An der Kante

Die Klippen von La Hondura

Ein Abschnitt der Ostküste bei Fasnia ist ein geschütztes Naturreservat von wissenschaftlichem Interesse. Die Klippen sind eine Miniaturausgabe der Los Gigantes. An der phantastischen Steilküste führt ein bequemer Wanderweg entlang, direkt an der Kante.

In dem 38 ha großen Gebiet unterhalb der Autobahn zwischen Las Eras und Los Roques gibt es viele geschützte Pflanzen. Der Grund, warum diese Landschaft als Naturdenkmal geschützt ist, liegt in dem Vorkommen einer seltenen, endemische Pflanze, der „piñamar“ (Atractylis preauxiana). Man wird sie jedoch beim Wandern kaum wahrnehmen, denn es ist ein niedriger Zwergbusch, der kissenförmig zwischen den Felsen wächst und kaum höher als 10 cm wird. Er hat fleischige, grau-grüne Blätter, in denen er Wasser speichern kann, überlebenswichtig in dieser extrem trockenen Küstenzone. Die Pflanze steht im nationalen und lokalen Katalog der geschützten Arten in der Kategorie „vom Aussterben bedroht“. Gründe für das Aussterben sind ausschließlich die menschlichen Aktivitäten: Straßenbau, Müllablagerungen, Gesteinsabbau und Ziegenverbiss. Die Piñamar wächst ausschließlich hier an der Ostküste. Im Jahr 2007 hat die kanarische Regierung einen eigenen Schutzplan für sie entwickelt.

Ein genau so unauffälliger Busch ist der „corazoncillo canario“, das kleine Herzchen. Er ist eine Hornklee-Art mit wunderhübschen kleinen Blüten, die wie winzige Herzchen aussehen, auch er ist eine endemische Art. Natürlich gibt es hier auch noch die bekannten Tabaibas und gelegentlich einen Cardón, beides Euphorbien. Aber alle Pflanzen sind niedrig und ducken sich in Vertiefungen oder zwischen den Felsen so nah wie möglich an der Erde, nicht zuletzt, weil hier meist in gnadenloser Wind weht.

Und dieser macht das Wandern oft doch etwas anstrengend, obwohl der Weg selbst nicht schwierig ist.

Man beginnt die Wanderung am besten am Ortseingang von Las Eras. Gleich beim Sportplatz und dem Mini-Kreisverkehr gibt es eine freie Fläche, wo man gut parken kann. Wer mit dem Bus kommt, muss von der Autobahnausfahrt die Zubringerstraße hinunter gehen.

Man geht direkt auf das weiße Haus zu. Dort beginnt ein Wanderweg, der leicht ansteigt und bald an einer kleinen Felswand zu enden scheint. Aber man kann problemlos dort hinauf klettern. Oben trifft man dann auf einen mit Steinen begrenzten Weg, der nun immer mehr oder weniger an den steilen Klippen entlang verläuft. Der Steilabbruch ist etwa 30 m hoch, aber wenn man auf dem Weg bleibt, besteht keine Gefahr.

Nach Umrundung der Halbinsel hat man einen perfekten Blick Richtung Norden und sieht in der Ferne auch schon den Felsen von Los Roques im Meer. Nach rund 900 m trifft man zwangsläufig auf einen breiteren, ebenfalls mit Steinen eingefassten Weg (dem späteren Rückweg) und geht nach rechts weiter. Man befindet sich jetzt ungefähr unterhalb der Autobahnausfahrt. Der Weg führt kurz durch eine Zone mit weißem Tuffgestein, Ablagerungen von Aschen eines pyroklastischen Vulkanausbruchs. Danach zweigt rechts wieder ein deutlicher Wanderweg ab, der ein kleines Tälchen durchquert. Dann hält man sich wieder rechts und kommt wieder ganz nah an die Klippen.

350 m weiter gibt es ein kleines Problem: Der Barranco de Borondino muss durchquert werden. Nach Regenfällen fließt hier tatsächlich ab und zu Wasser. Man erkennt auch viele kleine Vertiefungen mit Sandablagerungen. Kurz oberhalb des Steilabbruchs zum Meer kann man zwischen den Felsen hinunter und auf der anderen Seite wieder hinauf klettern, auch wenn es auf den ersten Blick nicht so aussieht.

Nur 100 m weiter darf man eine kleine betonierte Rinne direkt an der Klippe nicht verpassen. Wenn man sich ihr SEHR VORSICHTIG nähert, sieht man die Überraschung: Unten auf den Felsen befindet sich eine Ruine. Dort hat tatsächlich irgend jemand irgend wann ein Haus und eine Anlegestelle gebaut. Was für eine Arbeit an dieser unzugänglichen Stelle! Direkt neben der Ruine ist ein so genanntes „Blasloch“, wo bei starkem Wellengang eine Wasserfontäne mehrere Meter hoch in die Luft schießt.

Beim Beobachten und Hinunterschauen ist absolute Vorsicht geboten. Achtung an der Kante! Hier besteht Absturzgefahr! Es ist nicht ratsam, zur Ruine hinunter zu klettern.

Danach schwenkt der Weg nach links und längs einer Bucht landeinwärts. Auch dort unten liegt wieder eine Anlegestelle mit einer Hütte. Hier mündet der Barranco de la Canal. Er ist tiefer und steiler und kann an dieser Stelle nicht durchquert werden. Man geht nach oben und zwischen ehemaligen Ackerterrassen hindurch geradewegs auf den Tunnel der Autobahnunterführung zu. Gleich nach dem Wasserbecken beginnt nach links der einfache Rückweg.

Theoretisch könnte man hier nach rechts weiter gehen bis nach Los Roques. Aber der Weg verläuft weitgehend ziemlich nahe an der Autobahn und ist nicht so schön. Auch auf einem undeutlichen Pfad nahe der Klippen könnte man weiter wandern, doch den schönsten Teil von La Hondura hat man schon gesehen.

Auf dem Rückweg sieht man links unterhalb ein unscheinbares Gemäuer. Es ist der „Pozo de Las Eras“, ein alter Brunnen. In früheren Zeiten legten die Bewohner der Gegend solche Zisternen an. Sie waren mit den großen Kieselsteinen der Küste ausgemauert, 2 – 3 m tief, und man konnte über mehrere Stufen hinunter steigen. Dort sammelte sich nach dem Winterregen für ein paar Monate Wasser an. Als Trinkwasser war es nicht geeignet, aber man konnte ab und zu ein paar Eimer voll zum Bewässern holen. Auch direkt an der Küste gab es solche Pozos, in die bei steigender Flut unterirdisch Meerwasser eindrang, das durch die Filterung im Gestein seinen Salzgehalt reduzierte. Zum Trinken war aber auch dieses Wasser nicht geeignet. Direkt am Strand von El Socorro (Güímar) sieht man noch heute so einen Brunnen.

Wer vom Weg aus zum Brunnen hinuntergehen will, kann dies tun. Aber es gibt nicht wirklich etwas zu sehen. Der Brunnen ist von einer Betonmauer umgeben und der Schacht selbst ist zugedeckelt.

Ein Stück weiter durchquert man wieder den flachen Barranco Borondino, 50 m weiter biegt man nach einer Schranke links ab und geht auf dem schon bekannten Weg zurück. Dieses Mal bleibt man aber auf dem breiten Weg, der schließlich an der Straße zur Autobahn endet.

Entfernung: 4,3km
Zeitbedarf: 1 h 45 min
Tiefster Punkt: 14 m, höchster Punkt: 54 m

Karte

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Mehr über Las Eras erfährst du hier: Unter falschem Namen.

Und du kannst diese Wanderung mit einer anderen eine spannenden kombinieren, sie führt zum größten Felsbogen der Insel und beginnt auch in Las Eras: Hart wie Stein.


Artikel-Nr. 10-4-231

4 Gedanken zu “An der Kante

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