Weg nach Erjos kommen, aber jetzt geht man hier nach rechts und auf der Piste steil bergauf. Die Anstrengung wird belohnt durch schöne Ausblicke hinüber nach Erjos. Nach 300m kommt man an einem Wasserdepot vorbei und nach weiteren 300m ist man schon oben.

Dort steht mitten in den Feldern die Kapelle von San José, ein beschaulicher Ort zum Ausruhen. Vor der Ermita gibt es einen kleinen Platz mit einer Palme. Bei schönem Wetter hat man einen Blick zum Teide.

Das ursprüngliche Gebäude stammt aus dem 18. Jahrhundert. Es befand sich lange Zeit in einem lamentablen Zustand und wurde dann in den 1980er Jahren renoviert und umgebaut. Vom ehemaligen Bau sind der Glockenturm und die Mauern erhalten geblieben. Die Kapelle ist schlicht, aber schön, vor allem durch den Rundbogen des Zugangs zum Innenhof. Die robuste Holztür ist in der Regel verschlossen. Die Kapelle hat ein typisches vierseitiges Dach mit arabischen Ziegeln. Sie wird von einem steinernen Glockenturm für zwei Glocken gekrönt. Diese wurden nach der Restaurierung in die Einsiedelei zurückgebracht, da sie in der benachbarten Pfarrkirche aufbewahrt waren. Die Kapelle ist Teil des historischen Erbes von El Tanque und wurde zum Kulturgut erklärt.

Weiter folgt man nun dem ebenen Weg vor der Kapelle und kommt gleich an vier Kreuzen vorbei. Das schmale Sträßchen schwenkt nach 500m nach links. Dort geht man geradeaus auf einem Wanderweg weiter, der auf einem kleinen Höhenrücken verläuft. Hier eröffnet sich ein schönes Panorama über die Nordküste und natürlich zum Teide.

Unvermittelt taucht der Weg dann in den grünen und feuchten Mischwald ein, und es geht etwas steiler bergab. Nach dem Regen könnte es hier etwas rutschig sein. Unten trifft man wieder auf einen beschilderten Wanderweg. Es ist die Ruta del Agua, bezeichnet als SL TF 151.1. Nach wenigen Metern kommt man an einem verlassenen Wasserstollen vorbei, und dann geht es hinein in die dunkle Schlucht des Geiers.

Der Barranco El Guirre hat seinen Namen von einem Geier (Neophron percnopterus), das ist ein beachtlicher Vogel von 50-70cm Größe und einer Spannweite von 150cm. Man wird aber keinen zu Gesicht bekommen, denn er ist sehr selten geworden und vom Aussterben bedroht, es gibt schätzungsweise nur noch etwa 200 Exemplare auf Fuerteventura.

In der Schlucht wächst ein dichter, verzauberter Wald aus Baumheide und Lorbeer, in dem kaum Sonnenlicht bis zum Boden dringt. Immer wieder muss man sich unter umgestürzten Stämmen bücken und über feuchte Felsen klettern. Hier gibt es auch kleine Höhlen, aus denen früher quarzhaltiges Gestein abgebaut wurde, das man zur Herstellung von Glas brauchte. Ähnliche, aber viel größere Höhlen findet man in den Cuevas de Toledo bei Tacoronte, siehe Artikel Märchenwald (I).

Ein Stück weiter oben kommt man zu einem gewaltigen überhängenden Felsblock. Vielleicht hatte dort einmal ein Guirre sein verstecktes Nest gebaut. Nun geht es auf mehreren in den Fels gehauenen Treppen aufwärts, aber zum Glück schön im Schatten. Erst ganz oben, wenn man aus dem Wald herauskommt, weiß man das zu schätzen. Danach geht es noch ein Stück zwischen den Feldern weiter und man kommt schnell zur Umgehungsstraße von San José de los Llanos.

Das Stück durch die finstere Geierschlucht ist ein Teil des alten Verbindungswegs von Erjos nach San Juan de los Llanos, den die Bauern nehmen mussten, bevor es Straßen gab. Und mit Sicherheit sind sie ihn nicht gerne gegangen.

Man überquert die Umgehungsstraße, geht geradeaus weiter, und überquert 100m weiter auch die Dorfstraße, danach auf der Calle Don Corsino Cairós Pérez, sie heißt später Calle La Hoya und ist abschnittsweise etwas steiler. Doch auch dieser Aufstieg wird wieder belohnt, denn nach 500m trifft man auf die kleine Kneipe El Risco mit einer wunderschönen Gartenlaube. Dort könnte man sich ein kleines Vesper und ein Glas Wein gönnen (falls sie geöffnet hat).

Kurz oberhalb kommt man dann in den Kiefernwald. Dort gibt es auch noch ein paar Picknicktische. Im Wald hält man sich halb rechts, zunächst wieder auf dem Wanderweg TF 51. Nach 300m bemerkt man eine auffällige Mauer rechts des Wegs. Man kann an zwei Stellen durch die Mauer hindurch gehen und dort einem Weg folgen, der zu den Steinbrüchen hinüber führt.

In diesen wurde früher die „toba roja“ abgebaut, ein Gestein, das wegen seiner leichten Bearbeitbarkeit vielseitig verwendbar war. Die leuchtend roten Felswände ergeben ein beeindruckende Szenerie und ein schönes Farbenspiel für Fotografen. Im Sommer wächst hier der meterhohe wilde Fenchel.

Auf der anderen Seite der Steinbrüche trifft man auf ein Wasserbecken. Man kann auf dem Fahrweg rechts des Wasserbeckens weiter gehen, oder bei dem kleinen Häuschen nach rechts auf einen Trampelpfad abbiegen. Auf jeden Fall kommt man zum Weiler Los Partidos, eine ehemalige Bauernsiedlung, die zu einem wunderhübschen Landhotel umgebaut wurde. Daneben ist ein besonders großer Dreschplatz.

Auf der betonierten Straße geht man dann schnell hinunter zum Kreisverkehr beim Ecomuseo.

Entfernung: 6,2 km
Gehzeit: 2 Std. 30 min.
Tiefster Punkt: 990 m, höchster Punkt 1190 m

Karte:

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Wer nur den Barranco el Guirre machen will, kann das Auto bei der Ermita San José abstellen und am Ende auf der Umgehungsstraße etwa 800 m zurück laufen (Karte grün).

Man kann auch in Erjos starten. Vom Ortszentrum aus sind es etwa 600 m bis zur Betonpiste (Karte blau). Erjos und San José de los Llanos sind auch mit dem Bus zu erreichen.

Wer noch ein bisschen weiter gehen will, kann diese Runde auf verschiedene Arten kombinieren mit einer anderen: Im Getreideland.


Artikel-Nr. 9-3-217

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