Im Getreideland

Los Partidos de El Tanque

Eines der schönsten Museen der Insel liegt versteckt und unbekannt in den Bergen von El Tanque. Es nennt sich Ecomuseo und ist ein fein hergerichtetes, ehemaliges Gehöft. Hier erfährt man viel über die traditionelle Landwirtschaft und das Leben der Bauern.
Von dort aus kann man auch eine kleine und sehr bequeme Rundwanderung starten, auf der man die ehemals intensiv genutzten Felder durchquert und noch dazu wunderschöne Aussichten genießen kann.

Der kleine Weiler Los Partidos de Abajo liegt, umgeben von ehemaligen Terrassenfeldern, auf 1130m Höhe im Bereich der großen Wetterscheide nahe des Erjos-Passes. Dort hat die Inselregierung ein sehenswertes Museum eingerichtet. Man erreicht es, wenn man unterhalb des Erjos-Passes beim Restaurant Fleytas abbiegt Richtung San José de los Llanos, oder auch über die TF 373 von Icod, El Amparo und La Vega. An einem Kreisverkehr ist das Museum ausgeschildert. Dort gibt es auch einen Parkplatz.

Los Partidos de Abajo besteht nur aus ein paar Häusergruppen und war bis etwa 1965 bewohnt. Ab diesem Zeitpunkt begann die Abwanderung der bäuerlichen Bevölkerung durch das Aufkommen der Lohnarbeit in anderen Aktivitäten wie Baumschnitt der Kiefern und dem Straßenbau. Es ist eine Siedlung, die lange relativ isoliert blieb, was die Erhaltung von Traditionen und ländlichen Lebensformen begünstigte. Die Nutzung der Grundstücke und Gebäuden reicht bis in das späte 17. und frühe 18. Jahrhundert. Die Siedlung war von großen Anbaugebieten umgeben, die von den Pächtern bewirtschaftet wurden. Es gab Buchen- und Heidekrautwälder. Die Kiefern, die wir heute vorfinden, wurden erst im Laufe des 20. Jahrhunderts gepflanzt.

Der Begriff „Partido“ bedeutet in diesem Zusammenhang „Bezirk“ und bezieht sich auf die Art der typischen Anbauflächen der mittleren und hohen Lagen, wo der Boden intensiv genutzt wurde und der Getreideanbau überwog. Auf den Flächen, die einem Großgrundbesitzer gehörten, arbeiteten die „Medianeros“.

Die Partidos de Abajo bestanden aus einer Gruppe von länglichen Häusern, von denen jedes eine Küche und ein Schlafzimmer hatte und einen Stall für die Tiere mit einem kleinen Heuschober. Darüber hinaus hatten sie kleine Innenhöfe, manche mit Tanks, die das Regenwasser aus den Dachrinnen auffingen. Es gab drei Dreschplätze und eine Zisterne, letztere befindet sich etwas abseits in einer Schlucht, mit zwei kleinen Wassertanks auf einer Seite und einem größeren, aus dem die Tiere getränkt wurden. Ein weiterer Trog wurde zum Wäschewaschen genutzt. Darüber hinaus gab es eine Höhle, die als Unterstand für die Ziegen benutzt wurde.

Die vorherrschende Nutzung der Flächen war der Getreideanbau, Weizen, Gerste, Roggen und Mais. Außerdem wurden Kartoffeln und Hülsenfrüchte angebaut, wie Linsen, Kichererbsen oder Lupinen. Jeder Pächter hatte mehrere Felder. Man betrieb Fruchtwechselwirtschaft. Rund um das heutige Museum betreibt das Landwirtschaftsministerium Versuchsfelder für neue und alte Getreidesorten, die besonders an das örtliche Klima angepasst sind. Wichtig für die Bauern waren auch die Nutztiere. Pferde, Maultiere, Esel und Ochsen als Arbeitstiere, Kühe, Schweine, Hühner und Ziegen zur Versorgung mit Grundnahrungsmitteln.

Im Dezember wurde der Boden umgepflügt, den Pflug zogen Kühe oder Ochsen. Dann konnte im Januar die Aussaat beginnen, die von besonders geschulten „Sämännern“ durchgeführt wurde. Erntezeit war im Juli. Man schnitt das Getreide mit Sicheln ab, band es zu Garben („mollos“) zusammen und stapelte es auf den Feldern in Ballen, danach brachte man es zur Tenne. Das wertvolle Getreide wurde Tag und Nacht bewacht, um Diebstahl, Rattenfraß oder Brände zu verhindern. Die Dreschplätze waren mit Steinen ausgelegt, dort trieb man Pferde oder Kühe im Kreis herum, um das Korn herauszudreschen. Oft wurde auch ein hölzerner Schlitten dazu benutzt.

Normalerweise findet jedes Jahr im Juli im Museum das Dreschfest statt, wo man all diese Arbeiten und Traditionen aufleben lässt, um sie der Bevölkerung zu zeigen. Schau dir hier das kleine Video dazu an:

Mehr Infos über das Museum: www.ecomuseodeltanque.es

Wanderung

Ein schöner kleiner Rundgang durch das Getreideland lässt erahnen, wie intensiv damals die Landschaft genutzt wurde. Die hier vorgestellten Varianten sind bequem zu gehen, ohne nennenswerte Steigung, und auch für Kinder geeignet. Es gibt viel zu entdecken, Wald und Felsen, Gebüsch und Blumen, der Weg ist manchmal sogar etwas „abenteuerlich“.

Direkt am Kreisverkehr beginnt die betonierte Piste am Waldrand. Dort kommt man am Ende wieder zurück. Der Beginn des Wegs ist unter einer mächtigen Kiefer. Ein gelb-weißes Kreuz zeigt an, dass der offizielle Wanderweg PR TF-51 dort nicht weiter geht. Aber genau unter der Kiefer steigt man ein paar Meter hinauf und kommt auf einen schönen Waldweg, der eben am Hang entlang läuft. Nach 200m kommt man aus dem Wald heraus, und der Weg schwenkt nach links am Hang entlang, oberhalb der Straße. Hier hat man schon schöne Ausblicke hinüber zum großen Gala, der aber oft wolkenverhangen ist. Ein Stück weiter wird die Aussicht immer besser. Jetzt sieht man hinunter in das Valle de Arriba und nach Santiago del Teide im Hintergrund. Ganz in der Ferne erkennt man die Montaña La Hoya über dem Autobahntunnel. (Hier ist eine Wanderung zum Antennenklotz.)

Jetzt befindet man sich auf der trockenen Südseite des Berges, wo der Weg in leichten Kurven etwas abwärts geht. Er wird schmaler in es gibt immer mehr Gebüsch. In der Ferne grüßt der Teide, davor erkennt man die Lavaströme des Chinyero.

Wer die kürzere Variante gehen will (Unterschiede siehe unten) darf einen steinigen Weg nicht verpassen, der nach links und bergauf abzweigt, genau 1,2km nach Beginn. Er ist mit verwaschenen gelb-blauen Punkten gekennzeichnet. Der Anstieg ist harmlos und dauert nicht lange. Kurz nach dem höchsten Punkt kommt man mit einer scharfen Linkskurve hinunter in eine Senke. Dort wurde in früheren Zeiten Tongestein abgebaut, ähnlich wie in den Charcas de Erjos. Nach reichlichen Regenfällen bilden sich dort kleine Tümpel und Teiche, dann lohnt es sich, nach rechts einen Abstecher vom Weg zu machen. Eventuell kann man Wasservögel beobachten.

Bei Weiterweg geht man bald auf eine große alte Kiefer zu. Direkt davor kann man nach rechts auf die Anhöhe gehen und erblickt dann das Ziel des Spaziergangs: Das Gehöft Partidos de Franquis. Es war ebenfalls ein bäuerlicher Weiler, mitten in einer weiten Ebene und umgeben von Getreidefeldern. Direkt vor dem Eingang befindet sich ein sehr großer Dreschplatz. Daneben stehen Holztische für ein wohlverdientes Picknick.

Der Weiler, ganz aus schwarzen Vulkansteinen erbaut, wurde zu einem hübschen Landhotel umgestaltet, es gibt mehrere mit Blumen geschmückte Innenhöfe und viele kleine Details. Man kann dort in einfachen, rustikalen Zimmer übernachten. Perfekt für ein paar entspannte Tage in absoluter Stille. Autolärm gibt es hier garantiert nicht, aber auch keinen Handy-Empfang. Aber man kann sich in einem kleinen Restaurant verwöhnen lassen. Und natürlich ausgedehnte Wanderungen machen, z.B. zum Chinyero.

Für den Rückweg nimmt man die betonierte Piste und kommt am Waldrand entlang schnell wieder zum Kreisverkehr und zum Ecomuseo.


Für die längere Variante geht man dort, wo der steinige Weg abzweigt, einfach geradeaus weiter. Der Weg schwenkt zuerst nach rechts und geht dann eben am Hang entlang in einer weiten Linkskurve weiter. Hier beginnt ein bisschen das Abenteuer, denn der Weg ist schmal und ziemlich zugewachsen. Man muss sich durch zwei Meter hohen wilden Fenchel schlagen, gelegentlich sind auch ein paar Brombeerranken dabei. Doch der Weg ist nicht zu verfehlen.

Er verläuft schließlich in einen Taleinschnitt hinein, der mit der Zeit immer schmaler wird. Am gegenüber liegenden Hang erkennt man viele alte Ackerterrassen als Zeugnisse der ehemals intensiven landwirtschaftlichen Nutzung. Interessant ist eine steile Felswand mit besonders rotem Gestein, etwa 500m nach dem Abzweig des steinige Pfads, fast schon meint man, in einer kleinen Schlucht zu gehen. Man kommt nach weiteren 500m an einem riesigen Feigenbaum vorbei und trifft danach auf einen Fahrweg, dem man geradeaus folgt.

400m weiter ist die Kreuzung nicht zu übersehen, wo der Hauptweg nach links geht und auch Los Partidos ausgeschildert ist. Nach wenigen Minuten ist man beim Gehöft Partidos de Franquis.

Varianten:
kleine Runde (gelb): 2,7km, ca. 1 Stunde, tiefster Punkt 1135m, höchster Punkt, 1175m
große Runde (gelb + Ergänzung rot): 3,8km, ca. 2 Stunden, tiefster Punkt 1135m, höchster Punkt, 1175m

Problemlos auch in umgekehrter Richtung oder als Kombination in Form einer 8 möglich (Mittelteil mit ca. 800m ist dann doppelt zu gehen)

Rundgang durch das Museum ca. 1 Stunde, leider keine Bewirtschaftung, aber WCs. Geöffnet täglich ausser montags 10.30 – 17.00 Uhr, Tel. 603 752 135. Es gibt eine App, Enjoy XR-Ecomuseo de El Tanque, mit einem virtuellen Rundgang und Zugang zu allen Infos, erhältlich über App Store (Apple) oder Play Store (Android). Alle Erklärungen im Museum sind auf spanisch, englisch und deutsch.
Das Museum ist auch für Kinder sehr spannend und bietet interaktive Spiele.

Karte:

Gehe zu Google Map:

Diese Route als pdf und kmz-Datei für Google Earth: Lies nach auf der Seite SERVICE und schreib mir eine Mail.

In Los Realejos findet im Mai der große Viehmarkt statt. Auch dort werden viele alte bäuerliche Traditionen gezeigt und man sieht Alles was vier Beine hat.


Artikel-Nr. 9-1-171

2 Gedanken zu “Im Getreideland

  1. Ich freue mich immer wieder, deinen Blog zu lesen. Er ist nicht nur informativ und interessant, er bringt mir auf dIese Weise meine gefühlte 2. Heimat zumindest virtuell näher- was in diesen Zeiten sehr wertvoll ist.
    Viele lieben Dank 😊
    Mantente saludable y cuídate
    atentamente Sabine

    Gefällt 1 Person

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