Wind und weiße Felsen bei Tajao.
Auf dieser kurzen Wanderung gibt es viel zu sehen. Die phantastischen Felsen der Küste von Tajao, eine historisch bedeutsame Schlucht, die Naturbrücke und den malerischen Fischerort. Obwohl die Tour an der Küste liegt, ist der Weg nicht ganz einfach. Es gibt einige herausfordernde Kletterstellen, und der Wind kann manchmal ziemlich lästig werden.

Ein von der Gemeinde Arico angelegten, etwa zwei Kilometer langer Rundweg führt an den wichtigen Punkten von geologischem und historischem Interesse vorbei. Die hier beschriebene Tour ergänzt diesen Weg noch etwas und beginnt direkt im Hafen von San Miguel de Tajao. Am Ende sind auch Alternativen beschrieben.
Vor Hunderttausenden von Jahren haben sich hier geologische Prozesse abgespielt, die man mit Recht als Hölle bezeichnen könnte. Heftige, pyroklastische Vulkanausbrüche schleuderten Aschewolken in die Luft, vermischt mit Gesteinsbrocken aller Art. Die abgelagerte Asche und und das lockere Material verhärtete sich im Laufe der Zeit und wurde zu festem Gestein. Das fließende Wasser schuf Schluchten und legte die unterschiedlichen Schichten wieder frei. So entstand eine bizarre Landschaft, in der die fast weißen Tuffgesteine vorherrschend sind, die hier als „Bandas del Sur“ oder „Piedra de Chasna“ bekannt sind und auf vielfältige Weise vom Menschen genutzt werden. An der Küste sind sie vom Wind glatt geschliffen worden und von den Wellen zerbrochen. So entstand eine einzigartige Landschaft, die es sonst auf Teneriffa nirgends gibt.

Im Ortszentrum von San Miguel de Tajao geht man hinunter zum Hafen und dort nach links bis zum Ende der Straße. Dort hat man schon einen phantastischen Ausblick auf die bizarre Küste und den gewaltigen Felsblock, der abgebrochen ist und wie ein Wrack im Wasser liegt. Achtung: Diese Stelle ist nicht gesichert! Bitte nicht zu nah an den Abgrund treten.
Genau links davon könnte man (falls nicht abgesperrt) den steilen Hang hinauf steigen. Es ist einfacher, als es zunächst aussieht, denn die Oberfläche ist hart und alle kleinen Steinchen wurden längst vom Wind weggeweht. Man geht am bestem im Zickzack, und mit einiger Vorsicht kommt man bis zur höchsten Stelle der Bergrückens, wo ein ehemaliger Strommast steht. Eine weitere Warnung: Hier kann es richtig heftige Windböen geben!





Falls hier eine Absperrung ist, oder man sich den Aufstieg nicht zutraut, nimmt man den bequemeren Weg: Am Sportplatz vorbei kann man zwischen den Häusern hindurch gehen und dahinter den Abhang hinauf bis zur höchsten Stelle klettern.
An diesem hervorragenden Aussichtspunkt überblickt man einen großen Teil der Küste und den kleinen Fischerhafen. Noch einmal Achtung: Der Rand des Steilhangs ist nicht gesichert und gefährlich! Abstand halten! Am 27. Juli 2024 sind hier einige Teile des Kliff abgebrochen. Blöcke von der Größe eines Autos sind ins Meer gestürzt. Ursache war vermutlich ein kleines Erdbeben.
Danach geht man weiter in ein kleines Tälchen ganz hinunter Richtung Wasser, ebenfalls wieder im Zickzack und mit exakt gesetzten Schritten. Das Tälchen mündet in eine von links kommende flache Schlucht, wo auf der gegenüber liegenden Seite wieder ein Aufstiegspfad zu erkennen ist. Vorher kann man noch ein Stück in Richtung Meer gehen und die tollen Felsen bewundern.



Man überquert den nächsten Höhenrücken und sucht sich dann einen Weg hinunter zum Strand Caleta de la Lancha. Dort hat sich hinter dem Strandwall eine Menge Schlamm und Erosionsmaterial aus der Schlucht angesammelt. Nach einem Regen könnte es dort etwas matschig sein. Der hier mündende Barranco Bijagua sieht harmlos und flach aus, ist aber sehr lang und weiter oben auch tief ins Gelände eingeschnitten. Er kommt von ganz oben, vom Rand der Cañadas, und kann große Wassermassen transportieren. An einem quaderförmigen Steinblock befindet sich ein Schild mit weiteren Erklärungen zu dieser Schlucht und dem beschriebenen Rundweg. Mit viel Glück sieht man an einem klaren Tag von hier aus auch die zentrale Bergkette und sogar die Spitze des Teide.
Weiter geht es über die nächste kleine Anhöhe. Dahinter kommt man zu einem in früheren Zeiten bedeutenden Ort, El Embarcadero. Es war eine Anlegestelle, an der vor allem Steine verladen wurden, die weiter oben im Barranco Bijagua behauen wurden. Es konnten aber nur kleine Boote hier anlegen, die die Steine dann zu dem in der Bucht ankernden Schiff transportierten. Die Segelschiffe konnten 50 bis 150 Tonnen Steine laden. Es gab einen regen Handel mit den hier gefertigten Fliesen, Tränken, Waschsteinen oder Kanalelementen. Für die Schiffe war es auch ein wichtiger Ballast für die Rückfahrt über den Atlantik, nach Kuba, Venezuela oder Puerto Rico. Für viele der historischen Bauwerke in Havanna, Santo Domingo oder Cartagena waren die Steine aus Tajao ein unverzichtbares Baumaterial. An diesem heute ziemlich verlassenen Ort befand sich also bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts ein beachtliches Industriezentrum mit hunderten von Beschäftigten.




Versteckt unter einem Felsüberhang hat sich hier eine Familie eine witzige Ferienwohnung gebaut. Tausende von Steinen wurden zu kleinen Kunstwerken aufgetürmt. Ein Zeltdach dient als Schutz vor Wind und Sonne. Natürlich wird am Wochenende hier gekocht, und für die ganze Familie gibt es Tische und Bänke, geschmückt mit allerlei Kleinkram. Richtig gemütlich kann es dort sein.









Man könnte wieder zurück gehen zum Strand, oder aber die nächste kleine Halbinsel umrunden, wo es noch weitere bizarre Felsformationen zu bestaunen gibt. Oberhalb der nächsten Bucht, der Caleta del Sordo, liegt der Campingplatz von La Jaca mit Wohnmobilen und einigen Dauercampern, die sich einfache Holzhütten gebaut haben. Aber es ist ein trockener, sonniger und windiger Ort, den man mögen muss.




Der Rückweg geht dann nach links über die Höhe, weg vom Campingplatz und wieder hinunter zum Barranco Bijagua. Oberhalb des Talgrunds verläuft eine Schotterpiste, der man etwa 100 m folgt, bis man links unten den alten Brunnen erkennen kann. Es gibt einen steinigen Pfad, auf dem man die paar Meter hinunter klettern muss. El Pozo, der Brunnen, war ganz entscheidend für das Überleben in dieser trockenen Gegend, wo im Durchschnitt weniger als 150 mm Regen im Jahr fällt. Nach Regenfällen jedoch sickert das im Barranco fließende Wasser durch den sandigen Talgrund bis zu wasserundurchlässigen Schichten und staut sich dort. So grub man ein tiefes Loch in den Sand, und weil das Wasser so wertvoll war, sicherte man das Loch mit einer Mauer aus gut bearbeiteten Steinen. Die hohe Außenwand, die einmal mehr als zwei Meter maß, schützte den Brunnen vor Überschwemmungen und Sedimenten, die ihn zuschütten könnten. Im Innern gab es eine Treppe nach unten, um an das Wasser zu kommen und um den Brunnen zu reinigen.





Der ausgezeichnete Wanderweg überquert unterhalb des Brunnens das Bachbett, kommt aber nach ca. 100 m wieder zum Bach zurück. Man könnte einfach im Bachbett weiter gehen, aber bequemer ist es auf dem angelegten Weg, der rechts (nördlich) an der Felswand entlang verläuft. Wer aufpasst, entdeckt auch noch einen anderen Brunnen am Weg, der aber nicht mehr so gut erhalten ist.
Etwa 500 m bleibt man nun auf diesem Weg im Barranco, der langsam etwas schmaler wird. Dann kommt man zu einer Zone, wo sich rechts und links mehrere Höhlen in den Felsen befinden. Sie sind teilweise recht tief, aber schwer zu begehen. Auf jeden Fall sind die Felswände ein spannendes Landschaftselement und bieten auch etwas Schatten für eine kleine Rast. Man kann noch ein Stück dem Barranco folgen, aber dann gibt es eine steile Stelle, wo es nicht mehr weiter geht. Dort plätschert vielleicht sogar ein kleiner Wasserfall.






Zwischen den Felsen bei den Höhlen gibt es nach rechts einen kleinen Einschnitt, wo der Wanderweg dann nach oben steigt. Das ist schwierig zu sehen, aber es gibt nur diese eine Möglichkeit. Man muss ein bisschen klettern und es geht durch viel hohes Gras, weiter oben wird es wieder einfacher.

Dort steht auch wieder ein Steinquader (man sieht ihn schon von unten) mit einer Informationstafel, auf der man etwas mehr über die geologischen Hintergründe der hiesigen Gesteine erfährt. Es handelt sich hier um so genannte Ignimbrite. Das nach den Vulkanausbrüchen abgelagerte Asche-Stein-Gemisch wurde durch weitere „Feuerregen“, besonders heiße Glutwolken, wieder aufgeschmolzen, verbacken und verfestigt. So entstand ein sehr hartes und dichtes Gestein, das, im Gegensatz zu dem weißen Tuff, extrem schwer zu bearbeiten war, aber such als stabiles Baumaterial geschätzt wurde. Und trotzdem hat sich hier im Laufe der Jahrtausende eine Schlucht in das Gestein hinein gefressen.

Oberhalb der Schlucht geht es nun ein Stück weiter, bis der Weg wieder hinunter in den Talgrund geht. Dort sind die Felsen glatt geschliffen. Dazwischen bilden sich immer wieder Tümpel und Becken mit stehendem oder sogar fließendem Wasser. Den Ausstieg aus dem Bachbett auf der gegenüberliegenden Seite muss man wieder einmal ein bisschen suchen, zunächst über die glatten Felsen, dann etwas steiler, aber deutlicher zu sehen. Oben hält man sich rechts auf einem mit Steinen eingefassten Pfad. Aber selbst wenn man diesen nicht findet, kommt man weiter oben automatisch zum absoluten Highlight dieser Wanderung.



Die „Brücke von Tajao“ ist ein gigantischer Felsbogen, den die Erosion aus dem Tuffgestein heraus präpariert hat. Sie ist etwas 10m noch und 30 m lang. Mehr darüber gibt es im separaten Artikel Die Brücke von Tajao.
Man kann zum Bogen hinauf klettern und unter ihm hindurch gehen. Es ist aber verboten, über die Brücke zu laufen, denn es handelt sich um ein Naturdenkmal. Unterhalb des Bogen steht auch eine Informationstafel mit Erklärungen zur Entstehung.




Der Rückweg ist dann bequem und einfach. Nach der Informationstafel geht ein guter Wanderweg nach rechts, parallel zum Tal. In dieser Gegend wurde früher auch der Milchsaft der Tabaiba genutzt, was auf einer weiteren Informationstafel erklärt wird. Mehr davon findest du im Artikel Überlebenskünstler.


Am weiteren Weg kommt man auch an einer Stelle vorbei, wo viele Steine herumliegen. Es sind die Abraum- und Schutthalden der ehemaligen Bauindustrie. Nach etwa 700 m geht es wieder hinunter zum Strand.

Dort hält man sich gleich rechts auf einem Weg, der zunächst wie ein Fahrweg aussieht und vielleicht auch mal einer war. Aber es sieht mehr so aus, als ginge man in einem trockenen Wasserlauf. Das wird deutlicher weiter oben, wo der Weg ziemlich ausgewaschen ist und etwas steiler ansteigt. Hier wird es wieder etwas unbequemer, ein bisschen Klettern zwischen den Steinbrocken ist erforderlich. Aber hier gibt es noch einmal besonders bizarre Felsformationen.
Der „Weg“ trifft dann automatisch auf die Hauptstraße, kurz oberhalb des Restaurants Las Lajas. Man geht auf der Straße wieder hinunter in den Ort.
Entfernung: 3,9 km
Gehzeit: 2 Std.
Höchster Punkt: 43 m, tiefster Punkt 0 m
Einstufung: B1**R (Erklärung siehe hier)
Karte:

Bitte beachten: Es gibt bei dieser Runde einige weglose Stellen und ein paar Kletterpassagen, bei denen Vorsicht und Trittsicherheit erforderlich ist. Falls der Aufstieg am Anfang gesperrt ist oder zu gefährlich erscheint, nimmt man den beschriebenen Weg vom Sportplatz zwischen den Häusern hindurch. Wer gar nicht klettern will, findet einen einfachen Weg oberhalb des Restaurants Las Lajas und geht bequem auf dem Höhenrücken entlang bis zum Mast und zur Aussicht über die Küste. Wer sich den folgenden Abstieg nicht zutraut, geht am besten wieder zurück. Karte: weiß.


Wer nur die ausgeschilderte Runde laufen will, kann auch am Campingplatz beginnen, zum Strand hinüber gehen und von dort weiter zum Brunnen. Karte: blau.

Wer nur den Felsbogen besichtigen will, beginnt an der Straße nach La Jaca oder gleich neben der Autobahn. Beschreibung siehe hier: Die Brücke von Tajao.
WICHTIG: Es handelt sich hier um ein Gebiet von außerordentlichem geologischem, biologischem und archäologischem Wert. Bitte auf den Wegen bleiben, nichts verändern, nichts beschädigen, nichts zurücklassen und nichts mitnehmen.
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San Miguel de Tajao ist bekannt für seine Fischlokale, denn es ist einer der wenigen noch arbeitenden Fischerhäfen der Insel, und noch dazu ein malerischer kleiner Ort. Am Wochenende sind die Restaurants am Nachmittag hoffnungslos überlaufen, und es gibt keine Parkplätze mehr im Ort.
Artikel-Nr. 03-01CAD5FF / 29.12.25
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