Punta del Hidalgo

Einmal rundherum.

Einmal die Halbinsel von Punta del Hidalgo umrunden, das ist ein angenehmer Abendspaziergang. Zu sehen gibt es den Leuchtturm, die wilde Nordküste des Anaga und meistens auch beeindruckende Wellen.

Punta del Hidalgo gehört zur Gemeinde La Laguna und ist der letzte Ort an der Nordküste, wo die Straße TF-13 im Osten des Ortes endet. Er hat etwa 2500 Einwohner. Im Zentrum gibt es großes Naturschwimmbecken und einige Hotels und Appartementhäuser. Angeblich geht der Name zurück auf einen untergeordneten Herrscher der Guanchen namens Aguahuco.

Hidalgo, hijodalgo oder fidalgo (aus dem altspanischen und abgeleitet vom lateinische fide = treu) ist ein Adliger der untersten Kategorie. Der Begriff bezieht sich auf den hijo de algo, also Sohn von etwas. Sohn eines bestimmten Geschlechts, wobei das Wort „etwas“ in seinen verschiedenen Kontexten unterschiedliche Bedeutungen hatte und „edel“, „wertvoll“ oder „gut“ bezeichnete.

Punta del Hidalgo verdankt seinen Namen der Tatsache, dass dieses Gebiet der Überlieferung zufolge in der Zeit der Guanchen von einem Achimencey oder Edelmann namens Zebenzui regiert wurde, der bei der Aufteilung der Insel unter den verschiedenen Guanchenkönigen dieses kleine Gebiet erhielt und daher als „armer Edelmann” bekannt war.

In der Zeit der Guanchen bildete das Gebiet von La Punta eine vom Rest der Königreiche oder Menceyatos unabhängige politische Einheit, die zwischen den Stämmen von Anaga und Tegueste lag. Die Überlieferung berichtet von zwei ihrer Herrscher, bekannt als Aguahuco und Zebenzuí, wobei letzterer an den Ereignissen der Eroberung beteiligt war.

Während der Eroberung der Insel zwischen 1494 und 1496 gehörte La Punta del Hidalgo zu den sogenannten Kriegsfraktionen, den Guanchen-Königreichen, die gegen die Europäer kämpften. Nach Beendigung des Krieges im Jahr 1496 begann Alonso Fernández de Lugo mit der Verteilung von Land und anderen Gütern unter den Eroberern und Kolonisten. La Punta wurde 1504 an Diego Sardina übergeben.

La Punta war bis 1812 eine selbstständige Gemeinde unter dem Schutz der Verfassung von Cádiz, dann wurde es von Tejina anektiert und schließlich 1850 zusammen mit Tejina in die Gemeinde La Laguna integriert. In den 1960er Jahren wurde es mit dem touristischen Aufschwung zu einer der wichtigsten Tourismuszonen im Norden der Insel.

Punta del Hidalgo war – wegen der phantastischen Wellen und trotz der gefährlichen Felsküste – ein Ort, an dem in den 60er und 70er Jahren das Surfen etablierte. Fotos der Ortschaft sind in dem Dokumentarfilm The Far Shore der Kalifornier Kevin Naughton und Craig Peterson zu sehen. Dieser Film zeigt die journalistische und fotografische Arbeit, die diese Reporter 10 Jahre lang für das Surfer Magazine geleistet haben, indem sie ihre Reisen um die Welt dokumentierten und erzählten.


Man beginnt die Wanderrunde am besten an der Promenade. Dort oder in den Nebenstraßen gibt es genügend Parkplätze. Der Weg an der Küste entlang Richtung Leuchtturm ist nicht zu verfehlen, er ist eine Piste, die aber für den Verkehr gesperrt ist.

Nach 350m kommt man an einer Hütte vorbei, die zur Vogelbeobachtung aufgestellt wird. Gerade am Abend kann es gut sein, dass man hier einige Vögel sehen kann, die in Bild und Text auch in der Hütte erklärt werden. Ein Fernglas ist dazu hilfreich, denn der Meeresboden ist hier ein flaches, felsiges Plateau, das sich weit Richtung Wasser hinaus zieht und bei Ebbe freigelegt ist. Die Felsen und die flachen Tümpel bilden eine der artenreichsten Meeresküsten der Insel, hier gibt es eine Vielzahl von Muscheln, Krebsen, Fischen und Korallen. Bei Flut und Wind treffen hier die Atlantikwellen mit voller Wucht auf die Küste, doch die Gefahr wird durch das flache Felsplateau gebremst. Baden ist an dieser Küste nur an wenigen Stellen möglich, und wenn, dann ist der Strand recht steinig.

Geologisch gesehen ist die Halbinsel eine „fajana“, eine Plattform, die von den Lavaströmen des Vulkans Las Rozas gebildet wurde, die sich ins Meer hinaus ergossen haben. Deshalb ist die Küste hier flach, aber trotzdem sehr wild.

Der Leuchtturm von Punta del Hidalgo steht an der nördlichsten Stelle von Teneriffa. Er beeindruckt durch seine moderne, 50m hohe Konstruktion. Seine Lichtsignale sind 16 Seemeilen weit zu sehen. Er ist einer von sieben größeren Leuchttürmen der Insel. Mehr darüber erfährst du im Artikel Ganz weit draußen.

Gleich hinter dem Leuchtturm haben Graffiti-Künstler die Mauern der Bananenplantagen mit phantasievollen Bildern verschönert. Dort steht auch eine weitere Hütte zur Vogelbeobachtung.

Danach kommt man am Charco de la Arena vorbei, einem ehemaligen Schwimmbad, das aber in Privatbesitz ist und nicht mehr öffentlich genutzt werden kann. Das dortige Restaurant ist aber sehr empfehlenswert.

300 m weiter kommt man an der kleinen Kapelle von San Juanito vorbei. Hier in Punta del Hidalgo ist wie in vielen Orten der Insel der Heilige Johannes für die Feierlichkeiten zuständig, die jedes Jahr am 24. Juni, den Johannistag, zu seinen Ehren stattfinden. Aber hier verehrt man den „kleinen Juan“, San Juanito. Am Vorabend des Johannistags wird die Figur des kleinen Johannes in einer Prozession von der Kirche San Mateo zur Kapelle an der Küste getragen. Sie endet bei Einbruch der Dunkelheit. Danach werden dort die großen Johannisfeuer entzündet.

Hier beeindruckt auch die Silhouette der ersten Berge des Anaga-Massivs. Dunkel, bedrohend und unnahbar ragen sie mehrere hundert Meter steil empor. Einer dieser Berge endet in zwei Spitzen, die auch als „zwei Geschwister“ (dos hermanos) bezeichnet werden. So eine Felsformation, dachte man früher, kann kein Zufall der Natur sein.

Es entstand eine Legende, die erzählt, dass sich der Sohn einer reichen Guanchenfamilie in eine hübsche Guanchentochter verliebte. Sie trafen sich immer am Strand unterhalb des Berges, der Playa de Troche, liebten sich auf den schwarzen Steinen und erzählten sich Geschichten aus ihrer Kindheit. Doch eines Tages entdeckten sie, dass sie Geschwister waren und als Waisen in verschiedenen Familien aufwuchsen. Denn die zwei Hälften der Taschentücher, die sie bei sich trugen, passten genau zueinander. Und nun mussten sie ihre tragische Liebe fortan verheimlichen.

In großer Trauer und Verzweiflung stiegen sie auf den Berg, sahen sich noch einmal in die Augen und stürzten sich in die Tiefe. Das Meer verschlang ihre Körper und ihr Geheimnis für immer. In diesem tragischen Moment verdunkelte sich der Himmel, ein Gewitter zog auf und ein Blitz spaltete den Berg in zwei Teile.

Für die Guanchen war dieser Berg die Verbindung zwischen Himmel und Erde und trug den Namen Aramuygo. Dies ist auch der Titel eines Dokumentarfilms über das Leben der Guanchen auf der Halbinsel, die auf Grund der Abgeschiedenheit eine „Insel auf der Insel“ war. In dem dazu erschienenen Buch „Cuando el cielo nos habló“ (Als der Himmel zu uns sprach)·ist die wissenschaftliche Untersuchung der Universität La Laguna dazu dokumentiert. (A. José Farrujia de la Rosa y Miguel A. Martín González, ISBN: 978-84-128700-1-5, Nov. 2024)

Am Fuß des Bergs liegt auch die Höhle von San Mateo. Sie heißt so, weil man darin ein Bild des Heiligen fand, das jetzt in der gleichnamigen Kirche aufbewahrt wird. Eine andere Legende erzählt, dass hier der berühmte Pirat Amaro Pargo seine Schätze versteckt hatte. Es wurde aber nicht gefunden. Lies dazu die Piratengeschichten.

Nach der Kapelle muss man sich dann einen Weg suchen hinauf zur Wendeplatte am Ende der Straße. Man geht am besten wieder nach rechts oben, auf einem leicht ansteigenden Weg, es gibt aber auch steilere.

Hinter der Wendeplatte steht ein Denkmal für Sebastián Ramos „El Puntero“ (1894-1976). Er war einer der bedeutendsten Sänger der tinerfeñischen Folklore und setzte sich sehr für die Erhaltung der traditionellen Musik ein. Seinen Spitznamen hat er natürlich von Punta del Hidalgo.

Der Rückweg geht nun an der Straße entlang. Nach 600m kommt man am Torre del Conde vorbei. Er ist eine Nachbildung des gleichnamigen Turms in San Sebastián, der Hauptstadt von La Gomera, und ist seit 2022 im Besitz der Stadt La Laguna. Die ehemalige Besitzerin des Gebäudes, Inés Peraza de Ayala, hatte es in ihrem Testament schon im Jahr 2004 der Stadt vermacht. Ihre Vorfahren waren die Grafen von La Gomera.

Die Stadt wollte eigentlich den Turm restaurieren und ein kleines Museum einrichten. Doch leider ist das noch nicht geschehen. Die Nachbarn beklagten schon 2024 öffentlich den bedauernswerten Zustand des hübschen Turms, der immer mehr zur Ruine wird und inzwischen eingezäunt werden musste.

Danach kommt man an der Kirche San Mateo Apóstol vorbei. An dieser Stelle stand schon 1580 die erste Kapelle des Orts, der einzige Ort in der Diözese La Laguna, die den Apostel und Evangelisten Mattheus verehrt. Der massive Bau der heutigen Kirche entstand im Jahr 1876. Ihre roten Bausteine stammen aus den Steinbrüchen von Jardina (siehe: Grüner Wald und roter Stein).

200m weiter geht man rechts die Straße Camino de los Corrales hinunter und kommt am Skatepark und den Sportplätzen vorbei wieder zur Küstenpromenade.

Punta del Hidalgo ist übrigens auch der Heimatort der berühmtesten traditionellen Musikgruppe Teneriffas, den Sabandeños. An der Hauptstraße Richtung Bajamar steht ein Denkmal für sie. Lies dazu auch den Artikel Hält warm und trocken.

Entfernung: 4,7 km
Gehzeit: 1,5 Std.
Höchster Punkt: 80 m, tiefster Punkt 2 m
Einstufung: C1*RB (Erklärung siehe hier)

Karte:

Einen Spaziergang auf der Küstenpromenade im Ort findest du in diesem Video:

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2 Gedanken zu “Punta del Hidalgo

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