Ein Tag der Blumen.
Der 3. Mai ist ein besonderer Tag auf Teneriffa, ein Tag von historischer Bedeutung. Der Tag des Kreuzes und ein Tag für die Blumen. Besonders in den Orten, die ein Kreuz in ihrem Namen haben. Santa Cruz, Puerto de la Cruz oder auch La Cruz Santa. In diesem Teilort von Los Realejos haben das Kreuz und die Blumen eine ganz besondere Tradition.

La Cruz Santa darf nicht mit Santa Cruz verwechselt werden. Es ist nur ein Dorf im westlichen Orotava-Tal, aber einmal im Jahr wird es zu einem ganz besonderen Dorf. Am diesem Feiertag ist das ganze Dorf auf den Beinen und beschäftigt, und aus der ganzen Region kommen Besucher, um die mit Blumen geschmückten Kreuze zu bestaunen.
Es war am 3. Mai 1494, als der Eroberer Fernandez de Lugo auf Teneriffa an Land ging und an einem Strand in Añaza, nahe dem heutigen Santa Cruz, ein rudimentäres Kreuz aus Holz aufstellte. Von diesem Tag an sollte die Insel dem spanischen Königreich gehören, und dieser Tag gilt als Gründungstag der Stadt Santa Cruz. Ein Soldat reichte ihm das schwere, grob gezimmerte, aber symbolträchtige Holzkreuz, und er rammte es mit aller Kraft in den Sand. Die Geste war ein Akt des Glaubens, der Aneignung und der Schaffung einer soliden Basis im feindlichen Gebiet. „Für das Kreuz und für die Krone“, dachte er, „und für mein eigenes Reich.“ Eine sichere Basis, ein „Heiliges Kreuz“, von dem aus er seine Feldzüge starten konnte, in einem Gebiet, von dem er wusste, dass er es mit aller Kraft erobern würde.

Es sollte noch einige Jahre dauern, mit Kriegen, Schlachten und auch mit schmerzlichen Verlusten auf beiden Seiten, bis dieser Plan endgültig verwirklicht wurde. Trotz allem, der 3. Mai ist ein Feiertag auf der Insel und ein arbeitsfreier Tag in allen Gemeinden, die ein Kreuz in ihrem Namen tragen. Das Holzkreuz am Strand blieb nach 1494 noch einige Jahre stehen. Zur Erinnerung daran schmückt man heutzutage überall am 3. Mai die Kreuze mit Blumen.

Aber es gibt noch einen anderen historischen Hintergrund. An diesem Tag wurde dem römischen Ritus der katholischen Kirche nach das Heilige Kreuz „entdeckt“ (Invención de la Santa Cruz). Es war der Kaiser Konstantin der Große, der im Jahr 326 seine Mutter, Santa Helena, nach Jerusalem schickte, um das heilige Kreuz zu suchen, und sie fand tatsächlich drei verbogene Holzstämme. Einer davon muss es wohl gewesen sein. Der Tag, an dem St. Helena starb, wird als Gedenktag an das Heilige Kreuz unter allen christlichen Gläubigen gefeiert.
Ursprünglich markierten die Feste im Mai das Ende des Winters und feierten die Fruchtbarkeit der Erde mit dem Einzug des Frühlings. Im Laufe der Jahrhunderte verschmolz diese Tradition mit dem christlichen Glauben, insbesondere mit der Entdeckung des Kreuzes Christi durch die Heilige Helena.
Hat nun Fernandez de Lugo rein zufällig an diesem Tag Teneriffa in Besitz genommen? Hat er das absichtlich so geplant? Oder ist das alles nur eine nachträgliche Erfindung der Geschichtsschreiber? Für alle, die an diesem Tag feiern wollen, spielt das keine Rolle. Und diejenigen, die ihre Kreuze mit Blumen schmücken, machen es, weil es eine lange Tradition hat.
Natürlich schmückt auch die Hauptstadt Santa Cruz ihre Kreuze und stellt viele Kunstwerke auf den Straßen auf. Aber in dem kleinen Dorf La Cruz Santa ist diese Tradition noch tief im Bewusstsein seiner Bewohner verwurzelt, und jeder, der im Dorfzentrum lebt, beteiligt sich daran.



Knapp hundert Kreuze sollen es sein, die jedes Jahr in den engen Gassen des Dorfes geschmückt werden. Vor jedem Hauseingang verwandelt sich ein sonst unscheinbares Kreuz zu einem kleinen Kunstwerk. Hinter den Fenstern werden sie beleuchtet, und Garagen werden geöffnet und zu einem kleinen Altar umdekoriert. Es gibt jedes Jahr einen detaillierten Ortsplan, auf dem alle Häuser mit Blumenkreuzen markiert und nummeriert sind.









Die Tradition der Kreuze in diesem Stadtteil geht tatsächlich auf eine zwischen Legende und Wirklichkeit liegende Geschichte zurück, die sich angeblich im Jahr 1666 abgespielt hat. Damals hieß der Ort noch Pago de la Higa. Ein Ritter aus einer benachbarten Hacienda wollte auf seinem Pferd die Schlucht zwischen Los Realejos und La Orotava überqueren, aber das Pferd weigerte sich. Der Ritter schlug das Pferd, es bäumte sich auf und warf seinen Reiter ab. Wie auf einer Gedenktafel an einem Steinkreuz im Kreisverkehr zu lesen ist, „kam ein Ritter an diesen Ort, fiel von seinem Pferd und landete neben einem verlassenen Kreuz in dieser Schlucht von La Raya und rief aus: ‚Oh, Heiliges Kreuz, du hast mich gerettet!‘“. Später ließ der Gutsbesitzer an dieser Stelle, die als „Montículo de la Suerte“ (Hügel des Glücks) bekannt ist, eine Kapelle errichten. Ob dies nun tatsächlich geschah oder nicht, es wurde seitdem akzeptiert und weitergegeben und durch die Blumenkreuze bis heute erhalten.









Im Jahr 1713 wurde die Kapelle durch eine Sturzflut zerstört, woraufhin der Bau der heutigen, aus Stein errichteten Kirche ins Auge gefasst wurde. Sie steht im bescheidenen Zentrum des Ortes, der seitdem La Cruz Santa heißt. Gegenüber am Hauptplatz des Ortskerns von La Cruz Santa steht das Casino. Es wurde 1950 erbaut und dient heute als kulturelles und soziales Zentrum der Region. Auch dort findet man üppigen Blumenschmuck:
Die Fiestas de la Cruz in Los Realejos wurden im Jahr 2009 offiziell als „Fest von touristischem Interesse der Kanaren“ und 2015 als „Fest von nationalem touristischen Interesse“ deklariert und bieten noch viel mehr als geschmückte Kreuze. Die Stadt feiert das größte Ereignis des Jahres mit Prozessionen, Tanz und Musik und einem spektakulären Feuerwerk in der Nacht. Es gilt als das größte und längste Feuerwerk Europas und dauert mehrere Stunden. Zwei Firmen, die Feuerwerkskörper in Los Realejos herstellen, wetteifern jedes Jahr um die Gunst der Zuschauer und versuchen, sich gegenseitig mit speziellen Effekten zu übertreffen. Das Feuerwerk wird hauptsächlich durch Spenden der Bevölkerung finanziert. Nicht nur auf der freien Fläche außerhalb von Realejo Alto, sondern auch mitten in den Straßen knallt und blitzt es Stunden lang.





Im Schatten des großen und von der Stadt massiv beworbenen Festes besteht leider auch die Gefahr, dass die Tradition der bescheidenen Blumenkreuze in La Cruz Santa in den Hintergrund gerät. So sehen es die Anwohner. Dieses moderne Fest, das den Namen „Cuenta Atrás“ trägt (so genannt natürlich, weil es am Abend vor dem großen Feuerwerk am 3. Mai stattfindet), hat die Kreuze des Viertels und damit eine Jahrhunderte alte Tradition verblassen lassen, die in anderen Gemeinden zu einer touristischen Attraktion wurde, aber ohne historische Verwurzelung.







Die kritischen Anwohner haben der Stadträtin des Stadtteils die Situation und ihre Bedenken dargelegt, befürchten jedoch, dass sich die Lage nicht nur nicht ändern, sondern sogar noch verschlimmern könnte. Es würde schon reichen, dieses Fest um einen Tag (auf den 1.) zu verschieben, damit die alte Tradition nicht weiter gefährdet wird, was zumindest in La Cruz Santa Unbehagen hervorruft.
Am 3. Mai ist La Cruz Santa auf jeden Fall einen Besuch wert, es wird ein ganz besonderer Feiertags-Spaziergang
Aufgepasst: 2026 fällt der 3. Mai auf einen Sonntag. Der offizielle Feiertag wird deshalb kurzerhand auf den Montag verlegt.
Außerdem gibt es im Mai in Los Realejos noch den größten Viehmarkt der Insel (Alles, was vier Beine hat) und die größte Romería der Insel (Volksfest).
Artikel-Nr. 21-0C862E97
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