Monteverde

Durch den Wald von La Orotava

Wer einfach nur mal auf bequemen Wegen durch den Wald gehen will, findet in der Bergen von La Orotava viele Möglichkeiten. Ein Ausgangspunkt ist oft Aguamansa, am Rand des Waldes, von wo aus viele in die Berge hinauf steigen. Aber man kann auch ohne große Aufstiege spazieren gehen. Der Camino de la Orilla führt am unteren Rand durch den dichten Märchenwald.

Diese Wanderung bietet keine spektakulären Highlights und auch keine sensationellen Aussichten. Sie verläuft im ersten Teil auf einer ebenenWaldpiste durch den Kiefernwald, wo man auch mal in kräftigerem Tempo ausschreiten kann. Nach Besichtigung einer Galería kommt man nach einem kurzen, steilen Abstieg zu einem Picknickplatz, und der Rückweg verläuft komplett im Schatten des Mischwaldes.

Beginn und Ende der Wanderung ist beim Restaurant Los Andes direkt an der TF-21. Wenn man nicht gerade am Sonntag Nachmittag kommt, gibt es dort immer Parkmöglichkeiten. Genau gegenüber führt ein kleines Sträßchen aufwärts. Dort sieht man noch ein paar alte, mit Stroh gedeckte Hütten, die so genannten Pajares. Dies war die traditionelle Bauform der ländlichen Bevölkerung. Das Haus hat einen rechteckigen Grundriss, die Mauern sind aus teilweise behauenem Naturstein, falls Kalk und Sand zur Verfügung standen, wurden sie auch verputzt. Auf den Mauern ruht ein vierseitiges Holzgerüst, das mit Stroh oder Palmblättern gedeckt wurde. Die Dachneigung ist steil, denn hier in der Gegend regnet es viel, und so kann das Wasser schnell abfließen. Die Dachkonstruktion heißt hier „tapumen“ und wird von speziell ausgebildeten Dachdeckern, den „tapadores“ ausgeführt.

Die Pajares wurden sowohl als Speicher oder Stall als auch als Wohnung genutzt. Sie lagen oft auch weit außerhalb der Siedlungen und dienten als vorübergehende Wohnstätte der Landarbeiter, den „medianeros“. Gerade im Raum von Aguamansa und Pinolere gibt es noch viele alte Exemplare. Im Freiluftmuseum von Pinolere sind sie auch interessant hergerichtet.

Leider sind die hier am Weg liegenden Hütten ziemlich heruntergekommen. Es war hier früher einmal ein kleiner Picknickplatz, aber der ist ziemlich verwildert. Man sieht auch noch einen kleinen Dreschplatz.

Der Weg geht dann weiter oben bald in eine ebene Waldpiste über. Nach 350m biegt man links ab, dort weist eine Beschilderung auf einen Waldpfad Richtung La Caldera und Pista Benijos, der ein kurzes Stück etwas steiler ansteigt, aber es sind nur 35 Höhenmeter. Er trifft dann auf eine Piste, der man zunächst nach links folgt. Sie überquert einen Wasserkanal, dort biegt man scharf nach rechts und kommt nach 250m auf die Pista Benijos, knapp unterhalb der TF-21, etwa bei der Abzweigung zur Caldera.

Dort zeigt ein Wegweiser die Richtung zum Picknickplatz Chanajiga an, aber der ist noch viel weiter weg. Die nächsten drei Kilometer geht man ohne Schwierigkeiten auf dieser Piste. Alle Abzweigungen lässt man unbeachtet. Es ist ein bequemer, allerdings auch nicht sehr abwechslungsreicher Wanderabschnitt. Die Sicht ins Tal ist nur selten möglich, auch der Aussichtspunkt Lomo Chillero ist ziemlich zugewachsen.

Interessant wird es nach einer deutlichen Linkskurve, wo nach rechts eine steile Piste abgeht, die mit einer Eisenstange versperrt ist. Dort geht man später hinunter. Aber zunächst einmal ist 100m weiter noch die Galería Pino Soler zu besichtigen. Hinter dem grün gestrichenen Arbeitsgebäude liegt der Stolleneingang.Im Kanal hört man das Wasser plätschern. Der Stollen fördert etwa 30 Liter pro Sekunde und ist 3868 m lang, mit einem Seitenast.

Das Wasser dieser Galería wird von hier über Kanäle entlang der ganzen Nordküste verteilt. Im April 2012 gab es hier einen Folgen schweren Zwischenfall. Zwei Männer hatten Dieselöl in den Kanal geschüttet. Sie wurden danach auch angeklagt, aber es stellte sich heraus, dass es unabsichtlich geschehen war. Von Santa Ursula bis Tegueste musste die Wasserversorgung abgestellt werden. Da das Wasser mehrere Stunden braucht, bis es in die Speicherbecken kommt, konnte man noch rechtzeitig alle Maßnahmen ergreifen.

Geologen haben in diesem Stollen Forschungen gemacht und konnten anhand von Lavaströmen in der Tiefe des Berges den großen Bergrutsch, bei dem das Orotavatal entstanden ist, auf ein Alter von etwa 532 000 Jahren (± 9 ka) datieren.

Von der Galería geht man nun wieder 100 m zurück bis zu dem Weg mit der Eisenstange, unter der man durchkriechen muss. Die Piste geht sofort steil abwärts, zunächst noch mit Kiefernnadeln bedeckt (Vorsicht: Rutschgefahr!), später betoniert. Weiter unten geht es zwischen verlassenen Feldern geradeaus bergab.

Kurz bevor die Piste eine Kurve macht, wundert man sich über ein „Denkmal“. Was das Symbol für das Ende der „Energía Contaminante“ bedeuten soll, ist rätselhaft. In der Kurve trifft man auf den Camino de Chasna. Das ist der alte Hauptverbindungsweg von La Orotava zum Teide, den vor Jahrhunderten schon Alexander von Humboldt gegangen ist. Man folgt ihm und verlässt die Piste dann nach rechts zwischen den Feldern, geradeaus weiter. Es ist ein Stück des Fernwanderwegs GR-131.

Über ein paar Treppen geht es dann hinunter zum Cruz del Dornajito. Unter einem Felsen befindet sich ein Kreuz mit Blumenschmuck. Weiter oben gibt es eine Quelle, an der sich die Reisenden auf dem Weg zum Teide mit frischem Wasser versorgten. Sie wurde zum ersten Mal beschrieben von dem englischen Naturforscher Edems auf seiner Reise zum Teide im Jahr 1715. Auch Alexander von Humboldt hat hier Rast gemacht und notiert, dass es die einzige Quelle mit gutem Wasser auf dem Weg sei, am Rand des Waldes. Das Wasser floss in ein kleines Becken, ein „dornajito“. Von Humboldt beschrieb sie als Fuente de La Perdoma, offenbar weil sich die Einwohner des viel weiter unten liegenden Dorfes La Perdoma damals von hier mit Wasser versorgten. Neben der Quelle gab es zu dieser Zeit noch eine mächtige Kiefer, die Schatten spendete. Sie wurde aber bei dem schweren Unwetter 1826 stark beschädigt und war Mitte des 19. Jahrhunderts schon verschwunden. (Lies mehr über das Unwetter im Artikel Der Tag, an dem die Jungfrau verschwand).

Die Schlucht, die hier beginnt, reicht hinunter bis zur Küste. Sie führt am Stadtteil San Antonio von La Orotava vorbei und unterquert die Autobahn beim Industriegebiet San Jerónimo. Dort heißt sie Barranco San Nicolás, später mündet sie in Puerto de la Cruz am Martiánez-Strand ins Meer.

Hier beim Cruz del Dornajito befindet sich heute ein ziemlich herunter gekommener Picknickplatz, aber in der Hütte steht noch ein Tisch für eine kleine Rast. Interessant sind auch die vielen weiß angemalten Felsblöcke.

Hinter der Hütte steigt man wieder kurz über ein paar Stufen hinauf und überquert eine Piste. Von nun an geht der Wanderweg fast horizontal durch den schattigen Wald. Etwa 250 m später überquert man eine weitere Piste, die zu einem etwas tiefer gelegenen Wasserhaus führt. Danach kommt ein etwas unbequemes Stück, wo es kurz ein bisschen steiler, entlang des Zauns abwärts geht. Danach verläuft der Weg wieder bequem, in leichtem Auf und Ab, durch den Wald.

Man trifft wieder auf eine befahrbare Betonpiste, geht nach rechts und kommt in einem Linksbogen aus dem Wald heraus. 100m nach dieser Kurve muss man die Betonpiste wieder verlassen und auf einem etwas zugewachsenen Weg schräg nach oben kurz aufsteigen, bis man zu einem Wasserbecken und einem Kanal kommt. Man folgt diesem durch verlassene Felder etwa 150 m und hält sich dann nach rechts oben. Danach ist der Weg nicht mehr zu verfehlen, und bald trifft man auch wieder auf Beschilderungen. Die letzten zwei Kilometer im märchenhaften Monteverde sind einfach und sehr schattig.

Man geht lange an einem Zaun entlang. Am Ende trifft man wieder auf die Piste, die beim Restaurant Los Andes herauskommt.

Das Restaurant bietet rustikale kanarische Kost und ist sehr zu empfehlen.

Entfernung: 8,4 km
Gehzeit: 3 Std.
Tiefster Punkt 995m, höchster Punkt 1145m

Karte:

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Andere schöne Waldwanderungen im Norden findest du hier:

Waldspaziergang (La Victoria), Kastanienrunde (Santa Ursula), Erholung im Wald (El Sauzal), Entdeckungstour (La Guancha)


Artikel-Nr. 19-11-239

2 Gedanken zu “Monteverde

  1. Pingback: Erholung im Wald | Mein Teneriffa - Mi Tenerife

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