San Juan de la Rambla.
In den senkrechten Felswänden oberhalb der Stadt gibt es einen alten Pfad mit einer langen Geschichte. Vermutlich gingen schon die Guanchen dort hinauf und herunter. Aber Jahrhunderte lang wurden hier auch die Toten herunter getragen, denn nur unten im Ort gab es einen Friedhof. Der alte Weg war früher auch die einzige Verbindung zu den höher gelegenen Weilern von Mazapé.

Man kann den „Camino de los Difuntos“ gut von unten erkennen. In vielen Zickzack-Kurven steigt er in der senkrechten Felswand nach oben. Diese Wände gehören zur archäologischen Schutzzone „Acantilados de Campeche y Tigaiga“, die von Los Realejos bis nach San Juan de la Rambla reicht. Dort gibt es zahlreiche Höhlen und überhängende Felsen, die den Guanchen als Wohnung gedient hatten, entsprechende Funde bestätigen dies.
Direkt oberhalb des Ortes befindet sich auch ein alter Steinbruch, wo die Lavasteine abgebaut wurden, die man dort bei vielen Häusern sehen kann. Es sind so genannte Ignimbrite.
Der Eruptionsprozess einer „Feuerwolke“ erzeugt Schichten unterschiedlicher Farbe und Konsistenz. Bei diesem Phänomen wird das Magma wie ein riesiger Sprühnebel verteilt. Die Partikel werden durch glühende Gase verflüssigt. Wenn die Wolke zum Stillstand kommt, verschmelzen die flüssigen Massen zu einem Ganzen und bilden das Ignimbritgestein.

Ignimbrit (Feuerwolkenstein) zeichnet sich durch seine „Flammen“ aus. Es handelt sich um Obsidian- oder Bimssteinmassen, die, noch plastisch, in das Innere der Feuerwolke eingetaucht, in Strömungsrichtung gedehnt wurden. Je nach Ausrichtung des Schnitts im Gestein sieht man ganz unterschiedliche Formen.

Der Steinbruch von San Juan de la Rambla ist seit den 1950er Jahren geschlossen, hatte aber eine große historische Bedeutung. Wegen seiner Festigkeit, aber auch wegen der interessanten Struktur war der Ignimbrit ein beliebter Baustein.
Vor ungefähr 9300 Jahren gab es auf der Nordflanke des Teide mehrere Ausbrüche. Die meisten Lavaströme flossen in das „Tal“, das nach dem großen Flankenabriss vor 180 000 Jahren entstand. Diese sieht man heute an der Küste von Santa Catalina. Lies dazu den Artikel Der Teide auf Meereshöhe. Einer der Lavaströme verzweigte sich aber, floss über das Tigaiga-Massiv und bildete unten an der Küste eine breite Plattform, auf der sich heute die Stadt San Juan de la Rambla befindet.
In diesen Lavastrom grub die Erosion später eine tiefe Schlucht, den Barranco de Poncio. Und diesem folgt am Anfang die hier beschrieben Wanderung.
Am besten beginnt man die Tour im Zentrum des Ortes bei der Kirche von San Juan. Alles über die Stadt findest du hier: 500 Jahre Geschichte. Man geht in die Calle Estrecha, wo man viele Häuser mit dem dunklen Lavastein sehen kann. Vorbei an einem kleinen Platz mit einem Brunnen biegt man nach knapp 200m links ab in die Calle La Ladera. An deren oberen Ende kommt man zur Kapelle de la Cruz, ein schönes Beispiel volkstümlicher Sakralarchitektur aus dem Jahr 1928. Die Formsteine an den Ecken, der Türbogen und der Glockenaufsatz sind ebenfalls wieder aus dem beschriebenen Ignimbrit.




Geradeaus hinter der Kapelle geht man in eine Gasse und bei dem Haus mit den vielen Blumentöpfen über den Steg, der die TF-5 überquert. Es sieht so aus als ob dieser nicht mehr so oft begangen wird. Den Grund merkt man gleich auf der anderen Seite. Dort steigt ein Pfad den Hang hinauf, der teilweise verschüttet und zugewachsen ist und deshalb nicht mehr so gerne genutzt wird. Die Anwohner der Häuser weiter oben fahren sicher lieber mit dem Auto hinauf. Aber als geübter Wanderer schafft man diesen Abschnitt schon.



Oben an der Straße geht man 10m nach rechts und dann weiter auf einem betonierten Weg hinauf. Dieser endet bei einer Treppe, und gleich danach beginnt der Wanderweg in die Schlucht hinein. Man kommt zu einem Wasserrohr und geht immer geradeaus weiter, nicht abbiegen! Danach muss man das betonierte Bachbett überqueren, auf beiden Seiten gibt es Treppen.
Nun beginnt der Aufstieg im Barranco de Poncio. Rund 150 Höhenmeter wird man nun hinauf schnaufen. Der Weg ist mitunter recht steil, verläuft aber dazwischen immer wieder auf verlassenen Ackerterrassen. Weiter oben bemerkt man, dass man eigentlich auf einem Grat zwischen zwei Schluchten wandert. Links befindet sich der tiefe Barranco de Poncio, rechts eine etwas sanftere Nebenschlucht. Auf der anderen Seite des Barranco de Poncio befanden sich die bereits erwähnten Steinbrüche. Man sieht, dass die Felsen dort glatt bearbeitet sind, wo das Gestein abgebaut wurde.


Gegenüber, ganz oben am Rand der Schlucht, sieht man die Gebäude des neuen Friedhofs der Gemeinde. Der alte unten in der Stadt war schon in den 70er Jahren nicht mehr ausreichend und man plante einen neuen. Der Bau war nur möglich auf halber Höhe zwischen San Juan und San José, dem anderen größeren Stadtteil der Gemeinde. Die Kosten beliefen sich auf 15.769.957 Pesetas, von denen die Stadt 25% beisteuern musste. Der Friedhof konnte aber erst 1983 eingeweiht werden. Nun werden die Toten von unten nach oben gebracht.



Der anstrengende Aufstieg dauert etwa 30 Minuten, bis man ganz oben zu einem Stromturm kommt, und gleich danach zur Straße Orilla de la Vera. Auf dieser geht man nun nach links etwa 900m, mit wunderschönen Ausblicken über die Hochebene von Mazapé. Hier ist schon seit dem 16. Jahrhundert ein intensiv landwirtschaftlich genutzter Raum. Weinfelder sieht man heutzutage aber immer weniger. Natürlich gibt es auch einen Blick zum Teide.








Die Abzweigung zur Finca San Juan ist klar beschildert. Es geht 200m geradeaus hinunter (auf dem Hinweisschild kann man zwischen 100m und 300m wählen) zum Landhotel Finca San Juan.




Die Straße knickt unterhalb des Hotels nach links, und vorbei am ehemaligen Tennisplatz kommt man zu einem Wald aus hohen Schilfrohr. Dazwischen geht eine Treppe hinunter, der Weg auf der anderen Seite des Tälchens verläuft dann entlang einer Mauer.
Weiter unten, am Ende der Mauer, geht der Weg nach links. Aber hier sollte man noch etwa 20m weiter geradeaus gehen auf eine kleine Verebnung. Dort hat man einen perfekten Blick über die Küste und hinunter nach San Juan und Las Aguas. Achtung: Nicht zu nahe an den Rand gehen! Dort geht es 100m senkrecht hinunter, es besteht Absturzgefahr. Der Rand ist nicht gesichert.




Hier ist ein wichtiger Platz, wo jedes Jahr in der Nacht von San Juan (23./24. Juni) eine alte Tradition stattfindet, die von Ricardo González wiederbelebt wurde. Er interessierte sich schon als Kind für das Spiel auf der Muschel und studierte lange dieses Musikinstrument, das in früheren Zeiten auch wichtiges Kommunikationsmittel war. Seit 2009 gibt es nun den Event „Resonar del Bucio“, der genau an dieser Stelle stattfindet.





Der Bucio ist ein Blasinstrument, das aus einer Meeresschnecke, der Charonia lampas, besteht. Das der Öffnung gegenüberliegende Ende wird abgeschnitten, um dort hineinblasen zu können. Eine der häufigsten Verwendungszwecke war es, festliche oder nützliche Signale zu geben, Nachrichten unter den Ureinwohnern zu übermitteln, vor einem Piratenangriff zu warnen, auf die Ernte, eine Beerdigung oder als Wecker hinzuweisen. Später wurde es für die Inselbevölkerung unverzichtbar: zur Brandmeldung, zum Arbeitsbeginn oder einfach zum Klatschen und Tratschen. Die Klangmöglichkeiten sind unendlich und bilden einen Code, den man kennen muss, um den Klang (sanft, mit kurzen und lauten Tönen, lang und kontinuierlich…) zu deuten, wenn man die Botschaft verstehen will. Seine Verwendung ist heute Teil der traditionellen Folklore.
Viele Menschen treffen sich hier in der Johannisnacht, blasen auf den Muscheln, entzünden Feuer, leuchtende Kreuze und Fackeln und gehen mit diesen den alten Weg hinauf und wieder hinunter in die Stadt. Schau dazu dieses Video an.
Genau hier beginnt nun auch der Abstieg auf dem Camino de los Difuntos, dem Weg der Toten. Man musste sie lange Zeit von den oben liegenden Dörfern hinunter tragen in die Stadt, weil es dort den einzigen Friedhof gab. Einfach war das sicher nicht. Nicht nur deshalb ist dieser Weg gut ausgebaut. Er war die wichtigste und einzige Verbindung zwischen dem Ort an der Küste und dem für die Landwirtschaft wichtigen Hochplateau Mazapé. Das Steinpflaster ist auch heute noch gut erhalten, und der Weg ist perfekt in die Felswand hinein gebaut.





An den Mäuerchen und in Felsnischen bemerkt man schwarze Stellen oder angekohlte Steine, denn hier werden in der Johannisnacht Fackeln und Kerzen aufgestellt, die den ganzen Weg beleuchten.
Er ist richtig steil, aber mit Vorsicht ganz gut zu gehen. Ziemlich genau 100 Höhenmeter weiter unten kommt man zu einer kleinen Brücke und überquert danach wieder die TF-5. In der Calle Oramas geht man nach rechts zurück zur Kirche.
Entfernung: 3,4 km
Gehzeit: 1,5 Std.
Höchster Punkt: 260 m, tiefster Punkt 60 m
Einstufung: B2**WWRB (Erklärung siehe hier)
Karte:


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Eine komplette Beschreibung der Geschichte von San Juan findest du im Artikel 500 Jahre Geschichte.
Friedhöfe auf halber Höhe gibt es mehrere auf der Insel, z.B. auch dieser: Friedhof mit Aussicht.
Artikel-Nr. 24-0E4E928C
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