Hart wie Stein

Kleine Schlucht mit großem Abschluss.

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Der größte natürliche Felsbogen Teneriffas aus Basalt ist nicht einfach zu finden. Die Wanderung durch den Barranco de La Linde lohnt sich nicht nur wegen des Ziels, auch die Landschaft in dieser stillen Schlucht ist sehenswert.

Durch den Barranco de La Linde verläuft genau die Grenze zwischen den Municipios von Fasnia und Arico (daher auch der Name). Er mündet in dem kleinen Ort Las Eras ins Meer. Der Ort besteht aus zwei Teilen, nördlich des Barrancos liegt der zu Fasnia gehörende Ortsteil. Es ist ein verschlafenes Dorf mit 200 Einwohnern, das nur ein paar Straßenblocks hat und ein einziges kleines Café-Restaurant an der verlassenen Plaza. Noch viel trauriger sieht es im südlichen Ortsteil aus, der zu Arico gehört. Hier sind die drei Straßen noch nicht mal asfaltiert, und viele Häuser sind in halbfertigem Zustand wieder verlassen worden. Hier gibt es Schilder, die nirgendwo hin führen, keine Straßenbeleuchtung und keine Gehwege. Hier ist Teneriffa so, wie es in keinem Reiseführer steht.

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1801068_1Dort wo die Straße zwischen den beiden Ortsteilen den Barranco quert, kann man das Auto abstellen, direkt auf der breiten Schotterfläche. Hier treffen sich auch ein paar Camper mit dem Wohnmobil oder Taucher, für die der abgeschiedene Küstenabschnitt interessante Tauchgänge bietet.

Aktualisierung Juli 2018:

Barranco la linde Camper_Laopinion (Foto: La Opinon)

Die Einfahrt in den Barranco wird nun durch Poller verhindert. An manchen Tagen sind es einfach zu viele Wohnmobile gewesen, die dort abgestellt wurden. Die Anwohner haben sich über Lärm und Dreck beschwert. Es handelt sich nicht um einen offiziellen Campingplatz mit den notwendigen Installationen für die Camper.

Der Weg ist einfach zu finden. Man folgt dem Talgrund und kommt nach 500m zu einem Tunnel unter der Autobahn.

Auch danach geht man einfach weiter im Bachbett, mal felsig, mal sandig. Rechts und links erheben sich senkrechte Felswände aus Basalt. Hier fällt die säulenförmige Anordnung der Basaltergüsse auf. Durch die Hitze der Gesteinsschmelze in der Tiefe und gleichzeitiger langsamer Abkühlung an der Oberfläche entstehen vertikale Konvektionszellen, die nach der Verfestigung als hexagonale Säulen erscheinen. Durch Spannungs- und Dehnungskräfte bilden sich Spalten, bis schließlich nach langer Zeit die Blöcke auseinanderbrechen.

Die Steine im Bachbett dagegen sind glatt geschliffen, ein Zeugnis dafür, dass die gestaltende Kraft des Tals das fließende Wasser ist, auch wenn dies nur alle paar Jahre mal vorkommt. Aber die Natur hat ja viel Zeit.

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Ein paar Stellen sind etwas steiler, doch meist kann man die kleinen „Wasserfälle“ umgehen. Nur einmal, nach etwa 3km, macht ein etwas steilerer Absturz Schwierigkeiten, dort haben Wanderer ein paar Steinbrocken hingeworfen, damit man auf den etwa 1m hohen Absatz hinaufklettern kann. Wer das geschafft hat, muss versuchen, sich irgendwie über die glatten Felsen nach oben zu arbeiten. Beim Rückweg wird es einfacher sein, denn die glatten Felsen sind eine gute Rutschbahn.

Nach etwa 90 Minuten Wanderzeit teilt sich die Schlucht, das ist gut sichtbar. Zuerst geht man in dieses Seitental nach rechts hinein. Dort sind riesige Felsblöcke aus der Steilwand herausgebrochen und versperren den Weg. Durch das Gebüsch geht es aber trotzdem weiter, bis man vor einem großen, glatt geschliffenen Felsabfall steht, an dem es offenbar kein Weiterkommen gibt.

Rechts oberhalb liegt die gewaltige Naturbrücke „Arco de La Linde“, aber man kann sie leider von unten nicht sehen. Deshalb geht man zurück und sucht den nicht sehr gut sichtbaren Weg, der aus dem Tal heraus auf die Anhöhe führt. Weiter oben hält man sich links durch verlassene Ackerterrassen und steht alsbald ziemlich unvermittelt vor dem Felsbogen.

Der „Arco de La Linde“ oder „Arco del Jurado“ ist der größte Basaltbogen Teneriffas mit einer Spannweite von 50m und eine Höhe von 25m. Er besteht aus sehr harter basaltischer Lava, die der Wasser- und Winderosion mehr standhält als die darunter liegenden Schichten. Er ist etwa 5m breit und man kann bequem und ohne Gefahr darüber hinweg gehen.

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Es ist auch nicht schwierig, unter dem Bogen hindurch ins Tal hinunter zu steigen. Das ist unbedingt empfehlenswert, denn von unten erkennt man die ganze gewaltige Größe. Unten steht man genau an dem Steilabfall, wo es vorhin nicht weiter ging. In manchen Wanderbeschreibungen wird behauptet, man könnte dort hinunter oder von unter herauf klettern, aber das ist nicht empfehlenswert.

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Nach einer Rast im Schatten der Brücke macht man sich auf den Rückweg nach Las Eras. Man könnte auch auf der dem Bogen gegenüber liegenden Talseite aufsteigen. Oben befinden sich verlassene Weinfelder, durch die man zur Straße Las Eras – Icor kommen würde, aber dieser Weg ist nicht sehr hübsch. Auch ein Aufstieg nach Icor wäre möglich. Über das denkmalgeschützte Dorf gibt es hier einen extra Artikel: Das vergessene Dorf.

Im Barranco selbst wird es weiter oben etwas komplizierter:

Entfernung: 3,6 km einfache Strecke
Gehzeit: 3 h hin und zurück
Höchster Punkt: 168 m
Karte:
BarrancoWeg

Gehe zu Googe Map:

Ein völlig anderen Felsbogen ist die Brücke von Tajao. Einen kleinen Basaltbogen gibt es auch im Ort Varadero: Im Abseits (I).

Diese Route als pdf und kmz-Datei für Google Earth: Lies nach auf der Seite SERVICE und schreib mir eine Mail.


Artikel-Nr. 10-1-101

3 Gedanken zu “Hart wie Stein

  1. Eine wunderschöne Wanderung die wir im April nachgelaufen sind. Danke für diesen Wandertipp. Traumhaft. Viele Grüße aus dem Elbtal.

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      • Das wird schwer. Wir kommen seit 16 Jahren zu Besuch, vor 6 Jahren hat uns der Hund unserer Gastgeberin adoptiert und seit dem sind wir jeden Tag mit dem besten Freund der Welt auf Wanderschaft. Vier Wanderbücher verschlissen. Da war diese Tour ein echtes Highlight.

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